Einen teuren Schatz bewahren
Ausgabe Nummer 43 (2003)
Einen teuren Schatz bewahren
| Thurgauer Zukunftslandwirtschaft/Teil 8 | |||
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| Kaum jemand weiss, wo Landsiedeln liegt. Das Gehöft auf dem Gebiet der Gemeinde Fischingen liegt in der Bergzone 2 auf gut 800 Meter über Meer. Dort bewirtschaften Andreas und Monika Moser ihren 20 Hektar grossen reinen Futterbaubetrieb. Trotz Unsicherheiten auf dem Milchmarkt blicken das Betriebsleiterpaar und seine vier Kinder mit Zuversicht in die Zukunkft. | |||
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| Sie stammen beide aus Bauernfamilien. Er wollte schon immer Landwirt werden, sie wollte schon immer «en Puur». Er ist auf dem elterlichen Betrieb im Gehöft Landsiedeln hoch oben im Hinterthurgau aufgewachsen. Sie stammt vom Rorschacherberg, wo es auch nicht immer ebenfort geht. Nun führen Monika und Andreas Moser seit gut zwölf Jahren den von Andreas Eltern übernommenen Betrieb in der Bergzone 2. Die Begeisterung für die Landwirtschaft, für den Beruf und für die Arbeit draussen ist beiden anzumerken. «Ich habe grosse Freude an meinem Beruf», sagt Andreas Moser schlicht. Ehefrau Monika bestätigt: «Ich habe mir immer einen Bauern zum Mann gewünscht, und ich bin glücklich, dass ich einen bekommen habe.» Während Andreas Eltern und der Bruder sich mittlerweile dem vom Vater aufgebauten Tiefbaugeschäft in Au widmen, hängen die beiden am Betrieb, an den 13 Braunviehkühen, den Wiesen und Weiden, mögen diese noch so «gääch» und abgelegen sein. «Dies ist ein Schatz, den wir gerne an unsere vier Kinder weitergeben möchten», sagt Monika Moser. «Es gibt Momente, wenn am frühen Morgen die Sonne aufgeht, die kann einem niemand bezahlen, auch mit allem Geld der Welt nicht.» Gefährdete Idylle Doch trotz des spürbaren Idealismus neigen sie nicht zur romantischen Verklärung ihres Bauerndaseins. «Schitter» stehe es um die Milchwirtschaft, das wissen sie, und haben es am eigenen Leib erlebt. Die Käserei Zinggen, unweit vom Hof gelegen, ist längst geschlossen. Bis vor einem Jahr wurde die Milch vom Fischinger Käser noch abgeholt, seither bringt Moser die Milch selbst ins Tal, anfänglich gar zweimal täglich, seit diesem Sommer noch einmal. «Früher hatte ich am wenigsten weit in die &Mac220;Hütte&Mac221;, heute am weitesten», erklärt Andreas Moser. Er teilt sich zwar die 13 Kilometer lange Fahrt wöchentlich mit einem Nachbarn, doch der Mehraufwand ist ohnehin beträchtlich. Es musste eine Kannenkühlanlage angeschafft werden, und Monika Moser ist stärker im Stall engagiert, wenn Ehemann Andreas mit der Milch unterwegs ist. «Ich habe die Umstellung am eigenen Leib zu spüren bekommen», sagt sie. Es heisst Milchgeschirr waschen, füttern, den Stall fertig machen. «Je höher oben ein Betrieb liegt, desto mehr ist man aufeinander angewiesen», gibt Monika Moser zu bedenken. Schule geschlossen Der Abbau von Infrastruktur lässt sich in vielen Berggebieten der Schweiz feststellen. Da macht das Hinterthurgauer Grenzland zum Tösstal keine Ausnahme. Nicht nur «ihre» Käserei haben Mosers verloren, sondern auch die eigene Schule gleich daneben. Die Primarschule ist in Au, der Kindergarten in Fischingen, die Oberstufe in Oberwangen. Die zeit- und kindergerechte «Abwicklung» des Schulweges stellt hohe Ansprüche an Eltern wie Kinder. Der Schulbus ist organisiert, einmal pro Woche chauffiert Monika Moser selbst. Doch der Weg hin und zurück ins Tal ist kein Zuckerschlecken, besonders, wenn die Winter so streng sind wie der letzte. «Weisst du, einmal mussten wir sogar die Schneeketten montieren», klärt der älteste Sohn Urs den Journalisten auf. Nebenerwerb notwendiger denn je An einem Nebenerwerb wird für Mosers wohl kaum ein Weg vorbeiführen. Bereits jetzt arbeitet Andreas Moser im Winter im Forst, und im Sommer hilft er im väterlichen Tiefbauunternehmen aus. Auch Monika Moser könnte sich einen Nebenerwerb grundsätzlich vorstellen, doch mit den vier Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren bleibt dafür kein Spielraum. «Die Kinder, die Schule, und die Arbeit im Stall sind mir wichtiger», macht sie klar. Und überhaupt: Die Milchproduktion steht für die ganze Familie weiterhin im Vordergrund. «Es heisst zwar schon, wir seien zu klein», meint Andreas Moser mit Blick auf die einschlägigen Statistiken. «Mit der Milch aufzuhören, kommt für uns aber noch nicht in Frage. Das ist für uns auch eine emotionale Angelegenheit», ergänzt er. Den Milchviehbestand remontiert Andreas Moser weitgehend selbst, und nicht nur er, sondern die ganze Familie hängt sehr an den Kühen. Kollegen in der Gegend hätten andere Wege eingeschlagen, hätten auf Bio umgestellt, sich auf Rinderaufzucht, Mutterkühe oder Schweine spezialisiert. Und dann gibt es auch ältere Betriebsleiter, die einfach weitermachen, so lange sie können. Vergrössern allein macht nicht glücklich Wie sieht es aus mit Aufstocken und Vergrössern? Zwei Gründe zwingen Moser in diesem Punkt zu einer vorsichtigen Haltung: So sei er als Produzent von Emmentaler-Käsereimilch unmittelbar von der Grosswetterlage im Käsemarkt abhängig. Andererseits lassen die topografischen Bedingungen keine unbeschränkte Ausdehnung nach oben zu. Arbeitskapazitäten und Kostenüberlegungen setzten hier bald einmal neue Grenzen. Angesichts der einmaligen Lage des Hofes im Bergland stellt sich die Frage, ob nicht etwa «Ferien auf dem Bauernhof» ein Thema sein könnte. «Man muss der passende Typ sein dafür», gibt sich Andreas Moser zurückhaltend. Da der Betriebsschwerpunkt in der Tierhaltung liegen soll, ist auch die Bereitschaft nicht sehr gross, ins Wohnhaus zu investieren, macht der Betriebsleiter klar. Kapazitäten, um zu investieren seien ohnehin dünn gesät, und «es geht nicht an, uns in der jetzigen Situation bis zum Hals zu verschulden.» Als Vorstandsmitglied des Vereins Hinterthurgauer Bergbauern findet Andreas Moser dort den Rahmen, um mit Berufskollegen Zukunftsfragen zu erörtern. «Wir sind ein tolles Team. Unsere Aktivitäten, wie beispielsweise vor kurzem am Fischinger Markt, werden von einem breiten Publikum geschätzt», freut er sich. Auch für Ehefrau Monika sind in dem dünn besiedelten Gebiet die Kontakte mit Berufskolleginnen wichtig. Sie ist im Vorstand der Landfrauen am Hörnli aktiv. (hil) |
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