Ausgabe Nummer 26 (2005)
Einfacher gesagt als getan
Rationeller Arbeiten
Einfacher gesagt als getan
Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, eine Arbeit in einem bestehenden System produktiver und rationeller zu gestalten: Die Arbeit wird durch Maschinen sprich Kapital ersetzt, oder das ganze Denken und Handeln rund um eine Arbeit wird verändert und überdacht. Aus Kostengründen verbleibt die zweite Variante, die jedoch häufig ungenutzt bleibt, obwohl Hilfsmittel dazu bekannt wären. Wieso eigentlich? Was kann man dagegen tun?
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Nicht immer bekommt der Betriebsleiter Betrieb und Privates unter einen Hut. Da bleibt die Planung über die Zukunft des Betriebes wie auch die Organisation von Wachstum meist auf der Strecke. |
Bei der zweiten Variante geht es darum, die Arbeit an sich besser zu organisieren, den Ablauf zu überdenken und zu verbessern oder Störfelder auszuschalten, damit ein rationelleres Arbeiten möglich wird; in der Fachsprache nennt man dies «Management». Mögliche Hilfsmittel zur Verbesserung des Betriebsmanagements und Ihnen inzwischen sicher bekannt sind zum Beispiel Ziele setzen, Arbeiten schriftlich planen, Prioritäten setzen, Nein sagen, Termine vereinbaren, Zeitdiebe eliminieren. Oft kann mit Hilfe dieser Schritte eine Arbeit oder ein Produktionssystem effizienter erledigt oder betrieben werden, als wenn eine Maschine eingesetzt würde.
Was hindert uns daran,
unsere Arbeit mit Hilfe dieser Schritte zu rationalisieren und effizienter zu gestalten?
Der Mensch ist ein «Gewohnheitstier»; er ändert nicht gerne etwas, das eigentlich gut läuft.
Eine Veränderung braucht Energie; wenn man schon mit viel Arbeit eingedeckt ist, kann oder will man diese Energie oft nicht aufbringen. Oft hat man Angst, noch mehr Zeit zu verschwenden.
Verändern heisst, alte vertraute Gewohnheiten aufzugeben und neue eventuell unbekannte Pfade zu begehen. Häufig fällt man aus Bequemlichkeit wieder ins alte Fahrwasser zurück; kein Grund, es nochmals zu versuchen.
Erledigen wir unser Arbeiten immer auf die gleiche gewohnte Weise und hinterfragen wir nicht ständig unser Handeln, werden wir betriebsblind. Bei Betriebsblindheit können sich Nachlässigkeiten einschleichen (Melken), regelmässig auftretende Krankheiten werden nach einiger Zeit als «normal» angenommen (hinkende Kühe, höhere Zellzahlen), Abläufe werden als optimiert angenommen, obwohl sie nicht wirklich effizient sind (Boxeneinstreuen).
Was können Sie unternehmen?
Erledigen Sie Ihre Arbeit BEWUSST. Muss ich wirklich so häufig den Melkstand verlassen? Ist ständiges Nachmelken wirklich normal?
Hinterfragen Sie ihre Handlungen! Wenn wir an einem Tag den Stall früher fertig machen müssen, arbeiten wir dann schneller, lassen wir Arbeitsschritte weg oder ändern wir gar (sinnvoll) unsere Abläufe?
Hören Sie auf Bemerkungen von Familienangehörigen. Prüfen Sie die Variante, probieren Sie diese aus, ändern Sie sie gegebenenfalls ab; verwerfen Sie diese aber erst, wenn die Ergebnisse schlechter als mit Ihrer Methode ausfallen. Diskutieren Sie in Ihrer Familie über Verbesserungen; gemeinsam kommen Sie weiter.
Hören Sie auf Tipps von Ihren Berufskollegen; vielleicht bringt doch etwas davon Erfolg? Profitieren Sie von ihren Erfahrungen. Diese sind meist nicht unbegründet!
Lehnen Sie zum Beispiel die Voll- oder Halbtagesweide ab, weil Sie GLAUBEN, dass es bei Ihnen nicht funktioniert, ohne es jedoch je ausprobiert zu haben?
Wenn Sie mit Angestellten arbeiten, geben Sie Ihnen das Ziel der Arbeit vor, jedoch nicht den Weg dorthin. Wenn Sie die Arbeit mit gleicher Endqualität schneller erledigen, übernehmen Sie die Methode.
Wenn Sie etwas im Produktionssystem stört, suchen Sie aktiv nach neuen Lösungen, diskutieren Sie, wenden Sie es an, experimentieren Sie.
Probieren Sie zusammen mit Ihrer Familie nacheinander jeweils drei Wochen lang die verschiedenen Managementhilfsmittel (Ziele setzen, Planen, Prioritäten setzen,…) aus. Passen Sie die Hilfsmittel Ihrem Naturel an (siehe auch Merkblatt «Arbeit optimieren»).
Wenden Sie eine Änderung je nach Arbeit zwei bis drei Wochen an (Faustregel = 21-mal). Wenn der neue Ablauf nicht einfacher oder mit ungenügender Qualität von statten geht, wechseln Sie wieder zum alten System.
Es ist hart,…
Die effizienteste Methode nebst der Anwendung der Managementhilfsmitteln ist, die Arbeit und seine Handlungen ständig zu hinterfragen. Dies ist allerdings sehr anstrengend, vor allem zu Beginn, wenn dieses ständige Hinterfragen noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist. Gleichzeitig bedingt dies meist auch, Einstellungen zu überdenken und zu verändern, lieb gewonnene Gewohnheiten aufzugeben, neue Wege zu begehen. Es ist hart, dies hier zu lesen und noch härter, es auch zu akzeptieren: Sie selber sind der einzige Mensch, der diese Veränderungen vollbringen kann! Nur Sie selber können das Management ihres Betriebes und die Arbeitsproduktivität auf ihrem Betrieb massgebend beeinflussen. Ich als Beraterin kann Sie dabei unterstützen, ausführen und umsetzen müssen Sie es selber.
Es ist nicht leicht,
alte Gewohnheiten zu verändern. Fangen Sie klein an und freuen Sie sich über jede kleine Verbesserung. Aber fangen Sie überhaupt erst einmal an! Machen Sie den ersten Schritt innerhalb der nächsten 72 Stunden, dann schaffen Sie den Durchbruch. Viel Erfolg und Motivation dabei!

