Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Einkaufstourismus bereitet den Schweinezüchtern Sorgen

Ausgabe Nummer 48 (2015)

Herbstversammlung der Suisseporcs Sektion Ostschweiz

Im Zentrum der Herbstversammlung der Suisseporcs Sektion Ostschweiz in Kirchberg stand der Einkaufstourismus und die Schweinehaltung in Österreich.

An der Herbstversammlung der Suisseporcs, Sektion Ostschweiz, äusserte sich Präsident Christian Gerber zum Einkaufstourismus ins benachbarte Ausland. Nach seiner Meinung funktioniert der Grenzschutz nicht oder nur ungenügend. Massenweise werde täglich Ware mit Privatautos in die Schweiz «gekarrt», ohne dass die Schweizer Grenzbeamten richtig kontrollieren. Eine lückenlose Kontrolle sei überhaupt nicht möglich, was von den Einkaufstouristen schamlos ausgenutzt werde. «Unsere Grenzen gleichen einem Schweizer Emmentaler Käse, mit dem Unterschied, dass beim Käse die Löcher erwünscht sind», sagte Gerber.

Umsatzabfluss von 2,8 Milliarden Franken
Alleine bei beim Lebensmittelhandel betrage der Umsatzabfluss 2,8 Milliarden Franken. Beunruhigend sei, dass sich die Kunden an die Produktangebote im Ausland gewöhnen und die mitreisenden Kinder das Shoppen im Ausland als Erlebnis empfinden. Über 50 Prozent der Leute, die im Ausland einkaufen, bevorzugen ausländische Wurstwaren, gegenüber 24 Prozent, die den Schweizerwürsten den Vorzug geben.

Landwirtschaftliche Märkte sollen liberalisiert werden
Wie Gerber erklärte, habe der Bund kürzlich angekündigt, die landwirtschaftlichen Märkte in absehbarer Zeit zu liberalisieren. Ziel sei es, die Grenzen für landwirtschaftliche Produkte schrittweise ab 2023 zu öffnen. Damit stosse der Bund die Schweizer Bauern einmal mehr vor den Kopf. Gerber ist überzeugt, dass die landwirtschaftlichen Organisationen und Interessenvertretungen intervenieren, trotzdem müsse man sich damit abfinden und sich besser heute als morgen mit der Grenzöffnung beschäftigen. Das heisse, wer sich vorbereitet, könne einer Öffnung der Märkte gelassener entgegenschauen.

Ein Blick in die österreichische Schweinezucht
Dipl. Ing. Dr. Johann Schlederer, Geschäftsführer der Österreichischen Schweinebörse, berichtete über die Schweinehaltung in Österreich. Vor- und Nachteile des Standortes Österreich sowie der Leistungsbericht waren die zentralen Themen. Der Export der österreichischen Schweine nach Russland ist nach Schlederer zurzeit problematisch. Der weltweit grösste Schweineproduzent ist weiterhin China, das rund 50 Prozent des weltweiten Schweinebestandes hält. Die stärkste Schweineproduktion innerhalb Europas findet in Spanien statt. Die Produktion ist in Europa kontinuierlich gestiegen und liegt etwa drei bis sieben Prozent über der Eigenversorgung. Um den Standort Österreich mit anderen in Europa vergleichen zu können, sind nicht nur die Produktionskosten pro kg Schweinefleisch entscheidend. Fragen wie Fruchtbarkeit (verkaufte Mastschweine/ Sau und Jahr), Zunahmen, Futterverwertung, Arbeitseinsatz/ Sau inklusive Mast, Lohnkosten (inklusive Schlachtlohnkosten) sind für die Wettbewerbsfähigkeit relevant, sagt Johann Schlederer. Österreich hat aufgrund der hohen Eigenleistung (eigenes Futter, eigene Arbeit) sicher Vorteile. Gerade in Phasen von Futterkostenerhöhungen stärken diese die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs.


Mario Tosato




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