Ausgabe Nummer 12 (2006)

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Einkommen auf dem Boden der Realität beeinflussen

Delegiertenversammlung des TBV vom 16. März 2006 in Sulgen

Einkommen auf dem Boden der Realität beeinflussen

Über dreihundert Personen füllten am Donnerstag vor einer Woche den Auholzsaal in Sulgen. 207 Stimmberechtigte und zahlreiche Gäste erschienen zur Delegiertenversammlung des Thurgauer Bauernverbandes (TBV). Marianne Jöhr-Nater wurde ehrenvoll verabschiedet, nach zehnjähriger Mitarbeit im Vorstand tritt sie zurück. Therese Huber-Hirschi aus Hefenhofen wurde einstimmig als neue Vertreterin der Thurgauer Landfrauen in den Vorstand gewählt.


Präsident Andreas Binswanger mit
Sponsor Ruedi Brüllhardt,
Geschäftsführer der
Tobi Tafelobst AG. (kb)

Nach der Begrüssung gab Präsident Andreas Binswanger seinem Ärger über die zahlreichen Negativschlagzeilen Ausdruck, welche die Landwirtschaft wegen Freihandelsabkommen und Feinstaub anklagten. Ebenso verurteilt er die massive Kritik durch die Wirtschaftsvertreter; Economiesuisse bezeichnet er als den momentan grössten Landwirtschaftskritiker. Dass sich die Landwirtschaftsvertreter für die bilateralen Abkommen mit der EU und für Personenfreizügigkeit eingesetzt haben, sei bereits vergessen. «So, ich musste einfach mal Dampf ablassen! Das ist zwar nicht konstruktiv, aber notwendig, um auf den Boden der Realität zu kommen.», begründet der Präsident selbstkritisch seinen emotionalen Einstieg. Anschliessend erläutert er seine Sicht der Landwirtschaft und zeigt auf, wo der TBV sich aktiv für die Thurgauer Bauernfamilien einsetzt.

Druck bleibt hoch

Der Druck für mehr Freihandel in der Landwirtschaft werde weiter hoch bleiben. Er wird das Einkommen in der Schweizer Landwirtschaft beeinflussen, und die Produktepreise werden weiter sinken, warnt der Präsident und versichert, dass sich der TBV auf nationaler und kantonaler Ebene für gute Rahmenbedingungen einsetzt. Dazu gehört die Revision des Raumplanungsgesetzes, die Zulassung von Parallelimporten und die Gebühren für die externen Kontrollkosten des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN), die im Thurgau neu auf die Bauern abgewälzt werden sollen.Die wichtigsten Abnehmer der Thurgauer Bauernfamilien sind die Grossverteiler, sie vermarkten rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte im Thurgau. «Sie müssen von uns Landwirtschaftsvertretern weiterhin gedrängt werden, ihre eigenen Produktionskosten zu senken», fordert Binswanger. Der Einkaufstourismus ins Ausland bereitet nicht nur den Detaillisten, sondern auch der Landwirtschaft Sorgen. Der Präsident erwartet, dass der Druck des Detailhandels auf die Produzentenpreise noch zunehmen wird. «Die Reduktion der Produktionskosten kann die sinkenden Einkommen nicht auffangen», gibt er zu bedenken. Von den Bauernfamilien werde in Zukunft noch mehr Leistungsfähigkeit und Leistungswille gefordert. Binswanger bedankte sich bei Roland Eberle für seinen langjährigen Einsatz in der Thurgauer Regierung, während dem er sein Herz für die Landwirtschaft nie verloren hat.
Martin Salvisberg, Leiter Ressort Finanzen, musste einen Rückschlag von rund 8000 Franken vermelden, das Vermögen ist in den letzten Jahren stabil und beträgt rund 1,15 Millionen Franken. Insgesamt ist die Finanzlage des TBV stabil, und die Rechnung wurde von der Versammlung einstimmig genehmigt.
Geschäftsführerin Hermine Hascher gratulierte Eugen Eberle (Agrisano und Versicherungsberatung) zu seinem Zehn-Jahr-Jubiläum auf der Geschäftsstelle des TBV und bedankte sich für seine langjährige Mitarbeit. Seit 1. September 2005 ist die vakante Stelle im Bereich Interessensvertretung und Beratung mit Andreas Rohner wieder besetzt.


Andreas Binswanger bedankt sich
bei Marianne Jöhr-Nater für ihre
jahrelange Mitarbeit. (kb)

Neues Projekt Energie

Hascher stellte das jüngste Projekt Energie des TBV vor. Die Arbeitsgruppe Energie hat das Ziel, die Möglichkeiten der Thurgauer Landwirtschaft im Bereich bio und alternative Energien aufzuzeigen, um ungenutzte Potenziale in der Landwirtschaft zu nutzen und einen neuen, rentablen Betriebszweig zu erschliessen. Nach wie vor steigt der Energieverbrauch.
Energie ist gesucht, und sie darf auch ihren Preis haben, nicht wie Nahrungsmittel, die immer billiger werden müssen. Hascher bezeichnet die Energieproduktion in der Landwirtschaft als Lichtblick.
Ersatzwahlen in der Kommission
Landjugend und im Vorstand
Ignaz Knobel, Wängi, und Sereina Ruoss, Hüttwilen, ersetzen die beiden zurücktretenden Mitglieder Andreas Ammann, Kaltenbach, und Miriam Zimmermann, Fischingen, der Kommission Thurgauer Landjugend.
Marianne Jöhr-Nater, Ottoberg, tritt als Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbandes (TLFV) zurück und tritt auch aus dem Vorstand des TBV zurück. Nachfolgerin im Vorstand des TBV und designierte Präsidentin des TLFV ist Therese Huber-Hirschi, Hefenhofen.
Während zehn Jahren hat Marianne Jöhr-Nater im Vorstand des Thurgauer Bauernverbandes die Thurgauer Landfrauen vertreten. Andreas Binswanger bedauert ihren Rücktritt und bedankte sich für ihre jahrelange Mitarbeit im Vorstand, lobte ihr Feingefühl und ihren Sinn für das Soziale. Zu Ehren der Zurücktretenden wurde vom Frauenfelder Schauspielerduo Trudi Struppler und Bruno Stäheli ein
lustiges «Bauern-Theater» aufgeführt, das für gelungene Auflockerung sorgte.

Einfluss der WTO wird gross

Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), stimmt mit TBV-Präsident Binswanger überein, dass der Schweizer Markt und unsere Agrarpolitik durch die bevorstehenden Liberalisierungen beeinflusst werden. «Der Einfluss der WTO wird sehr gross sein», prognostiziert er. Im Mai wird im Bundeshaus über die AP 2011 debattiert. Es stehe fest, dass der Bundesrat an seiner Linie festhalten wolle, betont Walter. Dabei sind 18 von 24 Kantonen der Meinung, der Finanzrahmen der AP 2011 sei nicht genügend. Der SBV habe am Nachmittag zusammen mit dem SMP und anderen Vertretern aus der Ernährungswirtschaft bei Bundesrat Deiss einhellig, ohne Widersprüche klar gemacht, dass ein falscher Weg eingeschlagen wird. Man muss das Tempo zurücknehmen, sonst droht die Gefahr, dass nicht nur die Bauern verlieren. Der SBV prüfe auch alle Optionen für ein Freihandelsabkommen mit der EU.
Ab 24. April lanciert der SBV eine neue Kampagne: «Gesunde Nahrungsmittel aus der Schweiz für unsere Bevölkerung». Im Rahmen der Kampagne werden bekannte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Michelle Hunziker, mit ihren Statements für die Schweizer Landwirtschaft Stellung nehmen.
Walter Schmid, Präsident der Pflanzenbaukommission des TBV, macht sich im Zusammenhang mit der AP 2011 Sorgen um das Bodenrecht. Der Boden ist ein wichtiges Gut für die Landwirtschaft und darf nicht auf den freien Markt geworfen werden.
Ruedi Schnyder, Präsident des Thurgauer Milchproduzenten-Verbandes (TMP), appellierte an die Thurgauer Beerenproduzenten (VTB), in der Werbung die Zusammenarbeit mit einheimischen Produzenten zu bevorzugen.
Nach der Delegiertenversammlung offerierte die Tobi Tafelobst AG zusammen mit dem TBV einen kleinen Imbiss.


207 Delegierte und rund hundert Gäste erschienen
zur Delegiertenversammlung des TBV. (kb)

Kathrin Bäurle

Aktuelles
– Reorganisation der landwirtschaftlichen Organisationen im Thurgau, Informationsveranstaltungen am 30. und 31. März 2006 (siehe Agenda).
– Tag der Thurgauer Bauernfamilien, am 1. April 2006 (siehe Agenda).
– 1.-August-Brunch 2006: es werden noch weitere Anbieter unter www.brunch.ch, Telefon 052 462 51 11 gesucht! (Bis 12. Mai 2006 anmelden)