Ausgabe Nummer 34 (2006)

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Einsatz von Kraftfutter in der Mutterkuhhaltung – ja oder nein?


Bereits zum dritten Mal fand am 17. August der vom LBBZ Arenenberg organisierte Mutterkuhhalterstamm statt. Diesmal trafen sich die Mutterkuhhalter auf dem Betrieb von Urban und Nadine Dörig in Mettlen. Zum Thema «Kraftfuttereinsatz in der Mutterkuhhaltung» referierte Hansruedi Hottinger, Mitarbeiter der Fachstelle Nutztierhaltung vom Strickhof und selber Mutterkuhhalter. Hans Ziswiler von der SVAMH informierte die Anwesenden über Aktualitäten.

Urban und Nadine Dörig bewirtschaften einen 14 Hektaren grossen Grünlandbetrieb im Nebenerwerb. Unterstützt werden sie dabei von Urbans Eltern. Im Jahr 2002 haben sie die Milchproduktion aufgegeben und halten seitdem Angus Tiere. Gemäss Urban Dörig passt diese Rasse sehr gut zu seinem Betrieb, da die Angus Tiere problemlos abkalben, eine gute Milchleistung haben und kaum zugefüttert werden müssen. Die grosse Leidenschaft von Urban ist das Züchten, wo er auch schon einige Erfolge verzeichnen kann. Er bevorzugt die mittelrahmige Kuh mit einer guten Bemuskelung und einer guten Milchleistung. Die Herde wird in drei Gruppen aufgeteilt und entsprechend gefüttert. In der ersten Gruppe sind die Galtkühe, in der zweiten Gruppe die Mutterkühe mit den männlichen Kälbern von sechs bis zehn Monaten und in der dritten Gruppe sind alle anderen Tiere. Kraftfutter wird den Tieren nicht verabreicht.

Bedarfsgerechte Kraftfuttergaben sind sinnvoll
Zu Beginn seines Referates erklärte Hottinger, dass die Kälber am liebsten in Gruppen fressen, am liebsten bei der Kuh oder zumindest an der gleichen Fressachse. Dementsprechend funktioniert auch ein allfälliger Kraftfutterautomat bei Kälbern nur, wenn mehrere Tiere gleichzeitig fressen können.
Kuhmilch ist ein energiereiches- und kein eiweissreiches Futtermittel. Deshalb muss einem jungen Tier Eiweiss und nicht Energie zugefüttert werden, da es Muskeln ansetzen muss, wofür das Eiweiss verantwortlich ist. Hottinger ermahnte die Natura-Beef Produzenten, die Schlachtabrechnungen Ende Jahr unbedingt genau zu studieren. Nur dann wird erkannt, ob in der Fütterung allenfalls etwas zu verbessern und gegebenenfalls Kraftfutter einzusetzen ist. Zum Schluss fasste Hottinger zusammen, dass in der Mutterkuhhaltung das Jungtier gemästet wird. Bestes Grundfutter und bei Bedarf die Gabe von Kraftfutter sind deshalb wichtig für eine gute Qualität des Produktes und sind auch wirtschaftlich, wie verschiedene Versuche am Strickhof auch gezeigt haben.

Gutes Image nicht verderben
Hans Ziswiler von der SVAMH konnte die Ansichten von Hansruedi Hottinger nicht in allen Bereichen teilen. So hofft Ziswiler, dass die Natura-Beef Produzenten aus Imagegründen auf den Einsatz von Kraftfutter verzichten. Ein Verbot für den Einsatz von Kraftfutter existiert aber nicht. Erfreut berichtete der Vertreter der SVAMH, dass die Entwicklung der Qualität bei den Natura-Beef und va. den SwissPrimBeef sehr erfreulich verläuft. Weiter beruhigte er die Mutterkuhhalter, dass kein Fleischberg zu erwarten ist, da die gesamte Kuhzahl in der Schweiz immer noch abnimmt. Für Ziswiler ist wichtig, dass das Qualitätsfleisch in der Schweiz produziert- und nicht importiert wird. Er ist auch überzeugt, dass es immer einen Markt für Spitzenprodukte geben wird. Dann ermahnte er die Anwesenden auch, das gute Image der Mutterkühe nicht zu gefährden in dem darauf geachtet wird, dass keine tragenden Natura-Beef Tiere in den Schlachthof gelangen oder dass keine spektakuläre Unfälle auf der Alp oder im Stall passieren.

Anforderungen steigen
Um die Natura-Beef Qualität weiter zu fördern, müssen die Mutterkühe von einem von der SVAMH anerkannten Stier abstammen. Natura-Beef Kälber, welche nach dem 1.1.2008 geboren werden, müssen ebenfalls von einem von der SVAMH anerkannten Stier abstammen. Um das SwissPrimBeef weiter zu etablieren, müssen die SwissPrimBeef Tiere ab dem 31.10. 2010 BTS- und RAUS konform gehalten werden. Bevorzugt werden für die SPB-Produktion mittelrahmige Rassen mit einem Schlachtgewicht von 260 bis 320 Kilogramm. Ab dem Jahr 2008 müssen die Mütter der SwissPrimBeef Tiere von einem von der SVAMH anerkannten Stiere abstammen. Zum Schluss riet Ziswiler den Anwesenden noch, bei künftigen Tierzukäufen unbedingt den Zuchtausweis zu verlangen.
Nach den beiden Referaten wurden die Besucher des Mutterkuhstammes in der Festbeiz mit Getränken, Würsten und Kuchen verwöhnt. Bei Speis und Trank konnten so Erfahrungen ausgetauscht werden.
Wir danken allen, die zum guten Gelingen des diesjährigen Stammes beigetragen haben und freuen uns schon jetzt auf den Stamm 2007.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Fabienne Schälchli und Michael Dubach



Zum Erlangen höchsstehender Fleischqualität ist eine gute Fütterung von Mutterkuh und Kalb unabdingbar.(lid)
Zum Erlangen höchsstehender Fleischqualität ist eine gute Fütterung von Mutterkuh und Kalb unabdingbar.(lid)