Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Eiweissergänzungsfutter aus einheimischen Futterleguminosen

Ausgabe Nummer 25 (2014)

Der Import von Kraftfutter steigt in der Schweiz seit Jahren stetig an. Dies gilt auch für Proteinfuttermittel wie beispielsweise Soja, die weltweit wichtigste Proteinfutterpflanze.

Im Jahr 2013 wurden knapp 260 000 Tonnen Soja importiert, davon der grösste Teil aus Übersee. Um dieselbe Menge Sojaschrot in der Schweiz herzustellen, würde eine Fläche von etwa 100 000 Hektaren benötigt, was rund einem Zehntel der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz entspricht. Solch hohe Importmengen sind aus verschiedenen ökologischen und sozialen Gründen, aber auch wegen der Swissness-Strategie bei der Nahrungsmittelherstellung problematisch. Insbesondere im Biolandbau lassen sich die Ansprüche an geschlossene Kreisläufe und die hohe Preisabhängigkeit längerfristig nicht mit den momentan grossen Soja-Importen vereinbaren. Seit einigen Jahren wird intensiv an Lösungsansätzen gearbeitet. So entstand am BBZ Arenenberg die Idee, auf der Basis von Futterleguminosen Trockenpellets zu produzieren. Diese könnten als handelbares Protein-Ergänzungsfutter, beispielsweise in der Milchvieh- und (teilweise) der Legehennenfütterung, eingesetzt werden. Der Anbau von Futterleguminosen kann gut in die Fruchtfolge eingebettet werden und ist insbesondere für viehlose Betriebe wegen des beträchtlichen Stickstoff- Inputs durch die Leguminosen sehr interessant.

Vielversprechende Ergebnisse aus Vorversuch
In einem Vorversuch auf einem Biobetrieb in Engwang wurden im Spätsommer 2009 vier verschiedene Ansaaten à 60 Aren etabliert (Weissklee-Reinsaat, Mattenklee-Reinsaat und zwei leguminosenreiche Klee-Gras-Mischungen). Diese Bestände wurden im Jahr 2010 viermal geerntet und in der nahe gelegenen Grastrocknungsanlage getrocknet und pelletiert. Die Erhebung der Erträge und Analyse der produzierten Pellets ergab, dass nur die Weissklee-Reinsaat für den Einsatz als Protein-Ergänzungsfutter ausreichend hohe und über das Jahr stabile Proteingehalte von gegen 250 g Rohprotein (RP) pro kg Trockensubstanz (TS) lieferte. Weissklee ist niederwachsend und gilt deshalb als deutlich weniger ertragreich als Klee-Gras-Mischungen, was sich im Vorversuch bestätigte. Die produzierten Pellets wurden anschliessend auf verschiedenen Thurgauer Bio-Milchviehbetrieben versuchsweise verfüttert. Insgesamt waren die ersten Erfahrungen im Feld- und Fütterungsversuch so ermutigend, dass im Jahr 2011 zwei neue Feldversuche aufgegleist wurden.

Höchste Proteingehalte bei Weissklee kombiniert mit Luzerne oder Mattenklee
Der erste der beiden neu gestarteten Feldversuche wurde in Kleinparzellen im Sortengarten des BBZ Arenenberg durchgeführt. Er hatte zum Ziel, geeignete Mischungspartner zum Weissklee zu finden, ohne dass diese den Proteingehalt zu stark beeinträchtigen. Gesät wurden im Spätsommer 2011 und teilweise im Spätsommer 2012 Weissklee-basierte Mischungen mit Alexandrinerklee, Perserklee (nicht überwinternde Leguminosen), Mattenklee, Luzerne (ausdauernde Leguminosen), Grünschnitthafer (nicht überwinterndes Gras) und Englisch Raigras (überwinterndes Gras) als Mischungspartner. Ausserdem wurden als Kontrolle Weissklee-Reinsaaten und verschiedenste Standardmischungen etabliert. Alle Ansaaten wurden im Jahr 2012 und 2013 jeweils zur Hälfte vier-, respektive sechs Mal geerntet.

Die Resultate bestätigten, dass bei sechs Schnitten höhere Proteingehalte als bei vier Schnitten erzielt werden. Hingegen war erstaunlich, dass die höchsten Proteingehalte nicht bei den Weissklee-Reinsaaten erreicht wurden, sondern bei den Weissklee-Luzerne- Mischungen. Ebenfalls hohe Gehalte wurden mit den Weissklee-Mattenklee-Mischungen und den Standardmischungen 320 und 325 erreicht. Die Weissklee-Reinsaaten fielen gehaltsmässig eher ab, was mit stärkerer Verunkrautung und insbesondere starkem Italienisch Raigras-Durchwuchs zu tun hatte. Bezüglich Unterschieden zwischen einzelnen Schnitten fielen die teilweise sehr hohen Gehalte des Herbstschnittes auf: Beim 6-Schnitt-Verfahren mit der Weissklee-Luzerne-Mischung wurden sogar bis 299 g RP pro kg TS gemessen! Bezüglich Jahresertrag zeigte sich, dass mit der Kombination von Weissklee mit aufrecht wachsenden Leguminosen oder ausdauernden Gräsern im Vergleich zu reinen Weissklee-Beständen ein deutlicher Mehrertrag erzielt werden konnte. Solche Mischungen erreichten ähnlich hohe Erträge wie die (gedüngten) Standardmischungen. Hingegen brachte die Erhöhung von vier auf sechs Schnitte bei vielen Mischung nur einen kleinen oder gar keinen Mehrertrag.

Italienisch Raigras-Durchwuchs und Verschmutzung als Herausforderungen in Praxis
Der zweite der im Jahr 2011 gestarteten Feldversuche wurde auf einem Biobetrieb in Siegershausen durchgeführt. Diesmal wurden im Frühjahr 2011 drei verschiedene Weissklee-basierte Mischungen à 90 Aren angesät (Weissklee-Mattenklee, Weissklee- Perserklee, Weissklee-Reinsaat). Vom Ansaatzeitpunkt und der Saatgut-Anpassung abgesehen lief dieser Feldversuch gleich ab wie der Vorversuch in Engwang. Mit durchschnittlich 178 g RP pro kg TS über alle drei Mischungen und alle Schnitte im Ansaat- und Folgejahr lagen die Gehalte deutlich unter den Erwartungen. Dies hatte einerseits mit einem Durchwuchs von Italienisch Raigras, die Ansaat erfolgte auf Naturwiesen-Umbruch, aber auch mit Futterverschmutzung, verursacht durch einen starken Schermaus-Befall zu tun. Bezüglich Ertrag ergab sich dasselbe Bild wie im Kleinparzellen-Versuch am Arenenberg: Weissklee kombiniert mit Mattenklee ergab deutlich höhere Erträge als die Mischungen ohne ausdauernde, aufrecht wachsende Leguminosen.
Neben dem Praxisversuch in Siegershausen wurden zur selben Zeit Weissklee-basierte Mischungen auf mehreren Biobetrieben im Thurgau und der übrigen Schweiz angesät. Diese wurden in den Folgejahren in den jeweils nächstgelegenen Trocknungsanlagen getrocknet und pelletiert, und entweder selber eingesetzt oder vermarktet (der grösste Teil davon über die Biomühle Lehmann). Insgesamt konnten neben den gewonnenen Erfahrungen zum Anbau, zur Pflege und zur Ernte insgesamt auch gute Proteingehalte realisiert werden. Um das Angebot besser zu bündeln und einen Markt aufzubauen, wurde eine Interessensgemeinschaft gegründet.


Daniel Nyfeler,
Christof Baumgartner,
Jakob Rohrer,
BBZ Arenenberg







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