Ausgabe Nummer 29 (2003)
Emmentaler: Düstere Wolken am Markt
| Warnung vor einer erneuten "Milchkrise" |
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| Die Turbulenzen im Emmentaler Markt sind noch nicht ausgestanden. Die grösseren Handelsfirmen haben in den letzten Tagen die Mengenzuteilungen für die Monate August bis Oktober 2003 mitgeteilt und gleichzeitig eine Preissenkung kommuniziert. |
| Seit Monaten bangt die Branche auf den Herbst 2003. Aufgrund der erwarteten Produktionsmenge von über 40 000 Tonnen, bei einer verkäuflichen Menge von rund 32 000 Tonnen, wird ein Einbruch der Preise geradezu provoziert. Leider ist die Sortenorganisation Emmentaler zu schwach, um ein Mengen- und Preisdiktat durchzusetzen, die Mengen sind seit Frühjahr 2001 freigegeben, der Bund hat sich seit 1999 (Auflösung der Käseunion) aus der Steuerung zurückgezogen, und eine kollektive Vernunft in schwierigen Situationen kann nicht erwartet werden. Die Konsequenzen dieses Verhaltens werden bitter sein: ? Noch mehr Druck auf den Käsepreis ? Massive Einschränkungen von 20 bis 40 Prozent, je nach Käsehändler ? Druck auf den Milchpreis für Käsereimilch ? Druck auf den Milchpreis für Industriemilch ? Risiko, dass ausstehende Guthaben für Milch und Käse nicht mehr bezahlt werden können. Guter Rat ist teuer! Eine generelle Umstellung von Betrieben oder Genossenschaften auf Silomilch/Industriemilch kann nicht empfohlen werden, da auch in diesem Marktsegment saisonal Überschüsse nur mit Unterstützung des Milchstützungsfonds der Schweizer Milchproduzenten exportiert werden können. Soweit dies finanziell tragbar ist, kann nur geraten werden, die Durststrecke von mehreren Monaten durchzustehen und im Verlaufe des Winters 2003/04 die Lage neu zu analysieren und dann Entscheide zu fällen. Unter dem Eindruck, dass die Exportmärkte auch für die EU-Länder alles andere als rosig sind (hohe Butterlager, tiefe Preise für Milchpulver) wird der Druck auf den schweizerischen Milchpreis weiterhin anhalten. Der Stützungsabbau des Bundes für die Landwirtschaft in den Jahren 2004 bis 2007 um über 400 Millionen Franken wird den Milchpreis negativ beeinflussen. Zusammen mit der weiteren Marktöffnung (WTO/EU) wird der Milchpreis in wenigen Jahren unter 65 Rp./kg Milch gefallen sein. In dieser schwierigen Situation gibt es auch Lichtblicke, nämlich: ? Appenzeller Käse und Gruyère hält sich gegenwärtig recht gut. ? Der Inlandmarkt für Frischprodukte läuft befriedigend bis gut. Schlussfolgerungen ? Der Milchpreis wird weiterhin unter Druck bleiben. ? Investitionen nicht oder nur vorsichtig kalkuliert vornehmen. ? Betriebliche Kalkulationen mit einem tieferen Milchpreis als heute und einem «Risikopolster» vornehmen. Thurgauer Milchproduzenten Weinfelden |
