Ausgabe Nummer 22 (2007)
Energie aus Hühnermist
Ökostrom vom Bauernhof nun auch in Wagerswil
Berufskollegen und Konsumenten interessierten sich beim Tag der offenen Tür für die Biogasanlage von Andrea und Ernst Fillinger.Als es darum ging, eine neue Heizanlage im Hühnerstall zu installieren, habe er sich mit verschiedenen Möglichkeiten auseinandergesetzt, erzählt Ernst Fillinger aus Wagerswil. Schliesslich hätte er sich zusammen seiner Frau Andrea für eine landwirtschaftliche Biogasanlage entschieden, die am Samstag vergangener Woche mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht wurde. Dank der neuen Biogasanlage können Hühnerstall und Wohnhaus mit Energie aus Hühnermist beheizt werden. Die Biogasanlage produziere zudem genügend Ökostrom, um bis zu 250 Haushalte damit versorgen zu können.
50 Biogasanlagen auf Naturaplan- Betrieben
Neben Pouletmast und Naturaplan-Beef für Coop produzieren Ernst und Andrea Fillinger Weizen, Raps, Mais und Zuckerrüben. Laut Hans-Christian Angele, Leiter Informationsstelle Biomass- Energie, und Stefan Mutzner, Geschäftsführer Ökostrom Schweiz, wurde die Anlage in Wagerswil als vierte Biogasanlage im Rahmen des Projektes «Coop Naturaplan Biogas50» aus dem Naturaplanfonds mit 50 000 Franken finanziell unterstützt. Bis 2010 sollen 50 solcher Anlagen auf Naturaplan-Betrieben realisiert werden. Damit können rund 7000 Haushalte mit Ökostrom versorgt werden, was einer Einsparung von rund 15 000 Tonnen CO2 entspreche. «Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz», erklären Angele und Mutzner übereinstimmend.
20 000 Franken Einsparungen bei Heizkosten
Nach Fillingers Angaben wird in seiner Biogasanlage Hühnermist und Ringergülle vom eigenen Betrieb, Gülle von Nachbarbetrieben und zusätzlich Rasenschnitt, Gemüsereste und Gras verarbeitet. Mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern sei der Fermenter dieser Biogasanlage besonders gross. Drei Monate hätten die Bakterien Zeit, aus dem organischen Material Biogas zu produzieren. Ein Gasmotor wandle das Biogas in Strom und Wärme um. Die Bauernfamilie Fillinger erzeugt pro Jahr rund 600000 kWh. Der Ökostrom aus Wagerswil ist mit dem naturemade-star-Zertifikat «Ökostrom vom Bauernhof» zertifiziert. Nach eigenen Aussagen kann Fillinger allein durch die Abwärme der Biogasanlage jährlich rund 20 000 Franken an Heizkosten einsparen. Den ökologischen Mehrwert seines Stromes verkauft er über die Genossenschaft Ökostrom Schweiz. Laut Mutzner kann dieses System durch kostendeckende Einspeisetarife ergänzt werden. Dabei erhalten die Biogaslandwirte ? abhängig von der Grösse ihrer Anlage ? einen definierten Strompreis, der die Produktionskosten abdecke. So eröffnen sich der Biogasproduktion ganz neue Möglichkeiten, bekräftigt Mutzner.
Mario Tosato

