Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Energiegewinnung interessiert Thurgauer Junglandwirte

Ausgabe Nummer 25 (2017)

Rund 70 Junglandwirte und Junglandwirtinnen folgten der Einladung der Junglandwirte (JULA) Thurgau zur Betriebsbesichtigung der Biogasanlage der Öko-Energie GmbH von Michael Müller in Eschlikon.

Christian Wolf, Verwaltungsratspräsident der MBR Solar AG, Wängi, stellte seine Firma vor und wies darauf hin, dass die MBRSolar AG der Partner für die Landwirtschaft sei. Der Betrieb verfüge über gut ausgebildete Schweizer Teams mit grosser Erfahrung im Anlagebau. Die Projektierungsabteilung kennt sich bestens im Netzbau, Trafobau und Umgang mit Netzbetreibern und Ingenieurbüros aus. MBRSolar AG verfüge dazu über langjährige fundierte Materialkenntnisse. Wolf erklärte, dass die Schweiz siebenmal mehr Energie verbrauche als 1950. Kernkraft habe den Energiehunger gestillt. Momentan stagniere der Verbrauch. Die Schweiz belege bezüglich erneuerbarer Energie in Europa den 3. Rang. Der Referent glaubt, dass für den «Ausstieg» 38 % Atomkraft kompensiert werden müssen. Zusätzlich wird die Kompensation der fossilen Treibstoffe für die weitere Mobilität und die Wärmeproduktion eine Nachfrage nach elektrischer Energie auslösen. Wolf wies darauf hin, dass die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) Anfang 2018 durch das neue Einspeisevergütungssystem (EVS) abgelöst wurde, dies gelte auch für die Bestandesanlagen. Der Zeitpunkt der Stromproduktion kann in Zukunft die Förderhöhe beeinflussen.

Tiefstpreise im Sommer
Nach seiner Meinung habe das Überangebot an hoch subventioniertem Strom die Wirtschaftlichkeit von Speicherwerken und Kleinkraftwerken beeinträchtigt. Christian Wolf ist überzeugt, dass es in Zukunft bedarfsgeführte und eigenverbrauchsoptimierte Anlagen mit Speicherintegration braucht. Er spricht von Ausgleichsenergiepreisen von 20 bis 60 Euro/MWh. Während die Höchstpreise im Winterhalbjahr liegen, werden im Sommer Tiefstpreise erzielt. Momentan halte die Überproduktion die Preise tief. Als weitere Hürden nannte er die Bezahlung der Nebenkosten, die Winter- und die europäische Transportproblematik für Strom.

Stromproduktion in Zukunft
Christian Wolf ist überzeugt, dass eine dezentrale Produktion zentrale Kraftwerke ergänzen. Er sprach von tausenden nicht geregelten Produktionsanlagen, von hoher Wetterabhängigkeit (Sonne und Wind). Produktionsstandorte entsprechen nur selten den Bedarfsstandorten. Nach seinen Aussagen ist das Potenzial für erneuerbare Energien riesig. Der Ausbau der erneuerbaren Energie bedinge aber Speicherkapazitäten. Überschüsse an «überförderter» Energie schmälern die Wirtschaftlichkeit der bestehenden Kraftwerke. Zusätzliche Pumpspeicherkraftwerke seien nötig, um die Zunahme der Energie aus der stochastischen Produktion auszugleichen. Nach seiner Meinung kann die Schweiz eine Rolle in der Netzstabilisierung spielen. Als Branchenlösung nannte Wolf die Fleco Power AG.

Vermarktung in eigenen Händen behalten
Urs Zahnd, Geschäftsführer der Fleco Power AG, und Verwaltungsrat Simon Bolli, Leiter Marktentwicklung und Forschung, erklären übereinstimmend: «Wir sind bereit für die Chancen, welche sich der Landwirtschaft dank der Energiestrategie bieten.» Nach ihren Aussagen kann die Landwirtschaft Verantwortung für die Schweizer Energiezukunft Erzeugung von erneuerbaren Energien (EE) übernehmen. Die beiden Referenten betonen, dass die Landwirtschaft schon heute eine professionelle Branchenlösung habe, um das vorhandene Potenzial optimal einschliessen zu können. Die Landwirtschaft stelle heute schon eine installierte Leistung von über 370 MW zur Verfügung. Damit könne die Landwirtschaft Eigeninitiative zeigen, Chancen frühzeitig erkennen und nutzen, Kräfte bündeln und die Vermarktung weiterhin in den eigenen Händen behalten.

Ökostrom aus der Region
Michael Müller betreibt zusammen mit seiner Frau Jasmin die Biogasanlage Riethof in Eschlikon, ist Präsident der Ökostrom Schweiz und Verwaltungsrat der Fleco Power in Winterthur. Ziel der Fleco Power sei es, dass Energiewirte mithilfe der Sonne sauberen Strom auf dem Dach ihres Betriebes produzieren. Er führt einen der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe, welcher Photovoltaikstrom zu Marktkonditionen produziert. Der Energiewirt sorgt für den sicheren Betrieb der Anlage und wird für sein unternehmerisches und verantwortungsvolles Handeln belohnt. Er erhält für den regionalen und ökologischen Mehrwert seines Stromes eine zusätzliche Abgeltung.


Mario Tosato
















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