Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. März 2019


Engagement auf verschiedenen Ebenen

Ausgabe Nummer 9 (2019)

Fachkonferenz des Thurgauer Obstverbands

Im Tätigkeitsprogramm 2019 legt der TOV den Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit: An der WEGA wird das Thema Pflanzenschutz gemeinsam mit den weiteren VTL-Branchen in einer Sonderschau präsentiert. In Bearbeitung sind, in Zusammenarbeit mit dem SOV, Feldrandtafeln zur Aufklärung der Bevölkerung im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Trinkwasser-Initiative.

Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbands, liess an der Fachkonferenz vom 20. Februar im Gasthaus Löwen, Sulgen, das Obstjahr 2018 mit seinen Witterungseinflüssen Revue passieren. Unter anderem bemerkte er dazu, dass man fast zu besorgt war bezüglich des Feuerbrands. Er erinnerte an den Wechsel bei der Regelung von Feuerbrand ab 2020. Dieser wird ab 2020 anders als heute geregelt sein, was einen grossen Wechsel mit zahlreichen Neuerungen mit sich bringt. Der bakterielle Erreger wird künftig grundsätzlich nicht mehr melde- und bekämpfungspflichtig sein – ausser im Schutzgebiet (Wallis). Pflanzgut von Feuerbrand-Wirtspflanzen wird im gewerblichen Handel (Pflanzenpass, Pflanzengesundheitszeugnis) jedoch weiterhin frei von diesem besonders gefährlichen Schadorganismus sein müssen. In der Feuerbrandbekämpfung habe es sich gezeigt, dass die Behandlungen mit alternativen Mitteln frühzeitig genug und im Folgenden in engen Abständen (2 bis 3 Tage) durchgeführt werden sollten: «Dies gilt insbesondere dann, wenn die Witterung respektive die Blüteninfektionsprognose ein hohes bis sehr hohes Infektionsrisiko vorhersagt und mit dem Vorhandensein von Feuerbrandbakterien gerechnet werden muss.» Ralph Gilg zeigte anhand von eindrücklichen Bildern, welche Folgen der Rekordsommer auf die Obstkulturen hatte. So war der Fruchtansatz bei allen Obstarten ausgezeichnet. Erstmals seit mehreren Jahren konnten wieder grössere Mengen an Thurgauer Aprikosen geerntet werden. Die Kehrseite des Rekordsommers war die «Aktionitis» im Detailhandel: «Vor allem bei Tafeläpfeln und Zwetschgen mussten bedeutende Mengen der Ernte über aggressive Aktionen vermarktet werden. » Auf vielen Betrieben wurde infolge der anhaltenden Trockenheit kurzfristig ein Leitungsnetz zur Bewässerung der Kulturen verlegt oder mit improvisierten Lösungen bewässert, um die Erträge zu sichern und die Bäume vom Stress zu entlasten.

Ressourcenprojekt im Fokus
Im Berichtsjahr 2018 erfolgten verschiedene Medienanfragen an Ralph Gilg, Urs Müller und Stefan Anderes. Das Fazit: Es bestand weniger die Nachfrage nach Pflanzenschutzthemen, das Interesse fokussierte sich auf Frostversicherung, Blüte, Feuerbrand und die Grossernte. Bezüglich der Medienpräsenz ist 2019 eine Medienschulung für die zuständigen Ansprechpersonen geplant. Ralph Gilg stellte das Tätigkeitsprogramm des TOV für 2019 vor: Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative reichte der TOV einen Vorschlag zur vereinfachten Anstellung von Saisonarbeitskräften ein. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat die Anfrage positiv aufgenommen, letzte Unklarheiten müssen noch bereinigt werden. Zuhanden des Beratungsteams am BBZ Arenenberg wurden für das Jahr 2019 verschiedene Anliegen deponiert: So sollen der Feuerbrand, das Ressourcenprojekt Aqua- San und die Schwerpunkte Applikationstechnik und Düngung im Zentrum stehen. Bezüglich des Projekts AquaSan informierte der Regierungsrat die Medien am 21. Februar. Der Kanton Thurgau leistet mit diesem Ressourcenprojekt einen wichtigen Beitrag zu den Zielen des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel. Mit dem Ressourcenprojekt AquaSan sollen die Risiken von Pflanzenschutzmitteln für die Oberflächengewässer eruiert, bewertet und reduziert werden. Das Projekt ist nebst dem Projekt PFLOPF (Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Framing) ein zweites wesentliches, umfangreicheres Ressourcenprojekt, das vom Kanton Thurgau lanciert wird. Im Anschluss an die Fachkonferenz folgten eindrückliche Erfahrungs- und Arbeitsberichte von Johann Dähler, der als «Ananaskönig aus dem Thurgau» berühmt ist.

Erfahrungsberichte aus der Elfenbeinküste
Als der Anbau aufgrund klimatischer Veränderungen schwieriger wurde, erweiterte Johann Dähler seine Tätigkeitsfelder an der Elfenbeinküste und passte diese den veränderten Rahmenbedingungen an. Heute beschäftigt er die Menschen in der Region Tiassalé (ein Department an der Elfenbeinküste) unter anderem mit dem Anbau von Moringa und über 400 ha Kakao mit modernster Bewässerungstechnik. Er berichtete von seinem Engagement für eine mobile Klinik und dem Bau eines Gotteshauses, das sowohl für Moslems wie Christen errichtet wurde und die Religionen einander näherbringen soll. Johann Dähler thematisierte finanzielle und gesundheitliche Rückschläge, die es erforderlich machten, dass er seine Aktivitäten immer wieder unterbrechen musste. So war er im Jahr 2000 fest entschlossen, Tiassalé zur Nr. 1 im Anbau von Naturkautschuk zu machen. Dieses Projekt musste er aufgrund des Bürgerkrieges «begraben». Stattdessen baute er gemeinsam mit seinen Söhnen eine neue Ananas-Farm mit Hunderten Hektaren Ananas, 380 Wasserbüffeln in Freilandhaltung, einem Waldreservat und Agrotourismus auf. Eine seiner jüngsten Innovationen ist die Zusammenarbeit mit der Brauerei Locher, Appenzell. An der Elfenbeinküste baute Dähler eine Saftfabrik und liefert für das «Hoi Bier» exotische Säfte. An den Vortrag begleitete ihn Cédric Paul Tossav, Ing. Agronom aus der Elfenbeinküste, der vom nachhaltigen Kakaoanbau, unter Berücksichtigung hoher Arbeitsund Sozialstandards, berichtete. Er sagte, diese Fortschritte seien auch dem Engagement von Johann Dähler mit zu verdanken. Dessen Devise lautet: Man kann kein Land aufbauen ohne Bildung.


Isabelle Schwander







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