Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. Juni 2018


Erdmandelgras und einjähriges Berufskraut im Visier

Ausgabe Nummer 3 (2016)

Über 150 Ostschweizer Landwirte in Thalheim

Am diesjährigen von Landwirten aus der ganzen Ostschweiz besuchten Agroinfotag der Syngenta in Thalheim standen einerseits Neophyten und anderseits allgemein Fragen rund um den Pflanzenschutz im Fokus.

Es ist das Knöllchenzyperngras oder eher bekannt als Erdmandelgras, welches in den letzten Jahren auf den Feldern zu einem gewissen Problem geworden ist. Waren 2002 landesweit gerade einmal fünf Schwerpunktstandorte bekannt, so sind es nun mehrere Dutzend, welche sich insbesondere durch das Mittelland und auch über den Tessin erstrecken. «Pro Pflanze können sich bis zu 1200 Mandeln bilden. Zudem wissen wir jetzt auch, dass die Samen der Blüte keimfähig sind», rief Markus Hochstrasser vom Strickhof in Thalheim in Erinnerung. Die Folgen für Kulturen können dabei verheerend sein. Bei Kartoffeln muss mit einem Ertragsverlust von 28 bis 40 Prozent, bei Zuckerrüben gar von 62 bis 71 Prozent oder bei Lauch bis zu 90 Prozent gerechnet werden. Im Boden bildet sie die mandelähnlichen Knöllchen. Oberflächlich lässt sie sich am kantigen, dreieckigen Stängel mit unbehaarten und hellgrünen Blättern erkennen. «Die Verschleppung erfolgt vielfach dadurch, dass Mandeln an den Maschinen haften bleiben und so in die nächste Parzelle gelangen. Wir stellen dabei eine massive Zunahme auf den betroffenen Flächen in den letzten 10 Jahren fest», so Hochstrasser. Er sieht die Gründe im vermehrten überbetrieblichen Maschineneinsatz im Kartoffel und Rübenbau, in der Streifenfrässaat oder in der Bodenbearbeitung allgemein. Bei der Bekämpfung sehen die Fachleute noch kein eigentliches Erfolgsrezept. Die thermische Bekämpfung mit Dampf oder Heissschaum ist sehr kostenintensiv. Chemische Möglichkeiten sind mangels wirksamen Produkten sehr eng begrenzt und haben nur eine Wirkung, wenn sie eingearbeitet werden. Es besteht aber auch ein möglicher Lösungsansatz in einer Unkrautkur, indem man versucht mit Konkurrenz das Erdmandelgras zu verdrängen.

Berufskraut und Pflanzenschutz
Hochstrasser sprach aber von weiteren, zahlreichen Baustellen. So sorgt das einjährige Berufskraut für gewisse Sorgen. Dieses eigentlich schön blühende Unkraut verbreitet sich sehr rasch. Der Korbblütler wurde bereits im 17. Jahrhundert als Zierpflanze aus Nordamerika nach Europa eingeführt. In den letzten Jahren hat sie sich in der Natur meist als typische Ruderalpflanze etabliert. Sie dringt nun auch in schützenswerte Gebiete vor und verdrängt rasch die einheimische standortgerechte Flora. Für die Bekämpfung sieht er aber keine Patentlösung. «Es hat sich bei kleineren Beständen das Ausreissen bewährt. Versuche zeigen, dass Herbizid nur kurzfristig wirkt und viele Pflanzen aus den Rosetten wieder austreiben», so Hochstrasser. Grundsätzlich verbreitet sie sich über die Samen. Werden nun die Stängel vor der Blüte abgerissen oder gemäht, so bilden sich neue. Deshalb sollte die Pflanze vor der Blüte ganz ausgerissen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt setzte Hochstrasser rund um den praktischen Einsatz im Pflanzenschutzbereich. Im Zentrum stehen dabei die verschiedenen Abstandsauflagen entlang von Oberflächengewässern. «Es gilt nicht nur die Vorgaben der Direktzahlungsverordnung zu beachten. Es müssen die Vorgaben der Pflanzenschutzmittelverordnung strikte eingehalten werden», so Hochstrasser.

Sprenkelnekrosen
«Wir sind im Gerstenanbau neu mit der Sprenkelnekrosen konfrontiert. Diese führt zum vorzeitigen Absterben der Blätter», berichtete Tagungsleiter Joel Meier. Dahinter versteckt sich ein Pilz, welcher auf Wintergerste überwintert. In der Zwischenzeit kennt man auch die Biologie des Pilzes besser. Man hat aber auch Erkenntnisse, dass Ungräser und wahrscheinlich auch Ernterückstände Träger sein könnten. Zudem muss nun aufgrund verschiedener möglicher Indizien abgeklärt werden, ob eine Verbreitung auch über das Saatgut möglich ist. Deshalb rät Meier aufgrund von Versuchen, dass zur Bekämpfung ein Fungizid eingesetzt werden sollte. «Ohne Massnahmen kann der Ertrag um rund ein Viertel bis ein Drittel einbrechen», so seine Schätzung.


Roland Müller




« zurück zur Übersicht