Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Erfahrungen mit Gemüsepflanzung im Mulchbeet, Brunnegg TG

Ausgabe Nummer 30 (2017)

Mulchverfahren im Erwerbsgemüsebau werden auf einer Demofläche auf dem Gutsbetrieb Brunnegg TG bei Kreuzlingen ausprobiert. Zwei Monate nach den ersten Pflanzungen luden das BBZ Arenenberg und die Gemüseproduzentenvereinigung TG/SH zur Besichtigung und Besprechung der Erfahrungen ein.

Daniel Fröhlich, Berater Biolandbau Arenenberg, konnte viele interessierte Gemüsepflanzer und Landwirte beim Versuchsfeld auf dem Gutsbetrieb Brunnegg begrüssen. Zwei Monate nach der ersten Pflanzung wurde über Erfahrungen und Pflegearbeiten diskutiert und Schlussfolgerungen gezogen. Im Feld selber konnten die Ergebnisse besichtigt werden. Unterschiedliche Ergebnisse bei Streumulch und Direktpflanzung wurden sichtbar, wie auch Unterschiede bei Unterfussdüngung mit Biorga Quik oder Entec Perfekt. Auch die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit spielte eine Rolle bei der Entwicklung der Pflanzen.

Ungebetene Gäste
Die Kopfsalate entwickelten sich sehr gut, entgegen den anfänglichen Befürchtungen von Margareta Scheidiger, Gemüseberaterin BBZ Arenenberg, die Setzlinge würden den Durchbruch durch die Mulchdecke nicht schaffen. Die Köpfe lagen schön geschützt obenauf und waren beim Schnitt auch unten sauber. Zum Erntezeitpunkt war aber der Markt so gesättigt, dass nur selber essen infrage kam. Auch die Betreiber der RestEssBar durften gratis Kopfsalat schneiden, bevor alle in die Höhe schossen. Die Bewässerung der Versuchsreihen sei bei der Mischkultur etwas schwierig gewesen: «Über pralle Kopfsalate kann man nicht mehr wässern, ohne dass diese Schaden nehmen. Die Kohlarten hätten aber Wasser gebraucht», so Margareta Scheidiger. Die Kohlköpfe entwickelten sich so gut, dass Feldhasen sich dazwischen einrichteten wie im Schlaraffenland. Mehr Mühe als diese auf der roten Liste der bedrohten Arten stehenden Tiere machten die Nacktschnecken, welche sich gerne unter der Mulchdecke verstecken: «Nach ein paar Jahren kommen sie von selber nicht mehr», sagte ein «Gmüesler» aus Erfahrung.

Theorie und Praxis
Nicht alles entwickelte sich im Mulchversuch so, wie es theoretisch hätte sein müssen. Im Streumulchverfahren und im Verfahren, bei dem stehender Mulch niedergewalzt wurde, wurden die gleichen Sorten von Kohl, Lauch und Sellerie angepflanzt. Der Streumulch gab keinen Stickstoff ab als Starthilfe für die Setzlinge. Da musste nachgedüngt werden. Auch haben sich deutliche Unterschiede im unteren Bereich des Feldes, wo der Boden lehmiger und steiniger ist und in einer Senke Staunässe aufweist, gezeigt: «Da darf man nicht mehr über den Mulch fahren, sonst verdichtet er und beginnt zu faulen, anstatt zu verrotten.» Im Übrigen sei der Versuch in Brunnegg ein praktischer, kein wissenschaftlicher. Da werde aus Erfahrungen gelernt, nicht Werte analysiert.

Vorteile der Pflanzung im Mulchbeet
Margareta Scheidiger schilderte die Vorteile der Mulchpflanzung: weniger künstliche Bewässerung und Wasserverbrauch, weil die Mulchdecke vor Austrocknung der Böden schützt. Bei Staunässe und Senken im Boden besteht aber die Gefahr von Fäulnisbildung der Mulchdecke anstatt gesunder Verrottung und Humusbildung. Vor allem in hügeligen und Hanglagen beugt der Mulch auch der Bodenerosion vor. Bei genügend dicker Mulchdecke kommt kein Unkraut auf, was den Einsatz von Herbiziden unnötig macht. Mulch schützt den Boden. Bei mehrjähriger Anwendung bildet er auch eine neue Humusschicht und gibt so dem Boden etwas zurück. Das Ziel des Brunegg-Versuchs sei, in der Schweiz Denkanstösse im Gemüsebau zu geben. Allgemein sehe man, dass sich konventioneller Landbau und Biolandbau etwas annähern. Bis jetzt gebe es in der Schweiz noch keine mit dem Prototyp des Reihenmulchschneidegeräts MuroCut vergleichbare Maschine. Bei der Demo Anfang Juni hatte Johannes Storch vom Westernwald diese selber entwickelte Maschine vorgeführt. Gemüsepflanzer können sie mieten. Im Übrigen sei der von den Hausgärten abgeschaute Gemüseanbau im Mulchverfahren im Erwerbsanbau auf dem Feld noch nicht ganz praxistauglich. Man lernt dazu.


Trudi Krieg







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