Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


Erfolgreicher Kohlanbau

Ausgabe Nummer 24 (2014)

Zentrale Themen des Flurabends zum Kohlanbau bildeten Empfehlungen zur Bekämpfung von Schädlingen und der Einsatz der Dropleg- Technik zur verbesserten Kontrolle von Schaderregern.

Die von der Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau/ Schaffhausen gemeinsam mit der Fachstelle für Gemüse- und Beerenbau am BBZ Arenenberg organisierte Flurbegehung von Anfang Juni fand auf dem Gemüsebaubetrieb von Andreas Fey statt. Der gut besuchte Anlass konnte aufgrund starken Regenfalls nicht planmässig auf den Feldern stattfinden. Dies erforderte von den Organisatoren diverse Anpassungen im Postenablauf. Charly Ruckstuhl, Aussendienstmitarbeiter von Leu + Gygax AG, schilderte die Bedeutung von Kalkstickstoff für Kohlgemüse. Eine gleichmässige und lang anhaltende Stickstoffwirkung sorgt für die Ausbildung eines leistungsfähigen Wurzelsystems, harmonisch ernährte Pflanzen und ausgeglichene Bestände. Durch seine herbizide Nebenwirkung hilft Kalkstickstoff, die Kohlbestände sauber zu halten. Besonders gut ist die Wirkung gegen keimende und aufgelaufene Unkräuter im Zweiblatt- Stadium. Ruckstuhl hob hervor, dass in den ersten Tagen nach dem Streuen der Kalkstickstoff eine Zusatzwirkung gegen Nacktschnecken hat. Der besondere Vorteil: Der Kalkstickstoff erfasst auch die Jungschnecken und Schneckeneier und wirkt auch noch bei niedrigen Temperaturen. Jacob Rüegg, Swiss Agro Consulting, und Ron Wohlhauser, Syngenta Crop Protection AG, demonstrierten die Dropleg- Technik, welche auch auf dem Betrieb Fey zum Einsatz kommt.

Zielflächen – Anlagerung – Abdrift
Da Kohlgewächse eine ausgeprägte Wachsschicht haben und schwer benetzbar sind, perlt die Spritzbrühe leicht von den Pflanzen ab. Rüegg erklärte Zielflächen, Anlagerung und Abdrift: Eine extrem grobtropfige Applikation erzielt beste Abdriftwerte und eine gute Bestandsdurchdringung, fällt aber in der Verteilung auf der Zielfläche stark ab. Die mitteltropfige Applikation erzielt günstige Abdriftwerte und eine gute Verteilung auf Zielflächen, sie ist bei vielen Kulturen zu bevorzugen. Die feintropfige Applikation führt zu Abdriftproblemen und einer schlechten Bestandsdurchdringung. Trotz guter Verteilung auf Oberflächen sollte auf eine andere Applikation umgestellt werden. Wohlhauser gab Empfehlungen für den kulturangepassten Einsatz von Droplegs: Er wies darauf hin, dass bei Pflanzen, welche Blätter mit deutlicher Wachsschicht aufweisen (zum Beispiel Rosenkohl, Broccoli) ein Zusatzstoff (Adjuvans, Netzmittel) gemäss Packungsetikette zugemischt werden sollte. Die Düsentechnik trägt wesentlich dazu bei, dass die Belagsbildung auf schwer zu erreichenden Zielflächen verbessert wird. Injektordüsen mindern mit Hilfe von Luftunterstützung die Abdriftgefahr und garantieren gleichzeitig eine hohe biologische Leistung. Martina Keller von Agroscope informierte über das Erdmandelgras, das es nachhaltig zu bekämpfen gilt. Ihr Praxistest zeigte, dass das Erdmandelgras nicht immer gleich als solches erkannt wird. Ohne Blüte ist es schwierig, die genaue Art zu bestimmen. Bei Verdachtsfällen und beim Fund einer Befallsstelle sollte Kontakt mit den zuständigen kantonalen Fachstellen für Pflanzenschutz aufgenommen werden.

Schädlingsmonitoring
Margareta Scheidiger von der Fachstelle Gemüseund Beerenbau Thurgau/Schaffhausen informierte über die zahlreichen Kohlschädlinge. Sie schilderte die vereinfachte Eiablagebestimmung mittels einer Erdprobe, um den Befallsdruck der Kohlfliege in jungen Kohlpflanzungen zu ermitteln. Mit einer gelben Wasserfalle wird der Flug der Kohlfliege überwacht. Die Schadschwelle bei Kohldrehherzgallmücken kann sicher und einfach mit zwei Pheromonfallen pro Kohlparzelle ermittelt werden. Dank der Schädlingsüberwachung und der Anwendung von Schadschwellen lässt sich der richtige Behandlungszeitpunkt bestimmen. Wer die Aktivitätszeiten der Schädlinge kennt, kann die Bekämpfungsmassnahmen gezielt anwenden und so ihre Wirkung optimieren.
Den Flurabend rundete die Vorführung der Feldspritze mit GPS-Steuerung durch Martin Schenk und seinen Sohn Patrick ab. Zu den Vorteilen der GPSParallelfahrsysteme gehört, dass durch geradlinige Beete, beziehungsweise Pflanzreihen, die Einteilung der Felder und die Fahrspureinhaltung einfacher und präziser wird. Es können schlagspezifische Arbeitsdaten vom System erhoben, im hofeigenen Computer verarbeitet, gespeichert und in Folgejahren wieder verwendet werden. Etliche GPS-Systeme können möglicherweise präzises Steuern bei Fahrgeschwindigkeiten unter 1 km/h nicht gewährleisten. Andreas Fey, der die Pflanzbeetvorbereitung mit AutoTrac ausführt, ergänzte, dass bereits bei einer Ertragssteigerung von 1 Prozent pro Jahr sein Aufwand für die Technologie in zehn Jahren amortisiert sei. Das AutoTrac-System mit RTK-Genauigkeit sorgt unter anderem beim Anlegen von Beeten für ein Höchstmass an Präzision.


Isabelle Schwander










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