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Die Hauptfaktoren für eine ökonomisch erfolgreiche Obstproduktion sind regelmässig hohe Flächenerträge mit einem Optimum an Fruchtqualität sowie kostendeckende Marktpreise. Lage, Standort und der Faktor Boden sind mitbestimmende wichtige Faktoren. Der Wandel von Sorten, Veredlungsunterlagen, Anbauformen und Pflanzsystemen beeinflusst die Gesamtmenge an Nährstoffen, welche eine erfolgreiche Obstanlage braucht. Bodenanalysen und Blattanalysen liefern bedeutende Grunddaten für eine optimale Pflanzenernährung. Die Blattdüngung ist dabei nur ein kleiner Bestandteil der Gesamternährung, mit der auch nicht alle Probleme gelöst werden können. Leistungsfähige Pflanzen verlangen im Grundsatz eine bedarfsgerechte Ernährung des Bodens mit möglichst hoher Bodenaktivität. Blattdünger können in vielen Fällen die Bodenernährung sinnvoll ergänzen.
Chancen und Grenzen von Blattdüngern
Dem Obstbauer steht ein sehr breites Blattdüngerangebot zur Verfügung. Wir unterscheiden zwischen mineralischen Einzelnährstoffdüngern (Salze) und formulierten Blattdüngemitteln. Einzelnährstoffdünger sind grundsätzlich billiger und können gezielter eingesetzt werden. Formulierte Blattdünger beinhalten Netz-, Haft- und Absorptionsmittel, welche die Verteilung und die Regenfestigkeit verbessern. Sie sind deshalb in der Handhabung einfacher, weisen meistens mehrere Nährstoffe auf, sind dafür etwas teurer.
Der Blattdüngereinsatz ist sinnvoll bei:
Vorhandensein von sichtbaren oder latentem Nährstoffmangel
ungenügender Nährstoffnachlieferung aus dem Boden in Zeiten erhöhten Nährstoffbedarfes
ungenügender Nährstoffverteilung in der Pflanze (z. B. Ca, B, in Früchten)
physiologische Stresssituationen der Pflanze (extreme Witterung)
Erhöhung der pflanzeneigenen Reserven
Vorteile der Blattdünger
rasche Nährstoffzufuhr bei Mangelerscheinungen
hoher Ausnutzungsgrad der Nährstoffe
reduzierte Bodenbelastung
zum Teil Verbesserung der Spritzbrüheigenschaften
Das richtige Mass machts
Ein wahlloser und zu intensiver Blattdüngereinsatz gefährdet die Fruchtqualität. Zu viel Stickstoff gefährdet die Fruchtfleischfestigkeit, beeinträchtigt die Ausfärbung und fördert die Stippigkeit, zu viel Kali den Blattfall und zu viel Mangan hemmt die Ausfärbung. Falsche Einsatzzeitpunkte und falsche Dosierungen können die Fruchtberostung fördern. Im Weiteren sind auch die Mischbarkeiten zu beachten. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass in der Tankmischung möglichst nur ein bis zwei Nährstoffe (Salze) eingesetzt werden sollte. Dies, weil sich bei der Beimengung mehrerer Nährstoffe folgende Probleme ergeben können:
verringerte Nährstoffaufnahme über das Blatt aufgrund von Antagonismen zwischen verschiedenen Nährstoffen.
Schadwirkung auf die Pflanzen durch Erhöhung der Salzwirkung.
Ausfällen unlöslicher Produkte, welche zur Düsenverstopfung führen.
Eine Ausnahme bildet Harnstoff, welcher als Beimischung zu verschiedenen Blattdüngern deren Aufnahme erhöhen kann.
Als Beispiele von unverträglichen Kombinationen sind zu erwähnen:
Kalziumhaltige Dünger sollten nicht mit phosphat- oder sulfathaltigen Produkten gemischt werden.
Borax und Solubor sind nicht mit Kalziumnitrat (Kalksalpeter), Magnesiumsulfat, Zinksulfat mischbar.
Magnesiumsulfat sollte nicht mit Kalziumnitrat, Monoammoniumphosphat, Zinksulfat oder Borax gemischt werden.
Mangan ist ebenfalls nicht mit Borax mischbar.
Neben den Einzelnährstoffdüngern und den formulierten Blattdüngern setzen Spezialisten vermehrt auch Pflanzenstärkungsmittel wie Aminosäuren und Algenprodukte erfolgreich zur Pflanzenstimulation ein.
Mögliche Einsatzzeitpunkte der Blattdünger im Kernobst
Vorblüte bis Blüte: In diesem Zeitpunkt ist es wichtig, die Jungblätter und Blüten genügend mit Stickstoff (z. B. 0,8% Harnstoff 233) und Bor (Solubor od. Bortrac 1kg/ha) zu versorgen. In Einzelfällen kann auch ab und zu einmal eine Spritzung mit Zink notwendig sein.
Nachblüte/Sommer: Wo erfahrungsgemäss bei «Golden» Blattfallerscheinungen auftreten, sind Magnesium und Manganbehandlungen angesagt. Dabei ist darauf zu achten, dass Mangansulfat nicht in der berostungsgefährlichen Zeit gespritzt wird. Wegen negativer Auswirkungen auf die Fruchtausdünnung dürfen in der Zeit ab Blüte bis zu Beginn Junifall keine stickstoffhaltigen Blattdünger eingesetzt werden. Bei der Birnensorte «Conférence» empfiehlt sich, ab Juli Bor-Behandlungen zur Verbesserung der Lagerfähigkeit zu applizieren (weniger Kavernen).
SpätsommerHerbst: Zur Verbesserung der Fruchtfleischfestigkeit, Lagerfähigkeit und zur Verminderung der Stippigkeit sind je nach Sorte zwei bis vier Kalciumhaltige Blattdünger einzusetzen. Unterschiedlich von Jahr zu Jahr kann auch mit einzelnen phosphorhaltigen Düngern eine leicht verbesserte Fruchtausfärbung erreicht werden.
Nacherntebehandlung: Nacherntebehandlungen mit Stickstoff können die Stärkung der Knospen positiv beeinflussen, vor allem nach einer grossen Ernte. Ein Zusatz von Bor kann dies noch unterstützen.
Anwendungshinweise
Die häufigsten Fehler in der Anwendung von Blattdüngern passieren bei ungünstiger Witterung (zu heiss), überhöhter Konzentration oder falschen Mischpartnern. Bei Temperaturen bis 20 °C ist die höchste Aufwandmenge der Blattdünger möglich. Von 20 bis 25 °C bei bedecktem Himmel oder nachts muss jeweils die geringere Aufwandmenge eingesetzt werden. Ab Temperaturen von über 25 °C ist auf Blattdüngung zu verzichten. Bei Luftfeuchtigkeiten über 50 Prozent gibt es keine Probleme in der Anwendung.
Je nach Nährstoff ist die Aufnahmegeschwindigkeit sehr unterschiedlich. 50 Prozent der Nährstoffe werden innerhalb folgender Zeiten aufgenommen:
- Stickstoff: 1 bis 6 Stunden
- Magnesium: 2,5 Stunden
- Zink: 1 Tag
- Mangan: 1 bis 2 Tage
- Kali: 1 bis 4 Tage
- Phosphat: 2,5 bis 6 Tage
Die Wasseraufwandmenge (kg/ha) der angebotenen Blattdünger beziehen sich in der Regel auf den üblichen Wasseraufwand von zirka 400 l/ha. Beim Harnstoffeinsatz darf im Maximum 0,8 Prozent der Wassermenge zugesetzt werden.
Das Angebot von Blattdüngern ist riesig und kann auch zu grossen Blattdüngungskosten verleiten. Blattdünger können keine Wunder vollbringen, sie können aber vor allem in Stresssituationen der Pflanze eine wertvolle Ergänzung zur Bodenernährung sein und auftretende Mangelsymptome beheben.
LBBZ Arenenberg, Fachstelle Obst- und Rebbau, Ueli Henauer
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