Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Erlebnistage der Milchtechnologen

Ausgabe Nummer 43 (2014)

Der diesjährige Erlebnistag der Milchtechnologen der Ostschweizer Branche der Milchverarbeiter- Verbände war ein grosser Erfolg. Über 35 junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblick in gewerbliche und industrielle Milchverarbeitungsbetriebe wie Frischmilchverarbeitung, traditionelle und industrielle Käsereien.

Mit Kopfhaube und Schutzkittel ausgerüstet, bereiten sich die jungen interessierten Teilnehmer auf den Rundgang der Molkerei Biedermann vor. Dabei erfahren sie bereits zu Beginn, wie wichtig die genauen Hygienevorschriften mit Händewaschen und desinfizieren sind. Seit über 10 Jahren führt die Branche der Ostschweizer Milchverarbeiter OMV für junge Interessierte ein Erlebnistag durch. «Wie viele handwerkliche Berufe ist der Milchtechnologe kein Trendberuf», sagt Marcel Aeschbacher, Promoter der Nachwuchsförderung. Die Ostschweiz gelte als Mekka in der Milchverarbeitung. «Wir haben für die Ausbildung eine grosse Auswahl und Vielseitigkeit an guten Betrieben in unserer Gegend», sagt Aeschbacher. Doch verzeichnet die Branche mehr offene als besetzte Lehrstellen. «Viele können sich unter der Bezeichnung Milchtechnologe zu wenig vorstellen, und die jungen Menschen haben eine riesen Auswahl an verschiedenen Berufen», meint der diplomierte Milchtechnologe aus Hosenruck. Die Lehrgänge für Käser und Molkerist wurden vor 13 Jahren zusammengeschlossen und die Ausbildung damit umfassend modularisiert.

Jede Verarbeitungsbranche hat ihren Reiz
Marcel Aeschbacher freut sich über das grosse Interesse am diesjährigen Erlebnistag. Über 35 junge Teilnehmer erhielten Einblick in die Verarbeitung mit dem Naturprodukt Milch. Die Interessierten erfuhren, was in gewerblichen sowie industriellen Milchverarbeitungsbetrieben mit grösster Sorgfalt und strengen Hygienevorschriften aus dem Naturprodukt Milch hergestellt wird. «Jede Verarbeitungsbranche hat ihren Reiz», sagt Aeschbacher.
In der Frischmilchverarbeitung kam bei der Molkerei Biedermann AG die Vielfalt der Produkte, die zum grössten Teil biologischer Herkunft ist und aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch stammt, stark zur Geltung. Über 300 Artikel werden im 24-Stunden-Betrieb in Bischofszell hergestellt. Rund 30 Prozent der Produktion liefert die Molkerei in den Export. Erstaunt waren die Jungen, als die Abfüllanlage an diesem Morgen statt Milch Orangensaft in kleinen Flaschen abfüllte. «Das ist, um die Anlage optimal auszulasten », erklärt Verkaufsleiter Daniel Knill beim Rundgang.

Züger Frischkäse AG bildet auch milchwirtschaftliche Laboranten aus
Die Züger Frischkäserei AG zählt zu den industriellen Betrieben. Nicht nur Mozzarella, auch Quark, Mascarpone, Butter und vieles mehr findet Beliebtheit nicht nur in der Schweiz, sondern wird von Oberbüren in die ganze Welt hinaus exportiert. Es erstaunte die Teilnehmer, dass für nur ein Kilogramm Mozzarella ganze 10 Liter Milch benötigt werden. Sie konnten erleben, wie die eigentlich italienische Spezialität im Ostschweizer Betrieb in Grossmengen zubereitet wird. «Was früher bei der Käseherstellung durch mehrere Personen mit verschiedenen Arbeitsgängen entstand, stellt heute kontinuierlich der Koagulator als alleinige Maschine her», erklärt Manuel Dietrich von der Firma Züger Frischkäse AG.
Der industrielle Betrieb fand Marino Meier spannend. «Es ist schön zu sehen, was aus dem Naturprodukt alles hergestellt wird», sagt der Junge aus Waldkirch. Neu im Betrieb können nicht nur Milchtechnologen und -praktiker die Ausbildung absolvieren, sondern die Firma bildet als einzige in der Schweiz auch milchwirtschaftliche Laboranten aus.

Alte Tradition verbunden mit neuer Technologie
In einen traditionellen Betrieb erhielt die Gruppe bei der Käserei Studer AG Einblick. Verbunden mit der neuen Technologie entsteht der Käse in Hatswil bei Amriswil wie vor 100 Jahren durch den natürlichen Reifungsprozess im Lagerraum. Der natürlich freigesetzte Ammoniakgeruch war für viele ungewöhnlich in der Nase. Aus diesem Grund liegt für Lisa Rüegg der Favorit bei der Frischmilchverarbeitung. Die junge Frau aus Zuzwil will aber vor ihrer endgültigen Entscheidung den Beruf der Lebensmitteltechnologen genauer anschauen. Zu technologisch und modern fand die Teilnehmerin Karin Knöpfel alle drei Betriebe. «Ich mache meine Arbeit gerne von Hand», sagt das Mädchen aus Urnäsch. 1000 Käselaibe werden bei der Käserei Studer AG pro Tag hergestellt. Das findet Ruedi Schmid interessant. Er will den Beruf Milchtechnologe gerne ins Auge fassen. Zu Hause in Wittenbach lebt er auf einem Betrieb mit 27 Milchkühen. «Wir stellen den Käse auf der Alp selber her», sagt der Teenager. Der schnelle Vorgang bei der Züger Frischkäse AG faszinierte ihn. Doch für sich selbst will er die traditionelle Käseherstellung ins Auge fassen.


Daniela Ebinger







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