Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Ernährung und Rezepte: Kochen aus dem Vorrat

Ausgabe Nummer 2 (2017)

Ein gut zusammengestellter Haushaltvorrat macht auch in vermeintlich friedlichen Zeiten Sinn. Falls uns ein Naturereignis zwingt das Haus zu hüten oder wir uns durch ein Handicap nicht wie gewöhnlich bewegen können, bietet der Vorratsschrank mit Eingemachtem und Gedörrtem einige Verpflegungsrationen.

«Kluger Rat – Notvorrat»
Hat der Slogan unserer Mütter und Grossmütter ausgedient?
Was früher Bürgerpflicht war, macht in etwas abgewandelter Form auch heute noch Sinn. Es ist fehl am Platz, die pflichtbewussten Hausfrauen von früher zu belächeln, denn ein Grundstock an Nahrungsmitteln in greifbarer Nähe macht immer Sinn. Heute sind es nicht mehr die fremden Mächte, gegen die wir uns kulinarisch wappnen sollten. Aber wer schon einmal wegen Lawinenniedergängen oder Hochwasser ein paar Tage von der Umwelt abgeschnitten war, wusste einen gut assortierten Vorratsschrank sicher zu schätzen. Was auch heute noch empfohlen wird, ist ein Vorrat an Wasser in jedem Haushalt.

Welche Nahrungsmittel eignen sich?
Es ist wie bei Paketen für «zweimal Weihnachten». Wir wählen Nahrungsmittel, die gut und lange lagerfähig sind und stellen so einen abwechslungsreichen Vorrat aus Stärkeprodukten wie Reis, Teigwaren, Polenta, Griess und Flocken zusammen. Dabei leisten Produkte in Dosen wie Tomaten, Erbsen, Maiskörner, Thon und so weiter gute Dienste. In Haushalten mit einem intakten Keller finden wir Kartoffeln, Lagergemüse und Äpfel. Eingemachte Früchte, Konfitüre, Zucker, Schokolade und Salz ergänzen das Lager.
Das wichtigste Element eines klugen Vorrats ist aber das Wasser. Bei einem massiven Rohrleitungsbruch oder einer Verunreinigung des Trinkwassers ist möglicherweise für mehrere Tage fertig mit Wasser ab der Röhre. Deshalb empfiehlt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL pro Person einen Wasservorrat von 9 Litern pro Person, dies entspricht einem Sixpack Anderthalb-Liter-Flaschen. Mit einem gut gefüllten Vorratsschrank können wir sogar spontane Gäste bewirten, ohne in den nächsten Tankstellenshop zu hetzen.

Vorräte müssen bewirtschaftete werden
Was man aufgebraucht hat, wird auf dem Einkaufszettel notiert und gleich wieder ersetzt. Am besten, machen wir uns das FIFO-Prinzip des Detailhandels zu Nutzen. FIFO heisst first in – first out, oder auf deutsch: Was zuerst gekauft wurde, wird auch zuerst verbraucht, was gegessen wurde, wird beim nächsten Einkauf wieder ersetzt, so einfach geht das. Dies gilt schon beim Einräumen ob im Vorrats- oder Kühlschrank: Neu gekauftes nach hinten und Nahrungsmittel älteren Datums rutschen zum Verbrauch nach vorne.
Tipp: Auch der Tiefkühler mit seinem vielfältigen Inhalt ist ein Teil des Haushaltsvorrats. Allerdings müssen Sie, etwa nach einem Stromausfall, die aufgetauten Nahrungsmittel rasch konsumieren. Da sind Vorräte ohne zusätzlichen Energiebedarf wie Gedörrtes oder Eingemachtes eine sichere Alter- native.


Dörrbohnen

Zutaten
120 g Dörrbohnen
2 dl Wasser
Salz
60 g Rohessspeck in feinen Scheiben
1 Zwiebel
1 bis 2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
Bohnenkraut

Zubereitung
Die Dörrbohnen über Nacht in reichlich kaltes Wasser einlegen. Das Einweichwasser abgiessen und die Bohnen mit frischem Wasser spülen. Die Bohnen in einer hohen Pfanne mit Deckel oder dem Dampfkochtopf mit 2 dl Wasser und etwas Salz circa 50 Minuten, im Dampfkochtopf circa 13 Minuten knackig garen. Die Speckscheiben in Stücke schneiden, die Zwiebel hacken und die Knoblauchzehen in Scheiben schneiden. In einer grossen Bratpfanne die Speckscheiben anbraten, die Zwiebel und den Knoblauch beigeben am Schluss die abgetropften Bohnen unter die würzige Mischung ziehen, gut abschmecken und zu einem Stärkegericht mit Fleisch servieren.
Wer es ganz einfach mag, kocht ein geräuchertes Schinkli, oder Speck gleich mit den Bohnen mit und legt gegen den Schluss noch die in Stücke geschnittenen Kartoffeln dazu.
Ein Bohnen-Rest kann auch als Bohnensalat, ergänzt mit einem in Stäbchen geraffelten Rüebli serviert werden.


Zwetschgencrème mit Haube

Zutaten
Ca. 300 g Zwetschgen aus dem Tiefkühler
1 bis 2 Esslöffel
Zucker
wenig Zimt
4 dl Milch
30 g Zucker
1 Vanille-Stängel
1 dl Milch
2 Esslöffel Stärkemehl
2 Eigelbe
2 Eiweisse
1 Prise Salz
30 g Zucker
3 Esslöffel gemahlene Nüsse
1 Esslöffel Zucker
1/2 Teelöffel Zimt

Zubereitung
Die angetauten Zwetschgen in Stücke schneiden und in eine Auflaufform verteilen. Mit etwas Zucker und Zimt bestreuen. Die Milch (4 dl) in eine Pfanne geben, mit dem Zucker und der aufgeschlitzten Vanilleschote aufkochen.
Zucker, Stärkemehl, Eigelbe und restliche Milch (1dl) verrühren. Einen Teil der heissen Milch unter Rühren zu den angerührten Zutaten geben, dann alles zurück in die Pfanne geben und nochmals erhitzen bis die Crème dicklich wird. Die Vanillestange entfernen. Die Crème über die Zwetschgen giessen. Den Backofen auf 220 °C einschalten. Die Eiweisse mit Salz zu festem Eischnee schlagen, den Zucker beigeben und Rühren, bis die Masse glänzt. Die gemahlenen Nüsse darunter ziehen, eventuell in einen Spritzsack abfüllen und die Eiweissmasse dekorativ über die Crème spritzen. Zucker und Zimt mischen und die Oberfläche damit bestreuen. Im vorgeheizten Ofen bei 220 °C 10 bis 15 Minuten überbacken. Ganz heiss ist die Crème recht flüssig, je kälter sie wird, desto fester wird sie.
Abänderungen: Andere Früchte oder Beeren verwenden und Zimt weglassen.
Die Früchte nur mit der Crème übergiessen und ohne Eiweissmasse abkühlen lassen. Dafür die Eiweisse mit den Eigelben in die Crème rühren. Oder zusätzlich einige Kuchen- oder Chrömli-Brösel über die Zwetschgen streuen.


BBZ Arenenberg
Hauswirtschaft und Familie
Rita Höpli



Dörrbohnen eingeweicht. (rh)


Zwiebel, Knoblauch und Speck anbraten. (rh)


Dörrbohnen fertig gemischt. (rh)


En Guete! (rh)


Zwetschgen vorbereitet. (rh)


Vanillecrème darüber geben. (rh)


Überbackene Zwetschgencrème. (rh)


Zwetschgencrème mit Haube servierbereit. (rh)

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