Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Ernährung und Rezepte: Wähen-Znacht

Ausgabe Nummer 35 (2016)

Wähen, Kuchen, Fladen, Tünne, Tüle oder wie sie sonst noch genannt werden. Diese runden oder eckigen mit Teig unterlegten, knusprig gebackenen, saftigen Gebäcke sind ein willkommenes Abendessen. Der Variantenreichtum von pikant bis süss ist riesig und wir können zu jeder Jahreszeit glustige Kuchen auf den Tisch zaubern und mit Salat, Suppe oder andern ergänzenden Zutaten zu einem vollwertigen Menü erweitern.

Ein traditionelles wandelbares Gebäck
Wähen eignen sich gut zum Vorbereiten, können zur Restenverwertung eingesetzt werden und lassen sich beliebig, der Saison entsprechend, in den Belagszutaten variieren.
Je nach Region gibt es bekannte Spezialitäten, wie «Bölle-Tünnä», «Quiche-Lorraine», «Nydle-Chueche », «Tarte-Tatin» oder «Schlorzifladä».
Tipp: Wähen lassen sich sehr gut tiefkühlen. Dazu Wähe backen, auskühlen lassen, in Stücke schneiden und gut verpackt tiefkühlen. Bei Bedarf Wähenstücke im Ofen bei 200 °C rund 15 Minuten aufbacken oder regenerieren. In der Mikrowelle wird der Teig eher nass und nicht knusprig.


Geriebener Hefeteig
(Für ein rundes Kuchenblech mit 28 cm Ø)

Zutaten
250 g Mehl
2/3 Teelöffel Salz
50 g Butter
ca. 1 bis 11⁄2 dl Wasser
10 g Hefe

Zubereitung
Mehl, Salz und in kleine Stücke geschnittene Butter in einer Schüssel von Hand oder mit der Küchenmaschine verreiben, bis die Masse aussieht wie geriebener Käse. Die Hefe in 1 dl Wasser auflösen, beifügen, zu einem geschmeidigen Teig kneten und um das Doppelte aufgehen lassen. (Wenn es eilt, den Teig nach der Beigabe des Wassers nur zusammenfügen und gleich weiter verarbeiten. Dieser Teig wird jedoch nicht so luftig wie der geknetete und aufgegangene Teig.)

Verschiedene Möglichkeiten
– Das Mehl kann beliebig durch Dinkelmehl oder einer Mischung
   verschiedener Mehlsorten ausgetauscht werden
– Die doppelte Teigmenge reicht für ein grosses, rechteckiges
   Kuchenblech
– Besonders knusprig wird der Teig durch Beigabe von 2 Esslöffel
   Essig oder Weisswein
– Auch eine Messerspitze Backpulver macht den Teig locker
– Ohne die Hefe entsteht ein geriebener Teig
– Teig vor dem Auswallen kühl stellen. (Butter wird wieder fest)
– Der Kuchenteigboden kann auch aus einem Quark- oder
   Blätterteig bestehen
– Für mehr «Knusprigkeit» den Boden mit 2 bis 3 Löffeln gemahlenen
   Nüssen oder Paniermehl bestreuen, um die Flüssigkeit zu binden.
– Den Teig 10 Minuten blind backen, dann erst belegen.
– Den Guss erst nach 10 bis 15 Minuten Backzeit dazu giessen.
– Formen aus Schwarzblech wählen, da diese die besten
   Backeigenschaften aufweisen oder ein speziell gelochtes Blech.
– Formen in die untere Ofenhälfte einschieben und bei 200 bis
   220 °C backen.
– Am Anfang oder gegen den Schluss nur mit Unterhitze backen.
– Bei Verwendung tiefgekühlter Früchte und Gemüse eher kleinere
   Mengen verwenden und gefroren auf den Teig geben.


Sommergemüse-Wähe

Zutaten
1 Portion Teig
ca. 550 g Saisongemüse wie Zucchetti, Auberginen, Tomaten
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
2 Esslöffel Mehl
2 Esslöffel italienische Kräuter
Salz, Pfeffer, Paprika, Kräutersalz
1,5 dl Halbrahm oder Milch
60 g geriebener Käse
3 Eier
250 g Hüttenkäse

Zubereitung
Ein rundes Backblech vorbereiten und bereit stellen. Teig auf wenig Mehl dünn auswallen und ins Kuchenblech legen. Mit einer Gabel den Teigboden mehrmals einstechen. Gemüse waschen, rüsten und in kleine Würfeli schneiden oder raffeln. Zwiebel und Knoblauch hacken und dazu geben. Mehl und gehackte Kräuter beigeben, würzen und mischen. Für den Guss Halbrahm oder Milch mit dem Käse, den Eiern und dem Hüttenkäse verrühren und gut würzen. Das Gemüse auf dem Teig verteilen, den Guss löffelweise darüber geben, sodass der Hüttenkäse gleichmässig verteilt ist.
Backen: Wähe in der vorgeheizten, unteren Ofenhälfte bei 200 °C rund 30 Minuten knusprig backen. Je nach Wunsch mit Rohschinken, Tomaten, Mozzarella, Rucola und so weiter garnieren.


Wirz-Bratwurst-Kuchen

Zutaten
1 Portion Teig
500 bis 600 g Wirz
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
2 Esslöffel Bratbutter
1 dl Gemüsebouillon
Salz, Pfeffer, Muskat
2 Bratwürste
2 dl Crème fraîche
½ dl Milch
3 Eier
Salz, Pfeffer
50 g geriebener Greyerzer Käse

Zubereitung
Eine Portion Teig zubereiten, ein Kuchenblech von ca. 28 cm Ø damit auslegen. Vom Wirz, wenn nötig die äussersten Blätter entfernen, längs zum Strunk halbieren und gegen die Mitte 3 bis 4-mal bis zum Strunk ein-, aber nicht durch schneiden, damit das Kraut noch zusammenhält. Den festen Teil des Strunkes keilförmig ausschneiden. Dann in 1⁄2 cm breite Streifen schneiden. Die Zwiebel hacken, die Knoblauchzehe dazu pressen und die geschnittenen Zutaten in einer weiten Pfanne mit Bratbutter andämpfen. Die Bouillon beigeben, würzen, das Gemüse knackig garen und auskühlen lassen. Beim Verwenden von Schweinsbratwurst das Brät in Stücken ausdrücken, feste Würste längs halbieren, in Halbmonde schneiden und die Würste unter die Wirz-Masse mischen. Aus den restlichen Zutaten einen Guss rühren, würzen und über das Kraut giessen. Den geriebenen Käse am Schluss über den Kuchen streuen.
Backen: Im vorgeheizten Ofen auf der zweituntersten Auflage bei 200 °C 30 bis 40 Minuten backen.


BBZ Arenenberg,
Hauswirtschaft und Familie,
Rita Höpli



Zutaten für die Sommergemüse-Wähe. (rh)


Sommergemüse-Wähe vor dem Backen. (rh)


Die Wähe mit verschiedenen Zutaten ausgarniert. (rh)


Teig plus Guss mit Wirz und Bratwurst. (rh)


Der Wirz-Bratwurst-Kuchen servierbereit. (rh)

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