Ausgabe Nummer 23 (2006)

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Erntebeginn der Thurgauer Frühkartoffeln

Frühkartoffeln oder Neue-Ernte-Kartoffeln?

Erntebeginn der Thurgauer Frühkartoffeln

Diese Woche kommen die ersten Frühkartoffeln in die Läden. Obwohl dieses Jahr die wechselnden Witterungsbedingungen den Kartoffelpflanzern das Leben schwer machten, sind gute Produkte zu erwarten.


Die Frühkartoffeln werden in der
Agrarhandel AG in Frauenfeld
automatisch nach ihrer Grösse
sortiert, gewaschen und verpackt.
(uhu)

«Wechselhaftes Wetter mit Frostnächten und Temperaturen bis zu 26 Grad sowie ein verspäteter Pflanztermin machten den Kartoffelpflanzern zu schaffen», fasste Daniel Erb, Vorstandsmitglied VSKP (Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten), an einer Pressekonferenz am letzten Dienstag auf dem Gelände der Agrarhandel AG in Frauenfeld die diesjährige Situation der Frühkartoffeln zusammen. Trotzdem erwarte er gute Produkte. Dieses Jahr wurden in der Schweiz etwa 188 Hektaren Frühkartoffeln angebaut, etwa 60 Hektaren weniger als im letzten Jahr. Da die produzierte Menge kleiner sein wird als im Vorjahr, erwarten die Produzenten bessere Preise.

Frühkartoffeln und Neue-Ernte-Kartoffeln

Hans Bachmann, Präsident Gemüsebörse, wies auf den Unterschied zwischen Neue-Ernte-Kartoffeln und Frühkartoffeln hin: «Neue-Ernte-Kartoffeln kommen meist aus warmen Ländern wie Marokko, Zypern oder Israel und sind ausgereifte, schalenfeste Kartoffeln mit normaler Vegetationszeit. Frühkartoffeln sind frisch geerntete, schalenlose Schweizer Kartoffeln, die ab Mai geerntet werden.» Durch undurchsichtige Deklarationen gewöhnten sich die Konsumenten bereits ab Januar oder Februar an, Neue-Ernte-Kartoffeln einzukaufen. Dadurch hat der Konsum der Schweizer Frühkartoffeln nachgelassen. In den letzten Jahren führten die Grossverteiler neue Vermarktungsregeln und Bezeichnungen ein, um Transparenz zu schaffen.
«Frühkartoffeln müssen wie Frischgemüse behandelt werden. Da sie nicht schalenfest sind, sind sie nicht lagerfähig. Nach zwei bis drei Tagen beginnt die Oxydation und sie werden grünlich. Deshalb ist es wichtig, dass die Frühkartoffeln möglichst schnell zu den Konsumenten gelangen», beschreibt Inspektor Ernst Schellenberg von Qualiservice, Qualitätskontrolldienst für Früchte, Gemüse und Kartoffeln, den Umgang mit Frühkartoffeln.

Qualitätskontrolle und Verarbeitun

Schellenberg demonstrierte eine Qualitätskontrolle der gelieferten Frühkartoffeln. Dieser Vorgang verläuft nach fixen Regeln. Der Kontrolleur nahm eine Stichprobe und erklärte: «Normalerweise werden die Kartoffeln ungewaschen geprüft. Nur sehr erdige Kartoffeln werden vor der Probe gewaschen.» Zuerst wird kontrolliert, ob die Kartoffelsorte richtig deklariert worden ist. Dann werden Kaliber und Mängel geprüft. Die Frühkartoffeln müssen zwischen 30 und 50 Millimeter Durchmesser haben. Auch bei Unreinheiten gibt es klare Regeln, wann sie als Mangel gelten und wann nicht. So dürfen Transport- oder Lagerschäden, die kleiner als zwei Zentimeter sind, nur so tief sein, dass sie durch einmaliges Schälen entfernt werden können.
Nach der Qualitätskontrolle werden die Frühkartoffeln in der Firma Agrarhandel AG in Frauenfeld automatisch nach ihrer Grösse sortiert, gewaschen und verpackt. Die Aussortierung mangelhafter Kartoffeln wird von Hand vorgenommen. Zu kleine oder zu grosse, unreife und mangelhafte Kartoffeln werden als Tierfutter verwendet. Schellenberg erklärte, dass die einheitliche Grösse helfe, die Kartoffeln im Laden einladender zu präsentieren. Zudem sei so die Kochzeit aller Kartoffeln einer Packung etwa gleich lang.

Ursina Hulmann