Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Erwartung bei der IBR

Ausgabe Nummer 13 (2015)

Verband Ostschweizer Viehhändler tagte in Gossau

Nebst den ordentlichen Traktanden der Generalversammlung wurden die Viehhändler über den Fleisch- und Milchmarkt sowie die aktuellen Fragen der Tierseuchenprävention und der Transportfähigkeit von Schlachttieren informiert.

Präsident Albert Brühwiler aus Fischingen führte speditiv durch die mit über 120 Anwesenden sehr gut besuchte Versammlung. Im Verband Ostschweizer Viehhändler (VOV) sind die Viehhändler aus den Kantonen Thurgau, St. Gallen, beider Appenzell und Graubünden organisiert. 144 aktive Mitglieder zählt der Verband aktuell. «Der Viehhandel hat eine wichtige Funktion und ist gerade auch bei Betriebsumstellungen in beratender Funktion tätig. Einschneidend für unsere Branche war im vergangenen Jahr der Wegfall der überwachten Kälbermärkte. Sehr erfreulich präsentierte sich die Situation bei den Schlachtkühen mit Höchstpreisen. Das Nutzvieh war bei befriedigenden Preisen während des ganzen Jahres gesucht Die Schweizer Landwirtschaft hat aber auch noch nie soviel Milch produziert wie im letzten Jahr», fasste Brühwiler in seinem Jahresbericht zusammen. «Ich befürchte auf Grund der aktuellen Milchpreise, dass die Grossviehbestände weiter zurückgehen werden. Das würde dann auch bedeuten, dass Tiere fehlen und der Import von Fleisch bei Kühen und Banktieren weiter zunimmt. Wir vom Handel sind da sehr direkt betroffen».

Unsicherheit wegen IBR
Die aktuelle Seuchenlage mit den positiven IBR-Fällen prägten die Arbeit des Viehhandels in den letzten Wochen mit. Der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche informierte über den aktuellen Stand. «Ich bin seit vier Jahren Kantonstierarzt. In dieser Zeit bin ich bereits mit drei Seuchenausbrüchen konfrontiert worden. Nach PRRS und Tbc ist es nun die IBR. Wir sind bei der IBR aber glücklicherweise mit einem blauen Auge davongekommen, sämtliche Betriebssperren konnten mittlerweile aufgehoben werden. Die Auflagen für die Durchführung von Viehschauen sind wieder auf dem Stand wie vor Bekanntwerden der positiven IBR-Fälle. Es ist wichtig, dass die Schweiz den Status IBR-frei hat». Fritsche erklärte den Anwesenden den Ablauf der Bekämpfung. Er wies darauf hin, dass die vielfach kritisierten Tests nicht nach einem Grün-Rot-Schema funktionierten. Es gäbe zwei verschiedene Labortests. Damit könnten vorhandene Antikörper nachgewiesen und auf eine positive Trägerschaft geschlossen werden. Er betonte, dass die Tests zuverlässig seien und bei fraglichen Fällen beide angewendet würden.

Entschädigungsfrage
Der mit den IBR-Fällen betroffene Handelsbetrieb im Kanton St. Gallen hatte Mitte März den gesamten Viehbestand geschlachtet. Kantonstierarzt Fritsche wies darauf hin, dass der Entscheid für die Schlachtung durch den Viehhändler selber gefällt worden sei. Das Veterinäramt verlange nur Schlachtungen von positiven Tieren. Die geschlachteten Tiere im betreffenden Handelsstall werden durch die Tierseuchenkassen nicht entschädigt. Die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, dass nur positive Tiere, welche auf Anordnung der Veterinärbehörden geschlachtet werden, aus der Tierseuchenkasse entschädigt werden. Eine Ausnahme gilt bei importierten Tieren. Ist ein Tier bereits beim Import positiv, so wird dieses nicht vergütet.

Mehr Disziplin
Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der IBR sei er leider in den letzten Wochen mit vielen fraglichen Daten aus der TVD konfrontiert gewesen. Für ein schnelles und effizientes Eingreifen sei das Veterinäramt auf vollständige und genaue Daten aus der TVD angewiesen. Falsche Angaben könnten zu verheerenden Auswirkungen führen, betonte Fritsche und forderte die Viehhändler auf, sämtliche Tierbewegungen zeitgerecht und korrekt zu melden. In die gleiche Richtung votierte der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig. Er informierte über die Tierseuchenprävention und die Schlachttiertransporte. «Viehhändler haben eine grosse Verantwortung, und die muss wahrgenommen werden. Es besteht die gesetzliche Verpflichtung, den Vorschriften nachzuleben. Vorsätzlich verspätete oder verpasste Meldungen seien nicht tolerierbar», appellierte Witzig an die Anwesenden.

BVD-Bekämpfung
Die Bekämpfung der BVD sei auf guten Wegen. Trotzdem würden hie und da wieder neue Fälle auftauchen. Witzig hat Respekt vor der nahen Zukunft. Ab 2016 würde nur noch eine Tankprobe pro Jahr genommen und damit die Überwachung zurückgefahren. Es sei sehr wichtig, dass Landwirte wie Händler aufmerksam bleiben. Gerade beim Umgang mit abkalbenden Kühen sei immer Vorsicht geboten. Eine Separierung kritischer Tiere sei sinnvoll. Allfällige PI-Tiere müssten frühzeitig erkannt werden. Der Thurgauer Kantonstierarzt wies auf die Wichtigkeit der Tiergeschichten hin. Seien diese unvollständig oder gar falsch, sei eine genaue Rückverfolgbarkeit unmöglich und verhindere eine effiziente BVD-Bekämpfung.

Problem Transportfähigkeit
Der Transport von Schlachtvieh wird immer anspruchsvoller. Die gesetzlichen Vorgaben des Tierschutzes und des Strassenverkehrs, die Anspruchshaltung der Schlachtbetriebe, die Wertvorstellungen der Konsumenten und die Erwartungen des Produzenten seien oftmals nicht mehr vollumfänglich vereinbar. Der Druck gerade auf die Transporteure und insbesondere die Chauffeure wird immer grösser. Der Transport von kranken oder verletzten Tiere in den Schlachthof ist untersagt. Unklar ist jedoch die Abgrenzung zwischen transportfähig oder nicht und auch wer schlussendlich darüber entscheidet. Als klar nicht transportfähig gelten nach Aussage von Witzig Tiere mit offenen Brüchen und Wunden, sichtbaren Organvorfällen, geschwollenen Gliedmassen und solche, die nicht gehen können. Im Zweifelsfall sei auf einen Transport zu verzichten, die Schlachthöfe tolerieren schlichtweg keine fraglichen Tiere. Strafanzeigen gegenüber dem Transporteur und Produzenten seien die Folge.

Sanktionspraxis kritisiert
In der engagierten Diskussion wurde die Sanktionsund Strafrechtspraxis des Kantons St. Gallen kritisiert. Zu streng sei da die Rechtsauslegung und zu gross die Anzahl der Sanktionen. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass ein Fünftel aller Schlachtungen der ganzen Schweiz im Kanton St. Gallen stattfinden. Witzig machte darauf aufmerksam, dass die Schlachthöfe nicht verpflichtet seien, Tiere anzunehmen, welche sie nicht schlachten können. Der Konsument übe heute einen solchen Druck aus, dass sich die Schlachthöfe auf keine Risiken einliessen. Die Verantwortung bei der Transportfähigkeit müsse auf dem Produzentenbetrieb geklärt werden. Im Zweifelsfall sei davon abzusehen und die Tiere seien auf einem anderen Weg der Schlachtung zuzuführen.

Neuer Präsident
Der Schweizerische Viehhändler-Verband wird am 2. Mai als Nachfolger von alt Ständerat Carlo Schmid einen neuen Präsidenten wählen. Ein Nachfolger ist portiert. Beim Ostschweizer Viehhändlerverband sind nicht alle glücklich über den Vorschlag. Die Kumulation von verschiedenen Mandaten in Handelsfirmen gefährde die Unabhängigkeit eines künftigen Präsidenten, stellte ein Votant klar. Zudem sollte der neue Präsident gut vernetzt sein und auch politischen Einfluss haben. Über die Wahl entscheiden schlussendlich die Delegierten.


Andreas Widmer, SGBV







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