Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Es herrscht ein rauer Wind

Ausgabe Nummer 46 (2015)

Referat zu Frauen in der Landwirtschaft

Die Kommission Frauen in der Landwirtschaft vom Verband Thurgauer Landwirtschaft hat kürzlich zu dem Referat von Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes: «Wie kann ich als Bäuerin dazu beitragen, dass unser Familienbetrieb die nächsten Jahre überlebt, ohne dass ich dabei auf der Strecke bleibe?», nach Weinfelden eingeladen.

Wie können Bäuerinnen zum Erhalt eines Betriebes mithelfen? Diese Frage stellte Bauernpräsident Markus Ritter.
Durch die neue Agrarpolitik hat es im Kanton Thurgau eindeutig mehr Verlierer als Gewinner. Es reiche nicht, den schönsten Beruf der Welt zu haben, so Ritter, es brauche auch wirtschaftliche Perspektiven, sonst werde es schwierig der nächsten Generation diesen Beruf langfristig zu erhalten. Wichtig sei ein gesichertes, vergleichbares Einkommen mit anderen Berufen bei hoher Lebensqualität. In der Landwirtschaft blase ein rauer Wind, deshalb sei es wichtig die Segel in den Wind zu stellen, andernfalls gelte es mühsam zu rudern.

Das Gespräch suchen
Wenn die heutige Betriebsführung gut sei, solle daran auch nichts geändert werden. Was aber kann eine Bäuerin tun, wenn sie sieht, dass nicht mehr alles im Lot ist? Dazu verwendete Ritter das Wort «Frühwarnsystem», denn Frauen erkennen Unregelmässigkeiten meist früher als Männer, da sie es meist sind, die die Rechnungen bezahlen. Dann gelte es, mit dem Partner das Gespräch zu suchen und allfällige Änderungen in der Betriebsführung zu besprechen. Wenn ein Betrieb neu ausgerichtet werden soll, ist es wichtig, die Märkte gut zu beobachten und die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. «Es gibt auch heute noch Märkte, die gut funktionieren, andere aber haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen». Wichtig sei, die Chancen zu sehen und das zu produzieren, was gefragt ist und dass dafür auch gute Preise bezahlt werden. Ritter ist es jedoch bewusst, dass jeder Betrieb anders gelagert und unterschiedlich gegenüber anderen ist und damit Änderungen schwierig sind.

Über Zukunft reden
Geändert werden solle aber nur, was nicht stabil ist und nicht funktioniert. Veränderungen sind nicht einfach und vor lauter Arbeit bleibe oft kaum Zeit, in Ruhe über die Zukunft mit allen Vor- und Nachteilen zu diskutieren. «Nur wenige Männer schätzen es, wenn Frauen sagen, was und wie man etwas machen soll». Markus Ritter ist überzeugt, dass Wertschöpfung vor Grösse kommt, denn wichtig sei ein guter Ertrag und ganz wichtig sei ein guter Verkaufspreis der erwirtschaftet werde, denn teure Infrastrukturen bräuchten gute Erträge.
Als wichtig bezeichnet er aber auch, dass die Lebensqualität der Familie entscheidend sei und zwar vor dem Prestige, den grössten Traktor oder den grössten Stall zu haben.


Hanni Schild




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