Ausgabe Nummer 17 (2006)

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EU-Freihandelsabkommen öffnet Perspektiven

Mehrmengenprojekt der Thur Milch Ring AG soll demnächst bewilligt werden

EU-Freihandelsabkommen öffnet Perspektiven

Nach Ansicht von Verwaltungsratspräsident Roland Werner, Thur Milch Ring AG, öffnet ein EU-Freihandelsabkommen der Milchwirtschaft grosse Exportmöglichkeiten und echte Perspektiven.


Jacques Chavaz: «Das
Mehrmengenprojekt der Thur Milch
Ring AG hat gute Chancen, bewilligt
zu werden.» (tos)

In seinem Jahresbericht erinnert Roland Werner, Präsident des Verwaltungsrates der Thur Milch Ring AG, an der Generalversammlung im LBBZ Arenenberg, vor rund 300 Personen, an die laufenden Veränderungsprozesse in der Landwirtschaft, insbesondere im Milchmarkt. Rund 60 Prozent der Thur-Milch-Ring-Lieferanten werden per 1. Mai vorzeitig aus der Milchkontingentierung aussteigen. Die Thur Milch Ring AG hat auch ein Mehrmengenprojekt eingereicht und hofft, dass sie in diesem Frühjahr ihren Lieferanten entschädigungsfrei Zusatzmilchmengen zuteilen kann. Mehr wollte Werner zu diesem Thema nicht sagen. Jacques Chavaz, Stellvertreter Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), bestätigte den Eingang des Gesuches und stellte fest, dass dieses Gesuch «gut unterwegs sei» und in den nächsten Wochen wohl bewilligt werde.

Mut und Pioniergeist

Werner sieht im Inlandmilchmarkt keine grossen Expansionsmöglichkeiten mehr. Hingegen zeigt er sich in Sachen EU-Freihandel sehr optimistisch. Hier glaubt er an grosse Exportmöglichkeiten und echte Perspektiven für die schweizerische Milchwirtschaft. Um diese Chancen zu packen, müssen aber die Schweizer Milchproduzenten bereit sein, tief greifende Veränderungen vorzunehmen. Diese sollen nach Meinung von Werner aktiv herbeigeführt werden. Er kritisierte die zögerliche Haltung der Milchverbände und gab der Hoffnung Ausdruck, dass diese aus der Vergangenheit gelernt haben und in Zukunft aktiv an den Reformen der Milchwirtschaft mitarbeiten. Werner versicherte den Milchlieferanten, dass die Thur Milch Ring AG aktiv am Gestaltungsprozess künftiger Reformen teilnehmen werde. Dies erlaube der Organisation weiterhin, rechtzeitig die notwendigen Schritte einzuleiten, um nicht von den laufenden Veränderungen überrollt zu werden. «Gerade das Beispiel Thur Milch Ring AG zeigt sehr eindrücklich, was mit Mut und Pioniergeist erreicht werden kann», sagte Werner.

Neue Märkte erschliessen

Auch Chavaz sieht bei einem umfassenden Freihandel für den Agrar- und Ernährungssektor mit der EU grosse Chancen. Zum einen können mit einem solchen Abkommen für Schweizer Produkte (Rohstoffe und Verarbeitungsprodukte) neue Märkte erschlossen werden. Er glaubt auch an eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Nach Meinung von Chavaz liegt der Schlüssel zum Erfolg im Einbezug der ganzen Wertschöpfungskette, inklusive der vor- und nachgelagerten Sektoren.
Bei einem Handelsertrag von 28,67 Millionen Franken der Thur Milch Ring AG wurde ein Unternehmensgewinn von 8800 Franken ausgewiesen. Die Versammlung genehmigte den Antrag des Verwaltungsrates, pro Aktie eine Dividende von 5 Franken (netto 3,25 Franken) auszubezahlen.

Mario Tosato