Ausgabe Nummer 27 (2004)

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Fachfragen im Feld veranschaulicht

Flurgang der Pflanzenbaukommission in Tänikon
 
Fachfragen im Feld veranschaulicht
 
Verschiedene ackerbauliche Fragen standen im Zentrum des Flurganges der Pflanzenbaukommission des Thurgauer Bauernverbandes am letzten Donnerstag an der Agro-scope FAT Tänikon. Diskutiert wurde an Hand von aktuellen Forschungsprojekten.
 
Hermann Brenner (rechts) erklärt den Flurgangteilnehmern die Problematik rund um Mykotoxine im Getreidebau. (hil)
 
Spurweiten im Kartoffelanbau, Unkrautmanagement in Biozuckerrüben, die Mykotoxin-Problematik beim Getreide sowie Wirtschaftlichkeitsfragen im Ackerbau hiessen die einzelnen Posten am Flurgang der Thurgauer Pflanzenbaukommission. Rund 20 Interessierte hatten am letzen Donnerstag den Weg nach Tänikon gefunden, um im Feld mit den Fachleuten der FAT ackerbauliche Fragen zu diskutieren.
In einem mehrjährigen Versuch sollen die Vor- und Nachteile verschiedener Pflanzbreiten im Kartoffelanbau getestet werden. Die zunehmend schlagkräftigere Mechanisierung lässt einen Schritt hin zu einem Reihenabstand von 90 Zentimeter wahrscheinlich werden. Weitere Faktoren wie mehr Ertrag und weniger grüne Knollen im Erntegut sprechen ebenfalls für den Wechsel von 75 auf 90 cm Reihenabstand. Ernst Spiess wies darauf hin, dass die Reihenabstände seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Einzug des Traktors ständig grösser geworden sind. Heute seien 75 Zentimeter gewissermassen «Euronorm», während in Grossbritannien 90 Zentimeter Standard seien.
Im ersten Versuchsjahr (2001) wiesen die Bestände mit 90-cm-Spurweite gesicherte Mehrerträge auf gegenüber 75 cm, liess Spiess die Flurgangteilnehmer wissen. Auch grüne Knollen seien deutlich weniger vorgekommen. Vernichtende Hagelzüge im Jahr 2002 und die Trockenheit im letzten Jahr machten das zweite und dritte Versuchsjahr leider wenig aussagekräftig. Spiess hofft nun, das Resultat von 2001 in diesem Jahr bestätigen zu können.

Weniger Jäten in Biorüben
Nächste Station waren die Versuche von Edward Irla zur mechanischen Unkrautbekämpfung im Biozuckerrübenbau. Ziel der Versuche ist es, den Anteil Handarbeit in Biozuckerrüben zu senken, dafür werden verschiedene mechanische Hack- und Striegelgeräte im Einsatz getestet. Ein weiterer wichtiger Faktor in den Versuchen sind zudem die Säabstände in den Rübenfeldern. Die Produzenten von Bio-rüben hätten Angst davor, auf Endabstand zu säen. Die Angst sei unbegründet, findet Irla, der Feldaufgang sei auch bei Saat auf Endabstand genügend, und zudem werde der Handarbeitsaufwand bei der Unkrautbekämpfung gesenkt. Wichtig für eine erfolgreiche Unkrautbekämpfung sei die Wahl der passenden Gerätschaft und des richtigen Bekämpfungszeitpunkts – und nicht zu vergessen eine mehrfache Unkrautkur im Winterhalbjahr vor der Rübensaat (detaillierte Versuchsresultate sind im FAT-Bericht 612 vor kurzem veröffentlicht worden). Mit wenig Begeisterung hat der Forscher dagegen erfahren, dass Biozuckerrüben von der Zuckerfabrik vorerst nur noch in diesem Herbst übernommen werden.

Mykotoxinen vorbeugen
Hermann Brenner von der Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie machte die Flurgänger mit dem Problem der Mykotoxine im Getreidebau vertraut. Er stützte sich bei seinen Aussagen auf Forschungsresultate der Agroscope FAL Reckenholz. Mykotoxine sind Gifte, die von Pilzen produziert werden – und über Weizenkörner ins Mehl gelangen können. Problematisch im Getreidebau sind Mykotoxine von Fusarien-Pilzen auf Weizen. Bekannt sind verschiedene Gifte, darunter DON (Deoxynivalenol) und ZON (Zearalenon). Zurzeit gilt in der Schweiz ein Toleranzwert von einem ppm (1mg/1kg) DON. In Deutschland liegt der Grenzwert bereits bei 0,5 ppm DON. Getreidesammelstellen sind verpflichtet, verdächtige Weizenlieferungen zu untersuchen. Es ist seit diesem Jahr nicht mehr gestattet, verschiedene Lieferungen zu vermengen, um den DON-Gehalt zu senken.
Mehrere Faktoren beeinflussen die Bildung von Fusarium-Pilzen auf den Ähren und die damit (mögliche) Toxinablagerung in den Körnern:
– Sortenanfälligkeit: Nicht alle Sorten sind anfällig auf Fusarien (wenig anfällig ist beispielsweise Arina, sehr anfällig ist Lorna)
– Vorfrucht: Maisstoppeln und Maisstroh auf dem Feld bilden die Basis für Fusarien-Infektionen in der Fruchtfolge. Mais als Vorfrucht erhöht daher das Risiko. Maisstroh zerkleinern und wenn möglich nicht Weizen nach Mais säen.
– Bodenbearbeitung: Nicht wendende Bodenbearbeitung erhöht das Risiko auf Fusarien und Mykotoxine. Pflügen fördert die Verrottung der Pflanzen-
reste und unterdrückt Fusariosen.
– Wetter/Witterung: Feuchte und Temperatur bestimmen die Pilzentwicklung massgeblich. Ein Prognosemodell (ähnlich PhytoPre) ist in Vorberatung.
Für Hermann Brenner kommt der Vorbeugung von Infektionen höchste Bedeutung zu, da eine direkte Bekämpfung von Fusarien mit Fungiziden nur ungenügend wirksam ist (Teilwirkung von 50 Prozent).
Zum Schluss des Flurgangs widmeten sich die Teilnehmer noch Fragen zum Thema Maschinenkosten und nahmen einen Augenschein in einem Versuch, bei dem es um Nitratauswaschung ging, bevor es dann in der FAT-Kantine zum gemütlichen Teil und weiteren Fachgesprächen überging. (hil)
 

Cultan-Düngungen
In verschiedenen Versuchen wendet die FAT die hierzulande noch weit gehend unbekannte Cultan-Düngung an. Bei diesem Verfahren – auch «Unterfussdüngung» bezeichnet – wird unterhalb der Pflanzenreihen eine Depotdüngung vorgenommen. Dabei werden sowohl mineralische Dünger als auch organische Dünger (z. B. aufkonzentrierte Gülle) eingesetzt. Die Nährstoffe aus dem tiefer liegenden Düngerdepot sollen – so der Gedanke hinter dieser Düngerstrategie – in erster Linie den Wurzeln der Kulturpflanzen zu Gute kommen. Und nicht auch den Unkräutern, die bei einer oberirdischen Düngung immer «mitgefüttert» werden. (hil)

 
 
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