Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Fachkräfte von BLW, Agridea und Kantone bilden sich im Tannzapfenland weiter

Ausgabe Nummer 43 (2017)

Nationaler Erfahrungsaustausch PRE-Projekte (Projekt Regionale Entwicklung)

Dass im Tannzapfenland kürzlich vermehrt französisch und italienisch gesprochen wurde, deutete darauf hin, dass wohl ein nationaler Anlass stattgefunden hat.

Passend zum aktuellen «Projekt Regionale Entwicklung PRE Tannzapfenland» fand im Kloster Fischingen der jährlich durchgeführte nationale Erfahrungsaustausch von Fachleuten der «Regionalen Entwicklung» statt. Mit dem regelmässigen Wechsel des Veranstaltungsortes werden die verschiedensten Regionen der Schweiz besucht. Die Fachleute stammen aus den Reihen der Landwirtschaftsämter der Kantone, des Bundes (BLW) und der nationalen landwirtschaftlichen «Kaderschmiede AGRIDEA». Diese Weiterbildung wurde auf Anregung des BBZ Arenenberg dieses Jahr im Thurgau organsiert. Dabei wurde der Schwerpunkt der Fördermöglichkeiten in der Region vor allem auf die Eigeninitiative der privaten Betriebe und Organisationen gelegt. Von den Besuchen der verschiedenen landwirtschaftlich orientierten Gewerbebetriebe waren die Kursteilnehmer begeistert.
PRE-Projekt sind «Projekte der Regionalen Entwicklung », also ein Instrument des Bundes zusammen mit den Kantonen, die Strukturverbesserung in den ländlichen Gebieten, parallel zu den Agglomerationsprojekten in den Städten, zu fördern.
In Zusammenarbeit mit Werner Ibig, Direktor Kloster Fischingen und Präsident des Vereins «PRE Tannzapfenland », dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Gustav Munz, hatte Sara Widmer von AGRIDEA TICINO zwei sehr interessante Weiterbildungstage vorbereitet.
Eröffnet wurde die Tagung von der Leitung des Klosters und dem Gemeindepräsidenten Willy Nägeli von Fischingen. Dabei hob Nägeli die kontinuierlichen Projektentwicklungen des Vereins PRE Tannzapfenland hervor und deutete auf erfreuliche und zukunftsweisende Ergebnisse hin. Ebenfalls freute er sich über die Neubauten und Renovationen der Privatpersonen und Gewerbebetrieben, bis hin zur Renovation und Vergrösserung der sehr gut ausgelasteten Hotels, parallel zu einer vernünftig wachsenden Einwohnerzahl.

Starkes Team im PRE Tannzapfenland
Zur Vorstellung des laufenden PRE-Projektes im Tannzapfenland wirkten sowohl Werner Ibig als Präsident des Vereins «PRE Tannzapfenland», wie auch die Teilprojektleiter Landwirt Andreas Moser und Christof Fürer mit. Ein starkes Dreiergespann, welches bei den klassischen Höhen und Tiefen in den langwierigen PRE-Projekten den nötigen Innovationsgeist und Durchhaltewillen zeigt. Richtungsweisende Projekte, wie die regionalen Schlachtmöglichkeit und Fleischveredelung, die Förderung der gastronomischen Angebote auf den Aussichts- und Wanderrouten sowie die Lancierung eines Markennamens «Tannzapfenland» stehen in Vorbereitung.

Eine weitere Etappe im PRE-Projekt Tannzapfenland bewilligt
Von Silke Hein, der PRE-Fachbegleiterin des «PRE Projektes Tannzapfenland», war Erfreuliches zu erfahren: So haben der Kanton und der Bund eine überarbeitete Version des «PRE Tannzapfenland» mit diversen Teilprojekten beispielsweise Tourismus, Gewerbe und Milchwirtschaft gutgeheissen und folglich einen finanziellen Rahmen zur Grundlagenetappe – also zur weiteren konkreten Planung – bewilligt.
Interessant war zu hören, dass sich aus der Gewerbeausstellung Fischingen möglicher Weise ein Gewerbeverein am Formieren ist und am Weihnachtsmarkt in Zusammenarbeit mit Agromarketing Thurgauer AG, die Marke «Tannzapfenland» lanciert werden soll. Gute Botschaften also, welche an der nationalen PRE-Tagung auch für die Region veröffentlicht werden konnten.
Auf die Scharnierstellen von regionalen PRE-Projekten und einem überregionalen Naturpark ging Michael Dubach von «Natürli ZüriOberland» in seinem Referat ein. Er stellte fest, dass sich gemeindebezogene und regionale Aktivitäten gut mit einem Natur- park ergänzen lassen. Dies zeigte er anhand des Geschäftsbereiches von «Natürli ZüriOberland» und einzelnen wirkungsvollen Vorstössen in den Gemeinden, zu denen auch Fischingen TG und Balterswil TG, also «Nachbarn» vom Zürcher Oberland, gehören.

Besichtigung landwirtschaftsbezogener Gewerbebetriebe
Nach diversen Informationsrunden und Workshops ging die Fachtagung in der vorbestimmten Ausrichtung weiter, nämlich mit dem Besuch von innovativen, privaten und landwirtschaftsbezogenen Gewerbebetrieben. Dazu gehört die neuangesiedelte Klein- und Edelbrauerei «Pilgrim» in den Klostergemäuern.
Es folgte ein Augenschein beim neuen, auf privater Basis erstellten Käselager der jungen Familie Roger und Conny Hug bei Dussnang. Dabei wurde auch der Bereich «Heumilch» als mögliche, neue Ausrichtung der Käserei, bei Milchlieferanten bis hin zu den Abnehmern, vorgestellt.
Bemerkenswert dazu ist die Bereitschaft ihrer Milchlieferanten, also Bäuerinnen und Bauern, welche gerne an der Käseverkaufsfront im In- und Ausland bei Käsedegustationen mitwirken. Beeindruckt waren die Kursbesucher von der Vorstellung des landwirtschaftlichen Gewerbebetriebes von Urs und Irma Schatt. In kurzer Zeit hat sich das Unternehmerehepaar, vom landwirtschaftlichen Kleinstlohnunternehmen bis hin zum beachtlichen Tiefbaubetrieb mit neu angegliederter mechanischen Werkstatt im schönen Neubau entwickelt.

Aquaponicanlage als Beispiel für PRE-Projekte
Ebenso innovativ zeigte sich der Betreiber Paul Werford der Aquaponicanlage. Diese steht in einem alten, historischen, schön gebauten Gewerbegebäude in Balterswil. In dieser Aquaponicanlage werden Fische grossgezogen und über den Delikatessenkanal an Grossabnehmer aber auch im direkten Einzelhandel verkauft.
Interessant dabei ist, dass dieser Betrieb nebst der Fischhaltung auch Anlagen im In- und Ausland erstellt.
Die schweizweite Fischproduktion mag nur 2 % des Gesamtbedarfs der Schweizer Konsumenten abdecken – im Gegensatz zur Milchproduktion mit ca. 120 %. Demzufolge ist die Innovation in Richtung Fischproduktion berechtigt. Dabei bietet das Regionale Entwicklungsinstrument «PRE» ideale Möglichkeiten, die Fischproduktion in einem Teilprojekt aufzunehmen.

Als Resumée dieser ERFA-Tagung der «nationalen Regionalentwickler» kann festgestellt werden, dass das Tannzapfenland durchaus als vorbildliche Region mit viel Innovationsgeist aber auch mit einem guten Gespür für das Machbare und das schrittweise Vorgehen gewertet werden kann. Mit diesem überaus guten Eindruck und vielen neuen Ideen kehrten die «Regionalentwickler» in ihre angestammten Gebiete der ganzen Schweiz zurück. Zurück bleibt für den Verein «PRE Tannzapfenland» die Gewissheit, dass die Region auf gutem Wege ist und sich das Weiterverfolgen der Vereinsziele und der Projekte lohnt!


Bernhard Müller
Leiter Regionale Entwicklung
BBZ Arenenberg






















« zurück zur Übersicht