Ausgabe Nummer 7 (2008)
Fachtagung Agrotourismus Ostschweiz
«Hochwertige und kundenspezifische Produkte»
An der Fachtagung Agrotourismus Ostschweiz wurden fachliche Inputs vermittelt, dazu fand ein Gedankenaustausch über Gästebewirtung statt. Nationalrat Peter Spuhler erzählte über die eigene Erfolgsgeschichte.An der Fachtagung Agrotourismus Ostschweiz unter dem Motto «Als Unternehmer mit Tiefschlägen und Höhenflügen leben» schilderte Nationalrat Peter Spuhler, auf dem Betrieb zum Heubode von Annemarie und Hansjakob Ott, in Wila ZH, die Erfolgsgeschichte der Stadler Rail Group, Bussnang. «Mein Ziel war es, als 30-Jähriger Unternehmer zu sein, sodass ich mich bei einem allfälligen Kon- kurs wieder erholen kann», verblüffte Spuhler die rund 60 Tagungsteilnehmer. Er führte die Firma mit 18 Mitarbeitern im Jahr 1991 mit einem Umsatz von rund einer Million Franken zu einem Unternehmen mit 2160 Mitarbeitenden und einem konsolidierten Umsatz von 1,05 Milliarden Franken (2007). «Die Stadler Rail Group ist ein internationaler unabhängiger Schienenfahrzeughersteller mit Schwerpunkt Europa, der mit hochwertigen und kundenspezifischen Produkten eine gezielte Segment- und Marketingstrategie verfolgt», sagt Spuhler. Zu den Erfolgsfaktoren zählt er das Vertrauen der Mitarbeiter und Kunden, die Kontinuität in der Führungsstruktur, flache Hierarchie, schnelle Entscheidungswege und klare Kompetenzen. Nach Spuhlers Ansicht sollen die Mitarbeitenden am Erfolg beteiligt werden. Zu den Negativerlebnissen zählt Spuhler die Entwicklung bei der UBS, wo er als Verwaltungsrat mit in der Verantwortung steht.
Klare Strategie und hochstehende Produkte
Hinter einem Wachstum müssen eine klare Strategie und hochstehende Produkte zu günstigen Preisen stehen, was nicht mit billig zu verwechseln sei, bekräftigt der SVP-Nationalrat. Nach seiner Meinung ist die Schweizer Landwirtschaft auf dem richtigen Weg, was die Erfolge im Exportmarkt von Schweizer Käse beweise. «Für mich ist wichtig, dass die Landwirtschaft und die Wirtschaft einen starken Block bilden », so Spuhler.
Nach dem Chaos die Analyse
Wie Hansjakob Ott schilderte, reifte Anfang der Neunzigerjahre die Vision der Gästebewirtung auf dem Heubode. Ein Besuch in der Steiermark habe ihn dazu ermutigt, die Vision sofort umzusetzen. Der Heubode sei 1998 eröffnet worden. Das Echo und der Erfolg seien überwältigend gewesen. Ott sprach von chaotischen Jahren, welche die körperlichen, psychischen und physischen Grenzen aufzeigten. Eine Analyse habe einen weniger erfreulichen Stand aufgezeigt. Mit Hilfe von aussen wurden die Strukturen verbessert. Der Betrieb wurde auf Mutterkuhhaltung mit Grauvieh umgestellt. Arbeitsspitzen wurden durch Lohnunternehmer gebrochen. Auch bauliche Massnamen wurden vorgenommen. Der Heubode, dem ein Ferienhaus angegliedert wurde, wird durch Annemarie Ott geführt. Zur Entlastung und Steigerung der Professionalität wurde Personal (Küche, Service, Reinigung) angestellt. Im Heubode wird nur Fleisch aus eigener Produktion verwertet. Zudem wird das Natura Beef direkt vermarktet.
Guter Erfolg mit Märchen erzählen
Manuela Bötsch, Romanshorn, sprach von einer grossen Krise betreffend Beziehung, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Überlastung und Chaos, was zu einer Überprüfung der Situation führte. Neben der Produktion von Beeren, Birnen, Äpfeln wird auch ein Hofladen mit saisonaler Naturkost betrieben. Als professionelle Märchenerzählerin liess Manuela Bötsch die Tradition des Geschichtenerzählens auf ihrem Hof wieder aufleben. Der Start im 2006 glückte. 2007 wurden über 60 Anlässe, teils mit Essen, durchgeführt. Bei der Suche nach neuen Wegen und Möglichkeiten gab die Märchenerzählerin ihren Zuhörern den Rat: «Mach im Beruf das, was du gern tust, denn das machst du mit Sicherheit gut.»
Faktoren zum Erfolg
Mathias Roth, Betriebsberater BBZ Arenenberg, stellte zehn entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Betriebsführung vor. Nach seiner Meinung soll das Wohlergehen der Familien und betroffenen Menschen im Zentrum stehen. Wichtig seien klare Ziele und Strategien mit einem entsprechendem Controlling. Für eine erfolgreiche Zukunft seien auch Kreativität, Weiterbildung und Kooperation von grosser Bedeutung. Tagesgeschäft und Administration müssen effizient organisiert sein. Roth wies auch darauf hin, dass die finanzielle Situation jederzeit überblickbar sein müsse.
Mario Tosato

Nationalrat Peter Spuhler, Mathias Roth, Manuela Bötsch, Annemarie und Hansjakob Ott (von links) erzählten über Tiefschläge und Höhenflüge. (tos)
