Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Feldkontrollen im Freilandgemüsebau

Ausgabe Nummer 33 (2017)

Engagierte Gemüseproduzenten setzen auch im Freiland vermehrt auf das sog. Monitoring, also die Überwachung ihrer Kulturen mit Leim-, Wasser- und Pheromonfallen. Durch wöchentliches Auszählen kann die Schadschwelle ermittelt werden. Dadurch werden Pflanzenschutzmassnahmen nur dann durchgeführt, wenn sie wirklich nötig sind. Nichts Neues sagen Sie? Ja genau, in der Integrierten Gemüseproduktion (IP) war die Schadschwellenermittlung bereits vor 20 Jahren ein Thema.

Was bedeutet Monitoring?
Ein gezielter, auf Warnhinweisen (Agroscope, Kantonale Fachstellen) und Feldkontrollen basierender Einsatz der zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel wird immer wichtiger. Werden die Felder mit Fallen kontrolliert, spricht man vom sogenannten «Monitoring». Nachfolgend werden drei Verfahren vorgestellt, die vom Praktiker selber erlernt und mit moderatem Aufwand umgesetzt werden können.

Orange und klebrig ist sie, die Leimtafel zur Überwachung des Möhrenfliegenfluges in Karotten. Befestigt an einem Plastik(weide-)pfahl, wird sie knapp über dem Laub angebracht. Pro Hektar werden zwei solche Tafeln gestellt und wöchentlich ausgezählt. Erst wenn die Schadschwelle von einer Fliege pro Leimtafel und Woche überschritten ist, muss gespritzt werden. Die Bestimmung der Fliege wird mit Fleiss und genügend Übung zur Routine und ist mit einer Handlupe machbar. Einzig die vielen «Beifänge » – vor allem in der heissen Jahreszeit – können das Auszählen erschweren. Die Feldkontrolle bei Karotten wird regional von den kantonalen Fachstellen für Gemüsebau von Frühling bis Herbst durchgeführt. Landwirte, die ihre Flächen selber überwachen möchten, werden gerne unterstützt und begleitet.

Winzig und gefährlich ist die lokal verbreitete Kohldrehherzgallmücke. Der Schädling zeigt sich von nassen, kalten Sommern unbeeindruckt und tritt ab Ende Mai / Anfang Juni bis Frosteintritt in 4 bis 5 Generationen auf. Wird die Schadschwelle von 10 Mücken pro Falle und Woche überschritten, müssen junge Sätze von Broccoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Rosenkohl und Kopfkohl behandelt werden.
Die Mücke kann mit 2 Pheromonfallen pro Parzelle zuverlässig kontrolliert werden. Pheromonfallen bestehen aus einem Lockstoff und einer Leimtafel. Die männlichen Kohldrehherzgallmücken werden angelockt und bleiben auf der Leimtafel kleben, wo sie 1- bis 2-mal wöchentlich ausgezählt werden. Der Gemüseproduzent weiss mit dieser Methode sehr genau, wann und in welchen Sätzen der Einflug stattfindet und kann den Insektizideinsatz gezielt durchführen. In Regionen mit viel Kohlanbau, Winterraps und letztjährigen Schäden, lohnt sich diese Feldkontrolle besonders.

«John Deere Gelb» liebt die Kleine Kohlfliege, die mit einer Wasserfalle überwacht wird. Das Becken wird wöchentlich geleert und die Fänge aussortiert. Bis man zum Ziel kommt, müssen Beifänge (Bohnenfliegen, Rapsglanzkäfer und andere) ausgeschieden werden. Für die Bestimmung der Fliege ist ein gutes Binokular (bis 60-fache Vergrösserung) nötig. Diese aufwendige Arbeit übernimmt die Kantonale Fachstelle. Werden nur Männchen gefangen, ist kein Schaden zu befürchten und keine Behandlung nötig. Tauchen beide Geschlechter in der Falle auf, beginnt die Eiablage und es sind Massnahmen nötig.
Der Gemüseproduzent kann die Eiablage in frisch gepflanzten Kohlgemüsen kontrollieren: pro Parzelle werden an 10 Pflanzen der Randreihen 2 Esslöffel Erde um den Wurzelhals herum entnommen und in eine dunkel gefärbte Plasikschale gegeben. Dann wird normales Wasser zugegossen, mit dem Löffel umgerührt und das Ganze einen Moment stehen gelassen. Die Kohlfliegeneier schwimmen obenauf und sind als weisse, 1 mm lange Stäbchen gut zu erkennen. Ab 20 bis 50 solcher Stäbchen ist die Eiablage mittelstark (= 2 bis 5 Eier pro Pflanze). Schwimmen mehr als 100 Eier obenauf, zeigt das die Haupteiablagephase an. Auch die Kleine Kohlfliege tritt lokal unterschiedlich stark auf und überwintert in Rapsfeldern. Sie entwickelt drei Generationen, wobei der 1. Flug häufig mit der Blüte der Kastanienbäume korreliert.
Durch den Klimawandel und den Wegfall von Wirkstoffen gewinnen Fallenüberwachung, Feldkontrollen und Warndienstinformationen für die Produktion von Gemüsen wieder an Bedeutung. Feldkontrollen benötigen Zeit, Ausdauer und Übung. Sie ermöglichen eine integrierte Arbeitsweise. Mittelfristig weiss der Gemüseproduzent über Zeitpunkt und Stärke der auf seinen Feldern vorkommenden Schädlingen bestens Bescheid. Das gibt Sicherheit – besonders in Zeiten der immer grösser werdenden Auflagen im Bereich Pflanzenschutz.


Margareta Scheidiger
BBZ Arenenberg
















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