Ausgabe Nummer 10 (2006)

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Fenaco verspricht gesicherte Annahme

Kartoffeltagung am Strickhof Wülflingen

Fenaco verspricht gesicherte Annahme

Die Fenaco-Gruppe ist mit rund 50 Prozent Marktanteil der stärkste Akteur im schweizerischen Kartoffelgeschäft. Alljährlich lädt die Fenaco Region Ostschweiz zur Informationstagung an den Strickhof Wülflingen, welche heuer besonders durch die bevorstehende Schliessung des Verarbeitungsbetriebes Frigemo in Weinfelden geprägt war.


Fritz Stucki, Max Wellauer, Dominic Möckli und
Willy Gehriger (v. l.) informierten über die
Geschäftspolitik und den Kartoffelmarkt. (ar)

Rund 200 Kartoffelproduzenten und LANDI-Geschäftsführer folgten am 2. März der Einladung der Fenaco. Mit dem Motto «Kein Jahr wie das andere» begrüss-te Dominic Möckli, Leiter der Fenaco Region Ostschweiz, die Anwesenden und betonte gleich in seiner Einleitung, dass die Fenaco alles daran setzen werde, die Versprechungen gegenüber den Frigemo-Lieferanten einzuhalten. Er sehe dies, so Möckli, als eine Verpflichtung an, zumal die Fenaco nebst dem Kartoffelgeschäft noch in zahlreichen anderen Wechselbeziehungen zu den Produzenten stehe.

Heute reagieren, um morgen zu bestehen

Willy Gehriger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fenaco, demonstrierte einerseits, welche Entwicklung und Restrukturierung die Unternehmensgruppe in den vergangenen zehn Jahren durchgemacht hat, andererseits, mit welcher Strategie die Gruppe den Herausforderungen der nächsten Jahre begegnen möchte. Mehrfach erwähnte er in seinen Ausführungen, dass von Bundesseite her bis im Jahr 2015 der Agrarfreihandel mit der EU angestrebt werde und die Marktstützung schon vorher abgeschafft werde. Auf diese Vorgaben müsse bereits heute mit entsprechender Planung reagiert werden. Die Schliessung der Verarbeitung in Weinfelden ist eine der Massnahmen in diesem Zusammenhang.
Insbesondere Gehrigers Zahlenbeispiele zum Welthandel vermochten bei manchem Erstaunen auszulösen: Nur ein Zehntel der Ernten werde auf dem globalen Markt gehandelt, der Löwenanteil im Produktionsland konsumiert. «Die kleine Schweiz ist als Agrarimportland auf neunter Stelle», erklärte Gehriger, «damit sind die Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf die grössten Nettoimporteure der Welt, und dies trotz hohem Zollschutz!». So zeigte er, dass die Schweizer Landwirtschaft auch in Zukunft Chancen hat und ihr Stellenwert womöglich noch ansteigen wird, wenn man bedenkt, dass grosse Exportnationen immer mehr Fläche für die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen statt Nahrungsmitteln nutzen.

Produzenten beschwichtigt

Welche Auswirkungen hat die Schliessung des Frigemo-Produktionsbetriebes Weinfelden auf die Kartoffelproduzenten? Mit Spannung wurde die Antwort von Fritz Stucki, Leiter Geschäftsbereich Kartoffeln, auf diese Frage erwartet. Die Verarbeitung in Weinfelden werde geschlossen, obwohl der Betrieb rentabel gewirtschaftet hat. Für die übrigen Anlagen, insbesondere die Lagerräume, werde ein Nutzungskonzept ausgearbeitet. «Im Herbst 2006 ändert sich für die Produzenten nichts», betonte Stucki, «die Fenaco ist dringend auf das Lager in Weinfelden angewiesen.» Die Absprachen und Anbauverträge für die Ernte 2006 behalten ihre Gültigkeit, die Lagerstandorte bleiben die gleichen wie im Vorjahr, die Übernahmen ab Feld werden analog der Ernte 2005 ablaufen und die Loseannahme in Weinfelden bleibt in Betrieb. Wie die Situation in den Folgejahren aussehe, darüber konnte Stucki noch keine Angaben machen. Es bestehe nun die Chance, zusammen mit der Bischofszell Nahrungsmittel AG (Bina) eine optimale Lösung zu finden, um die Transportkosten zu den jeweiligen Verarbeitungsstandorten zu minimieren, zumindest für gewisse, austauschbare Sorten.
Zum Ende der Themenreihe äusserte sich Max Wellauer in seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Landi am Iselisberg, mit einem Umsatz von rund 16 Mio. Franken zu den mittelgrossen zählend, zur Bedeutung der Landi in der Kartoffelbeschaffung. Er beschrieb den Kartoffelhandel als eine Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen beruhe. «Die Landi übernimmt die Funktion des Bindeglieds zwischen dem Produzenten und dem Verarbeiter», erklärte Wellauer und beschrieb die zahlreichen Aufgaben der Landi gegenüber dem Produzenten.

Andreas Rohner