Ausgabe Nummer 29 (2008)
Feuerbrand 2008 im Kanton Thurgau
Zwischenbericht des BBZ Arenenberg (Stand: 4. Juli 2008)
Ausgangslage und InfektionsbedingungenDer Pflanzenschutzdienst hat bereits im Winter 2007/08 darauf aufmerksam gemacht, dass der Feuerbranddruck trotz der aktiven Bekämpfungsmassnahmen im Jahr 2007 auch im Jahr 2008 sehr hoch sein wird. Dies hat sich im Verlaufe der letzten Monate eindeutig bestätigt. Die Infektionsbedingungen waren sehr günstig, was sich anhand des Befalles im ganzen Kanton an Hoch- und Niederstämmen bemerkbar macht. Besonders betroffen sind die höheren und späteren Lagen des Hinterthurgaus sowie der obere Thurgau mit den Gemeinden Roggwil und Egnach. Auffallend ist auch, dass besonders spät blühende Sorten befallen sind. Bei Hochstämmen sind dieses Jahr Gebiete betroffen, welche bisher eher wenig Feuerbrand hatten. Örtlich gibt es Bäume, bei welchen praktisch 100 Prozent der Blüten Befall aufweisen. Die Bedingungen für den Aufbau der Bakterienpopulation waren offenbar so optimal, dass vom 20. Mai bis am 11. Juni ununterbrochen Exudat ausgeschieden wurde. Erst mit dem ersten Regen und markant kühleren Nächten ging die Schleimproduktion zurück.
Weniger Befall in Obstanlagen dank Streptomycin
Streptomycin wurde den Obstbauern mit Berechtigungsschein an drei Terminen am 7./8., 9./10. und 12./13. Mai freigegeben. Junganlagen durften bis am 17. Mai selektiv behandelt werden. Es zeigt sich, dass die Applikationen absolut nötig waren. In vielen Anlagen treten nur einzelne Infektionen auf. Bei späterblühenden Sorten Gala, Elstar (Maigold und Rubinette) sowie in Junganlagen, welche normalerweise etwas später blühen, tritt Feuerbrand leicht auf. Dies besonders dort, wo auf die dritte Streptomycinbehandlung verzichtet wurde. Unterschiede im Befall sind besonders in nicht behandelten Randpartien, in Parzellen ohne Streptomycin sowie in Betrieben, welche auf alternative Produkte gesetzt haben, sehr deutlich. Besonders betroffen sind dieses Jahr die Biobetriebe. Dies, obwohl teilweise alternative Produkte Blossom Protect und / oder Serenade/ Mycosin sehr intensiv eingesetzt wurden. Bisher wurden rund sechs Hektaren Obstanlagen zur Rodung abgeschätzt, bei einigen Parzellen steht der Entscheid noch aus. Die Rodungen betreffen mit einer Ausnahme Anlagen, welche nicht mit Streptomycin behandelt wurden.
Probleme für die Baumschulen
Der Thurgau beherbergt die grösste Zahl Baumschulen aller Kantone. Diese durften ihre Kulturen nicht mit Streptomycin schützen. Feuerbrandbefall tritt in sehr vielen Baumschulen auf und verursacht dort sehr grosse Schäden. Künftig dürfte es für diese Produktionsrichtung sehr schwierig sein, in der Ostschweiz überhaupt noch Obst produzieren zu können. Eine Abwanderung der Betriebe in andere Gebiete bedeutet für den Obstkanton aber einen sehr grossen Verlust an Knowhow.
Befall im Feldobstbau
Die Kontrolle der Hochstamm-Feldobstbäume, welche durch nebenamtliche Kontrolleure des Kantons durchgeführt werden, ist am 17. Juni angelaufen. Ein grosser Teil der Bäume hat aufgrund des hohen Ertrages im Jahr 2007 heuer nicht geblüht. Diese Bäume stehen meistens schön da, auch wenn im letzten Jahr Befall vorhanden war und Rückschnitt erfolgte. Teilweise hat der Rückschnitt jedoch nicht funktioniert, was sich in abgestorbenen Astpartien zeigt. Besonders spät blühende Sorten sind erneut stark vom Feuerbrand betroffen. In späteren und höheren Lagen (Hinter-, Oberthurgau) ist die Intensität der Infektionen teilweise extrem hoch. Örtlich gibt es auch in anderen Regionen starken Befall. Die Kontrolleure sind stark gefordert, da auch Monilia und Mehltau sehr stark auftritt. Die Hauptobstgebiete am See sind weniger befallen als im 2007. Der hohe Befallsdruck muss durch möglichst rasche Sanierung (Rückschnitt/Rodung) der Bäume reduziert werden. Ansonsten wird die Situation überall dort, wo im Befallsgebiet ein Hagelschlag zu verzeichnen ist, noch schlimmer.
Kontrollen im Siedlungsgebiet angelaufen
Dem Vegetationsstand entsprechend werden ab jetzt bis Ende September in allen Gemeinden im Siedlungsgebiet die Feuerbrandkontrollen stattfinden. Alle Hausgärten werden systematisch nach verdächtigen Feuerbrand-Wirtspflanzen abgesucht. Bereits jetzt ist klar, dass insbesondere die später blühenden Cotoneaster und Weissdornbüsche örtlich stärkeren Befall aufweisen. Die nächsten zwei Monate werden zeigen, wie hoch der Befallsdruck dieses Jahr im Siedlungsgebiet sein wird.
BBZ Arenenberg, Pflanzenschutzdienst, Urs Müller
