Ausgabe Nummer 25 (2005)

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Feuerbrand wütet in der Ostschweiz

Aktueller Pflanzenschutz

Feuerbrand wütet in der Ostschweiz

Auf Gossauer Gemeindegebiet zum Beispiel sind bereits 328 Hochstämmer und 1900 Niederstämmer vom Feuerbrand befallen. «Den Grossraum Gossau hat es schlimm erwischt», sagt Richard Hollenstein von der Fachstelle für Obst- und Pflanzenbau, Flawil.

 

Traurige Arbeit, zum Beispiel auf dem Hof von Yvonne und Josef Schefer in Gossau. (Bild: Martin Brunner)

U-förmig abgebogene Triebspitze eines Apfelbaumes mit Schleimtröpfchen (Bildmitte). (LBBZ)

Vor allem Betriebe im nördlichen Teil von Gossau Richtung Andwil und Arnegg haben mit dem Feuerbrand zu kämpfen. Dies veranlasste Christian Knellwolf, Landwirtschaftsbeauftragter der Gemeinde Gossau, und die Kontrolleure, die betroffenen Landwirte zusammenzutrommeln, sie über die Feuerbrand-Bekämpfungsstrategie zu informieren. Gut 30 Landwirte trafen sich auf dem Hof von Toni Allenspach in Albertschwil. Der Gossauer Stadtrat Christian Manser verkündet trotz unerfreulicher Situation eine gute Nachricht: Der Stadtrat habe einen zusätzlichen Beitrag von 10 000 Franken bewilligt, damit die Rodungen, unterstützt von Forstwarten, zügig vorgenommen werden könnten.

Fast flächendeckend

Der Feuerbrand wütet weiter, stellt Richard Hollenstein fest. «Von Altstätten bis nach Wil, fast flächendeckend», erklärt er. Einzelne Gemeinden seien bis jetzt verschont geblieben. Ein intensiver Herd sei in Berneck festgestellt worden, schlimm erwischt habe es auch Mörschwil und eben den Grossraum Gossau. «Im Kanton St. Gallen sind in Berneck und Gossau Vernichtungen von Sortenblöcken (Gala, Jonagold, Golden Delicious, Boskop) erforderlich», schreibt die Forschungsanstalt Wädenswil. Die extrem hohen Temperaturen vom 30. April bis 3. Mai seien verantwortlich: Es sei eine Periode mit hoher Blüteninfektion gewesen. «Wir müssen das Infektionspotenzial senken, sonst haben wir nie Ruhe und müssen uns irgendwann vom Obstbau verabschieden», mahnt Hollenstein. Christian Manser beschönigt die Situation nicht, sagt aber, dass die Landwirte nicht vor einer unlösbaren Aufgabe stünden. Die Kontrolleure, auf dem Gossauer Gemeindegebiet sind dies Albert Forster und Ernst Ziegler, schauten sich bereits Dutzende von Bäumen an und werden auch weitere auf Feuerbrand überprüfen. Übrigens: Feuerbrand ist meldepflichtig. Bestehen Anzeichen auf Feuerbrand, wird der entsprechende Baum überwacht, ist er befallen, bekommt er ein rotes Kreuz: Er muss gefällt werden. Hollenstein warnt davor, die befallenen Bäume nur zurückzuschneiden: «Das Feuerbrandbakterium ist prekär. Die Bäume müssen gefällt werden.» Gleicher Meinung ist Christian Knellwolf: «Die rigorose Rodung im Niederdorf im Jahr 2000 hat sich bezahlt gemacht», erklärt er. «Das Niederdorf hat dieses Jahr weit gehend Ruhe vor dem Feuerbrand.»

Ganze Anlagen roden

328 Hochstämmer waren bei der Stadt Gossau krank gemeldet. 1900 Niederstämmer in vier Gossauer Obstanlagen sind befallen. Auch in Niederbüren wütet der Feuerbrand: 1200 Niederstämmer sind betroffen. Mehr kranke Niederstämmer gibt es im Kanton nur noch in Berneck: 6870. Trotz prekärer Feuerbrandsituation in Gossau sei erfreulich, dass die Landwirte gewillt seien, ihre befallenen Bäume zu fällen, sagt Knellwolf. Erfreulich sei auch, dass sich die Landwirte untereinander solidarisch verhielten und einander hülfen.

(pd/mab)

Feuerbrandkontrollen jetzt wichtig!

Befallssituation im Kanton Thurgau

Bisher Befall in sieben Gemeinden bestätigt: Bischofszell, Egnach, Erlen, Hauptwil-Gottshaus, Roggwil, Sulgen und Thundorf. Aktuell wurde in 15 Obstanlagen, an 4 Birnenhochstämmen, an einer Quitte und an einem Weissdorn Feuerbrand entdeckt. Das Ausmass des Befalls in den Obstanlagen ist gegenüber dem Vorjahr erhöht. Bis jetzt sind jeweils nur einzelne Bäume pro Anlage betroffen. Oft tritt Befall dort auf, wo in den Vorjahren einmal Feuerbrand festgestellt wurde. Um frühzeitig Neubefall zu entdecken und die weitere Ausbreitung zu verhindern, ist es wichtig, gerade auch die Umgebung von alten Befallsstellen zu überwachen. Seit dem 20. Juni führen speziell ausgebildete Fachleute des Kantons die Kontrollen der Hochstämme sowie der Hecken und Waldränder durch. Es ist aber sehr wichtig, dass auch die Hochstammbesitzer selber ihre Bäume kontrollieren. Ebenso läuft die Kontrolle der Hausgärten an. Auch hier sind die Gartenbesitzer aufgefordert, die Wirtspflanzen zu überwachen.

Verdacht auf Feuerbrand melden
Jede Person und jeder Landwirt, dieVerdacht auf Feuerbrand an Pflanzen feststellt, sind zur Meldung bei der Gemeindeverwaltung oder der von der Gemeinde bezeichneten Kontaktstelle für Feuerbrand verpflichtet. Diese werden die nötigen Massnahmen einleiten. Wegen der Verschleppungsgefahr der Feuerbrandbakterien dürfen verdächtige Pflanzen nicht berührt werden. Für ein Eindämmen der Krankheit ist frühzeitiges Erkennen sowie eine rasche und fachgerechte Entfernung und Beseitigung der befallenen Pflanzen entscheidend.

Hermann Brenner, Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie, Landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg/kb