Ausgabe Nummer 10 (2008)
Feuerbrandbekämpfung im Jahr 2008
Bewilligten Produkte und ihre Anwendung
Das Bundesamt für Landwirtschaft hat für das Jahr 2008 nebst dem Wirkstoff Streptomycinsulfat auch ein alternatives Präparat auf Hefebasis für die Feuerbrandbekämpfung zugelassen.Das BBZ Arenenberg empfiehlt allen Baumbewirtschaftern, im Jahr 2008 gegen den Feuerbrand etwas zu unternehmen. Die Einsatzstrategie hängt stark von den Baumbeständen und den Möglichkeiten des Einzelbetriebes ab.
Bewilligte Produkte für das Jahr 2008 Folgende Produkte sind offiziell zur Feuerbrandbekämpfung mit Teilwirkungen zugelassen:
- Strepto, Ag Streptomycin (Antibiotika, Anwendung nur mit amtlichem Bewilligungsschein)
- Blossom Protect (Hefepräparat)
- Serenade (Bacillus subtillis)
- Mycosin (Tonerde)
- Kupfer (nach Empfehlung des Pflanzenschutzdienstes)
- Regalis (nur für die Bekämpfung von Triebinfektionen zugelassen)
Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Wirkungsgrade aller Mittel beträchtlich variieren können. Wir verzichten deshalb bewusst auf solche Angaben. Werden die Empfehlungen des Pflanzenschutzdienstes befolgt, sind aber bei allen Produkten (Kupfer und Regalis ausgenommen, da Einsatz nicht über die Blüte erfolgt) Wirkungsgrade von 50 und mehr Prozent zu erwarten.
Andere, nicht aufgeführte Produkte erreichen diesen Wirkungsgrad nicht, sind instabil oder in der Handhabung zu umständlich und der Einsatz ist verboten. Ein Prüfmittel, welches im Jahr 2007 auf Anhieb einen hohen Wirkungsgrad erzielte, wird in diesem Jahr durch ACW erneut geprüft. Wir weisen darauf hin, dass ausser Streptomycin die Ausbringung jeglicher Mittel aufgrund der langsameren Wirkungsweise an einem Infektionstag ausgesetzt werden soll.
1. Streptomycin nur in Obstanlagen bewilligt
Streptomycinsulfat hat sehr hohe Anwendungsauflagen und darf nur mit einem amtlichen Berechtigungsschein in geschlossenen Obstkulturen ab 20 Aren eingesetzt werden. Obstbauern, welche diesen Wirkstoff einsetzen können, erhalten in diesen Tagen einen genehmigten Berechtigungsschein und können dann die bewilligte Menge direkt bei den Firmen Leu + Gygax und Schneiter unter Zusendung des originalen Berechtigungsscheines beziehen. Ein Bezug in der Landi oder sonst irgendwo ist nicht möglich. Einsatzeinschränkungen und Anwendungsvorschriften sind den Produzenten mit dem Berechtigungsschein in einem separaten Merkblatt sowie der Allgemeinverfügung des Bundes zugestellt worden.
2. Hefepräparat Blossom Protect
Die Wirkungsweise dieses Produktes basiert auf verschiedenen Säulen. Die Hefen vermehren sich nach der Ausbringung auf der Narbe und dem Blütenboden, genau dort, wo sich das Feuerbrandbakterium auch ansiedeln würde. Die Hefen sind also ein direkter Konkurrent, zudem wird der pH-Wert abgesenkt, was die Feuerbrandbakterien hemmt. Der optimale pH-Wert für die Entwicklung des Feuerbrandbakteriums liegt bei 6 bis 8, jener für die Hefepilze bei 6,5 bis 3. Eine Ansäuerung der Spritzbrühe ist aber nicht nötig, da bereits ein Puffer zur pH-Absenkung beigefügt ist. Nebst der pH-Absenkung muss aber noch ein weiterer, weit effizienter Wirkungsmechanismus durch die Pilze selber vorliegen. Nahrungskonkurrenz wird als Grund ausgeschlossen.
Hefen können an empfindlichen Sorten (Golden, Fuji, Pinova, Elstar und anderen) Berostungen an den Früchten verursachen. Der Einsatz in Obstanlagen ist deshalb eingeschränkt. Je häufiger die Hefen eingesetzt werden, desto stärker zeigen sich später Fruchtberostungen. Hefen sind Pilze, welche durch diverse Fungizide beeinflusst werden. Mischbar ist Blossom Protect nur mit folgenden Fungiziden: Scala, Vision und Frupica. Netzschwefel und Tonerde können bis maximal vier Stunden vor sowie frühestens ein Tag nach dem Einsatz von Blossom Protect eingesetzt werden. Bei allen anderen Fungiziden braucht es längere Wartefristen, nämlich einen Tag vor und zwei Tage nach dem Einsatz von Blossom Protect. Der Einsatz dieses Präparates ergibt den besten Wirkungsgrad, wenn bereits zwei Tage vor möglichen Infektionsbedingungen erstmals behandelt wird. Bei anhaltend günstigen Infektionsbedingungen für den Feuerbrand sind alle neu aufgehenden Blüten fortlaufend zu schützen. Dies ergibt zwei bis vier Behandlungen über die Blüte. Blossom Protect wird durch die Firma Andermatt Biocontrol in Grossdietwil vertrieben. Bestellungen sollten sofort erfolgen, damit die Auslieferung termingerecht erfolgen kann.
Anwendungsempfehlung für Blossom Protect:
Einsatz nach Warndienst des BBZ Arenenberg in Bioparzellen (eventuell im Wechsel mit Mycosin) sowie in allen Parzellen, welche wegen Abstandsauflagen (Oberflächengewässer, bewohnte Gebäude) oder des Bienenschutzes kein Streptomycin einsetzen dürfen oder wollen. Wir empfehlen dieses Produkt aber auch denjenigen Landwirten, welche ihre Hochstämme gegen Feuerbrand schützen wollen. Wir weisen aber darauf hin, dass der Einsatz nur dann sinnvoll ist, wenn gemäss diesen Empfehlungen gespritzt wird, nur eine Behandlung reicht nicht aus. Angesetzte Spritzbrühe innerhalb von vier Stunden ausbringen, Spritzmittelreste in der Anlage verteilen, die Hefen könnten sonst die Düsen verstopfen.
Geschlossene Obstanlagen: 10,5 kg Komponente A (zuerst ins Wasser geben) und 1,5 kg Komponente B auf 1600 l Wasser/ Hektare bei einem Baumvolumen von 10000 m3. Maximal vierfach konzentrieren, doppelte Konzentration mit 800 l/ha wäre ideal.
Hochstämme: 1,05 Prozent Komponente A und 0,15 Prozent Komponente B auf 1000 l Wasser,Ausbringung wenn möglich mit dem Gun.
3. Bakterienpräparat Serenade
Dieses Mittel enthält einen Stamm des Bakteriums Baccillus subtilis. Diese werden als Sporen ausgebracht, müssen sich dann vermehren und wirken als direkter Konkurrent der Feuerbrandbakterien. Zudem schädigen von den Sporen produzierte Stoffe die Zellmembran der Feuerbrandbakterien und teilweise auch von Pilzen. Die Wirkung und damit der Einsatz sind rein vorbeugend. Die Wirkungsdauer ist witterungsabhängig, jedoch nicht temperaturabhängig, auch bei kühlen Temperaturen erfolgt eine Weiterentwicklung der Sporen.
Anwendungsempfehlung für Serenade:
Durch die rein vorbeugende Wirkung kann eher nach Schema vorgegangen werden. Erste Behandlung nach Warndienst oder bei 10 Prozent offenen Blüten, zweite und folgende Behandlungen je nach der Geschwindigkeit der sich öffnenden Blüten spätestens aber zwei bis vier Tage nach der ersten Applikation. Auch hier erhöht sich der Wirkungsgrad mit der Intensität der Behandlungen während der Blüte. Serenade scheint mit gängigen Fungiziden mischbar zu sein. Empfehlungen des Anbieters unbedingt beachten. Schwefel und Tonerdepräparate sollten während der Blüte nicht eingesetzt werden, wenn Serenade eingesetzt wird. Der Einsatz dieses Produktes hat nur dann einen Sinn, wenn am Behandlungstag mit mindestens 15 Grad C gerechnet werden kann. Wird diese Temperatur nicht erreicht, nicht behandeln. Fallen Niederschläge zwei bis drei Stunden nach der Applikation, ist keine Wirkungsverminderung zu erwarten. Ansonsten Behandlung wiederholen. Die Wirkungsdauer ist witterungsabhängig, dauert aber vier bis fünf Tage.
Geschlossene Obstanlagen: 10 kg Serenade (0,625 Prozent) bei 1600 l Wasser und 10000 m3 Baumvolumen pro Hektare. Die optimale Wassermenge beträgt auch hier 500 bis 800 l/Hektare. Hochstämme: Für Hochstämme ist mit einer Brühmenge von 20 bis 30 l pro Baum zu rechnen. Mit Serenade 0,625 Prozent ergeben sich 625 g auf 100 l Wasser.
4. Mycosin
Dieses Tonerdepräparat wurde bisher hauptsächlich im Bioanbau für die Schorfbekämpfung und teilweise in Birnenanlagen für die Verminderung des Birnblütenbrandes eingesetzt. Es gilt allgemein als Pflanzenstärkungsmittel, in Bezug auf den Feuerbrand spielt aber das saure Milieu (1 Prozent wässerige Suspension pH zirka 3,8) eine wichtige Rolle. Von den aufgeführten, bewilligten Mitteln ist in den Versuchen der Wirkungsgrad am geringsten. Allerdings wurde die Intensität der Behandlungen oft nicht intensiv genug durchgeführt. Mycosin kann bei nicht optimaler Vorbereitung der Brühe zu Düsenverstopfungen führen. Das Mittel ist deshalb eine halbe Stunde vor dem Gebrauch mit warmem Wasser aufzulösen und erst dann bei laufendem Rührwerk der Spritzbrühe beizumischen. Spritzbrühe wegen Sedimentationsgefahr nicht stehen lassen. Die Einsatzhäufigkeit entspricht der Strategie von Serenade und Biopro. Der erste Einsatz sollte jedoch bereits zwischen dem Ballonstadium und dem Blühbeginn erfolgen. Alle vier bis fünf Tage ist eine erneute Behandlung nötig, bis alle Blüten offen und geschützt sind. Nach 20 mm Niederschlag erneut behandeln. Mycosin kann mit Netzschwefel Stulln gemischt werden, Mischungen mit anderen Fungiziden können Berostungen verursachen. Mycosin ist kein Bienengift, kann aber die Tracheen der Bienen verstopfen. Die Anwendung sollte deshalb morgens vor 9 Uhr sowie abends nach 19 Uhr (Sommerzeit) erfolgen. Wir empfehlen Mycosin vor allem als Zusatzbekämpfung, zum Beispiel, wenn im Bioobstbau im Wechsel mit Blossom Protect auch Pilzkrankheiten bekämpft werden müssen. Es ist aber auch im Hochstammobstbau eine Alternative.
Geschlossene Obstanlagen: 0,5 Prozent (8 bis 10 kg) auf 1600 l/Hektare und 10 000 m3 Baumvolumen. Maximale Konzentration zweifach (800 l/Hektare).
Hochstämme: Pro Baum wird mit 20 bis 30 l Brühmenge gerechnet, Anwendungskonzentration 0,5 Prozent (500 g/100 l Wasser).
5. Einsatz von Kupfer gegen Feuerbrand
Es gibt zwei mögliche Einsatztermine: Erster Termin sofort bei Austrieb in Anlagen mit starkem Befall im Vorjahr. Dieser Einsatz richtet sich hauptsächlich gegen die Canceraktivität. Eine zweite Möglichkeit ist eine Behandlung direkt nach Hagel als Wundbehandlung. Die empfohlenen Kupfermengen liegen über den bewilligten Labelmengen (IP, Swissgap), Behandlungen müssen deshalb klar begründet sein und ausdrücklich als Feuerbrandbekämpfung deklariert werden. Generelle Bewilligung durch kantonale Pflanzenschutzstelle für den ganzen Kanton Thurgau im Jahr 2008. Es braucht keine Sonderbewilligung.
Austriebsbehandlung in geschlossenen Obstanlagen: Kupfer 50, 0,3 Prozent (4,8 kg/Hektare) mit maximal vierfacher Konzentration (400 bis 800 l Wasser pro Hektare).
Kupfer nach Hagelschlag: nur mit Sonderbewilligung der Fachstellen Pflanzenschutz und Obstbau des BBZ Arenenberg.
Hochstämme: Austriebsbehandlung analog den Empfehlungen für Niederstammanlagen
6. Einsatz von Regalis
Der Wachstumsregulator Regalis wurde neu gegen Triebinfektionen des Feuerbrandes bewilligt. Regalis ist kein Pflanzenschutzmittel, eher ein Stimulator bestehender Resistenzmechanismen in der Pflanze. Ein zweiter Wirkungsmechanismus ist die Reduktion von wachstumsaktiven Gibberelinen. Damit wird das Wachstum gestaucht und der Triebabschluss gefördert. Der Einsatz von Regalis muss früh erfolgen, der Aufbau der Abwehrmechanismen braucht 5 bis 14 Tage. Der Einsatzzeitpunkt ist dann gegeben, wenn die neuen Triebe drei bis fünf vollentwickelte, neue Blätter aufweisen, dies entspricht einer Trieblänge von 3 bis 5 cm. Spätester Einsatz bei 10 cm Trieblänge. Eine allfällige zweite Behandlung ist nach drei bis fünf Wochen respektive bei bemerkbarer Wirkungsverminderung angezeigt. Der Einsatz ist am wirkungsvollsten mit hoher Wassermenge von 1000 l/Hektare und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Die Blätter sollten möglichst lange feucht bleiben, damit der Wirkstoff gut aufgenommen werden kann. Eine Antrocknungsdauer von acht Stunden sollte gegeben sein. Regalis kann den Fruchtansatz fördern. Es ist mischbar mit Fungiziden und Insektiziden, nicht jedoch mit Calcium-Blattdüngern. Es gelten die Empfehlungen der Firma Stähler.
Obstanlagen: Regalis nur bei Bäumen mit starkem Triebwachstum und Feuerbrandgefährdung einsetzen. Ein genereller, flächendeckender Einsatz macht keinen Sinn, die Wirkung zum Beispiel bei Jungbäumen ist relativ gering. Bei 10000 m3 Baumvolumen und 1600 l Wasser pro Hektare 2,5 kg/Hektare (0,16 Prozent) für eine einmalige Behandlung einsetzen. Wird auf zwei Behandlungen im Abstand von drei bis fünf Wochen gesplittet, zweimal 0,5 bis maximal 1,5 kg/Hektare verwenden, je nach Triebwachstum. Bei sehr hartem Wasser 1 bis 2 kg Ammoniumsulfat auf 1000 l Wasser zur pH-Reduktion der Brühe auf 4,0 bis 5,5 zufügen. Regalis kann gegen Feuerbrand auch eine Alternative nach Hagelschlag sein, wir werden zu gegebener Zeit über diese Möglichkeit orientieren.
BBZ Arenenberg, Urs Müller

