Ausgabe Nummer 50 (2006)
Feuerbrandsituation 2006 – ein Rückblick
Wieder weniger Feuerbrand
Die Feuerbrandkontrollen in den Gemeinden sind abgeschlossen. Die meldepflichtige Bakterienkrankheit ist in diesem Jahr weniger stark aufgetreten als im 2005. Die Krankheit wurde in 39 Gemeinden vorwiegend auf Obst und Weissdorn entdeckt. Die Zahl der befallenen Pflanzen ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Nach wie vor ist der südliche und östliche Teil des Kantons stärker betroffen als das Thurtal und der Unterthurgau.Birnen und Weissdorn am meisten befallen
Gesamthaft sind weniger Pflanzen erkrankt als im Vorjahr. Grossflächiger Befall ist nicht aufgetreten. Bei den Hochstämmen wurden total 78 (Vorjahr 112) Birnbäume, 21 (26) Apfelbäume und 7 (14) Quittenbäume gerodet. In nur 9 (40) Obstanlagen mussten total 435 Bäume gerodet werden. Bei den Zierpflanzen mussten insgesamt 2054 m2 (2954 m2) Cotoneaster-Bodendecker und 123 (80) Weissdornsträucher gerodet werden. Von den 80 Gemeinden im Kanton wiesen 39 (55) Befall auf. Die geographische Verteilung der Krankheit blieb stabil. Neue Befallsgebiete sind nicht dazugekommen. Auch in Gemeinden, die bisher starken Befall hatten, musste weniger gerodet werden. Nach wie vor ist der Befallsdruck östlich der Linie Kreuzlingen-Aadorf stärker. Der Unterthurgau und das Thurtal waren wiederum wenig von der Krankheit betroffen.
Ungünstige Infektionsbedingungen für Kernobst
Regionale Unterschiede in der Witterung können zu grossen Unterschieden bei den Infektionsbedingungen führen. Mit Sonnenschein erreichen die Temperaturen rasch die notwendigen Werte für Infektionen, mit bedecktem Himmel und tieferen Temperaturen ist das Risiko geringer. Vor allem auch Niederschläge und Taubildung können lokal unterschiedlich sein. Die Anzahl Infektionstage schwankte je nach Standort zwischen 0 und 5 Tagen für die Kernobstblüte im Mai. Die Infektionstage traten mehrheitlich erst ab Mitte Blüte auf. Dadurch entstanden wenige Blüteninfektionen. Dafür wurde vermehrt letztjähriger Altbefall an Birnen gefunden. Grund dafür sind Spätinfektionen, die im letzten Herbst keine deutlichen Symptome mehr ausprägten und erst im Laufe dieses Frühjahrs als Feuerbrand erkannt werden konnten. Der Mai war kühl und nass. Dadurch konnte sich die Krankheitsepidemie nur schwach aufbauen. Hagel, der das Risiko von Triebinfektionen erhöht, trat wenig und nur lokal auf. Im Juli bremste die heisse Witterung die Krankheitsausbreitung zusätzlich. Wo Befälle auftraten, blieben diese lokal auf eine oder wenige Pflanzen beschränkt. Eine eigentliche Ausdehnung der Feuerbrandherde wie in anderen Jahren fand nicht statt. 18 Gemeinden mit Feuerbrand im Jahr 2005 blieben dieses Jahr befallsfrei.
Mitwirkung der Gemeinden sehr wichtig
Der Befallsrückgang ist nicht nur der für den Feuerbrand ungünstigen Witterung in diesem Jahr zuzuschreiben. Die Erfahrungen zeigen deutlich, dass sich eine konsequente Bekämpfung des Feuerbrandes durch vollständiges Entfernen und Vernichten der befallenen Pflanzen lohnt. Ein solches Vorgehen ist nur möglich, wenn gut kontrolliert wird und bei Auftreten der Krankheit schnell und wirksam eingegriffen wird. Die Feuerbrandkontrolleurinnen und -kontrolleure der Gemeinden haben dieses Jahr insgesamt 478 Pflanzenproben zur Untersuchung ins Labor eingesandt. 28 Prozent der Proben waren positiv. Die Organisation der Überwachung und Bekämpfung auf Gemeindeebene ist von grossem Vorteil. In den Gemeinden können Probleme direkt vor Ort und von Personen mit entsprechenden Orts- und Fachkenntnissen gelöst werden.
Landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (LBBZ), Leiter Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie, Hermann Brenner

"Bögeln" von Triebspitzen und Schwarzverfärbung der Blätter vom Blattstiel her sind typische Feuerbrandsymptome. (hb)
