Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Flachpflügen hat manchen Vorteil

Ausgabe Nummer 35 (2017)

Das BBZ Arenenberg nutzte die Europameisterschaft im Pflügen bei Diessenhofen synergetisch: Unter der Leitung von Bernhard Müller wurde am Rand des Wettkampfgeländes an Live-Demonstrationen über das Flachpflügen informiert. Vier Pflüge kamen mit dieser Technik zum Einsatz, zwei wurden zum Vergleich konventionell eingesetzt.

«Flachpflügen hilft den Bodenlebewesen», zeigte Viktor Dubsky, Ackerbauberater des BBZ Arenenberg, den zahlreichen Interessierten auf. «Beim konventionellen Pflügen mit einer Arbeitstiefe von 20 Zentimetern werden sie in eine Tiefe untergepflügt, in der sie nicht überleben können. Das Flachpflügen beschränkt sich auf die obersten zehn Zentimeter, in der sich humusbildende Kleinlebewesen wohlfühlen. Man braucht zudem weniger Treibstoff und der Bodendruck ist geringer, da mit leichteren Traktoren gefahren werden kann. Allerdings verlangt diese Technik mehr Genauigkeit beim Unterpflügen.»
Neben Dubsky gab auch Daniel Fröhlich, Berater für biologischen Landbau am BBZ Arenenberg, Interessierten Auskunft.

Es hat auf Anhieb geklappt
Zwei der Testfahrer hatten Erfahrung und angepasste Maschinen mitgebracht, zwei sich ohne Vorkenntnisse mit konventionellen Pflügen für die flache Bodenbearbeitung zur Verfügung gestellt. Einer der letzteren war Alfred Rüedi, Verkaufsverantwortlicher im Kanton Schaffhausen für die GVS Agrar AG. Er setzte Luxemburger-Pflugkörper und ein hinten montiertes Tastrad ein. Nach dem ersten Testlauf zeigte er sich zufrieden: «Ich habe den Pflug für die flache Bodenbearbeitung eingestellt und bin sehr schmal gefahren. Die Tiefe von zehn Zentimetern konnte ich problemlos halten.»

Flachpflügen baut Humus auf
Schon zwei Jahre Erfahrung im Flachpflügen besitzt Testfahrer Herbert Schär. Der Bio-Landwirt aus Hagenwil (TG) setzt seit 1997 aufs Grubbern. Doch vor zwei Jahren fing er trotzdem punktuell mit dem Fachpflügen an: Vor allem grasartige Unkräuter hatten stark zugenommen. Seinen 30-jährigen Schälpflug setzt er aber nur auf einer Arbeitstiefe von zehn Zentimetern ein. Grosse technische Anpassungen hat Schär nicht gemacht, aber vorn noch ein Stützrad montiert. «Dass der Pflug hinten und vorne abgestützt ist, scheint mir die optimale Lösung fürs Flachpflügen zu sein», ist sein Fazit. «Das Alter meines Pflugs hat keine Nachteile. Ich habe bei der Diskussion mit Kollegen festgestellt, dass neue Pflüge mit noch scharfem Werkzeug nicht so flach fahren können. Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Vorschäler richtig eingestellt ist und sich keine Steine verklemmen können.» Flachpflügen eigne sich für alle Böden, ist Schär überzeugt. Gerade bei mittelschweren und schweren Böden lasse sich damit die Humusschicht sogar aufbauen.

Die Folgekultur ist weniger relevant
Schär richtet sich beim Pflügen meist nicht nach der Kultur, die er danach anbauen will, sondern nach dem Unkrautdruck, dem Zustand des Bodens und dem Wetter. Während er im Sommer grubbert, weil sonst der nur oberflächlich gewendete Boden schnell austrocknen würde, nutzt er das Flachpflügen etwa im Herbst, um nach der Bodenbearbeitung schnell säen zu können. An steilen Hängen kann er zudem Erdmaterial wieder nach oben verschieben – beim Grubbern rollt es eher abwärts. Entsteht trotz der oberflächlichen Arbeitsweise eine Pflugsohle, lässt sich diese problemlos mit einem Grubber aufbrechen.

Gute Leistung und weniger
Diesel Schär schafft bei guten Verhältnissen pro Stunde eine Hektare, dies bei einer Arbeitsbreite von 1,5 m und einer Fahrgeschwindigkeit von 9 km/h, die Wendemanöver nicht mitgerechnet. Der Dieselverbrauch liegt dabei nur bei rund sechs Litern.


Sanna Bührer Winiger

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