Ausgabe Nummer 29 (2010)

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Flächen- und Sortenentwicklung in den Obstkulturen im Thurgau 2010

Die jährlich erfassten Flächen und deren Mutationen dienen der Beurteilung der Flächenentwicklung und der Betriebsstrukturen, sind aber auch für die Ernteschätzung und den Markt von grosser Bedeutung. Im vergangen Jahr haben wir eine ähnliche Übersicht mit dem Schwerpunkt der Betriebsstrukturen publiziert. Dieses Jahr haben wir den Schwerpunkt auf die Sortenentwicklung gelegt. Im Thurgau ist die Flächenerfassung für dieses Jahr abgeschlossen. Die gesamtschweizerischen Daten sind erst ab Ende November verfügbar. In den nachfolgenden Aufzeichnungen sind nur die Thurgauer Daten aufgelistet.

Mehr Obst im Thurgau

Die Obstflächen im Thurgau (alle Obstarten) haben gegenüber dem Vorjahr um acht Hektaren zugenommen. Eine grosse Zunahme weisen die Birnen und Kirschenkulturen auf. Die Zunahme bei den Kirschen beträgt mit sieben Hektaren 18 Prozent, und bei den Birnen mit sechs Hektaren 3 Prozent. Die Flächen der Apfelkulturen sind um drei Hektaren kleiner als im Vorjahr und die Flächen der Zwetschgen- und Aprikosenkulturen blieben unverändert.

Gala hat Golden über?ügelt

Bei der Aufteilung der Apfel?ächen nach Sorten ist ersichtlich, dass die Fläche von Gala dieses Jahr erstmals grösser ist als diejenige von Golden-Delicious und somit zur bedeutendsten Sorte im Thurgauer Apfelanbau geworden ist. Gala hat um 13 Hektaren zugenommen und Golden-Delicious um 12 Hektaren abgenommen. Weiterhin mag erstaunen, dass Jonagold nach einer längeren Talfahrt letztes Jahr und auch dieses Jahr an Fläche zugenommen hat. Zugenommen haben auch Braeburn um sechs Hektaren und die Clubsorten Diwa, Kiku 8, Kanzi, Rubens, Greenstar, Cameo und Mairac insgesamt um 13 Hektaren. Abgenommen haben die Anbau? ächen von Cox Orange, Gravensteiner, Boskoop, Maigold, Elstar und Idared.

 

Wenig Änderung bei den Birnen

Die Tafelbirnenflächen haben dieses Jahr um drei Hektaren zugenommen. Die Hauptsorten sind nach wie vor Kaiser Alexander mit 110 Hektaren und Conférence mit 53 Hektaren. Diese beiden Sorten haben zusammen einen Flächenanteil von 80 Prozent, während Kaiser Alexander um drei Hektaren und Conférence um eine Hektare zugenommen haben. Neu im Sortiment ist auch Abbé Fêtel.

 

Flächenentwicklung der einzelnen Sorten

 

Gala hat als Leadersorte die Fläche im Thurgau von 200 Hektaren überschritten und ist die Nummer 1 im Thurgauer Sortenspiegel. Golden-Delicious: War seit 1972 die Hauptsorte im Thurgau und hatte 1979 mit 315 Hektaren einen Flächenanteil von über 20 Prozent. Während rund 25 Jahren blieb dieser Anteil bestehen und seit 2005 ging er laufend zurück und hat heute mit 195 Hektaren noch einen Anteil von 15 Prozent.

 

Jonagold war im Jahre 1999 mit 241 Hektaren die zweitwichtigste Sorte. In der Folge wurden die Flächen massiv reduziert. 2008 betrug die Fläche noch 138 Hektaren. Seither haben die Flächen wieder leicht zugenommen.

 

Braeburn hat sich bei uns sehr rasch entwickelt. 1996 sind die ersten Kulturen entstanden und bereits fünf Jahre später waren es schon über 25 Hektaren. Die Zunahme hat sich in den letzten Jahren wieder etwas verringert.

 

Cox Orange war von 1975 bis 2000 im Anbau mit einer Fläche von 80 bis 100 Hektaren sehr konstant. Ab dem Jahr 2000 gingen die Flächen stetig zurück. Heute belegt Cox Orange noch den fünften Rang in der Thurgauer Sortimentsliste.

 

Gravensteiner, ebenfalls eine Sorte mit langer Tradition. In den Achtzigerjahren lag die Fläche noch deutlich über 100 Hektaren. 1979 betrug sie sogar 179 Hektaren. Während den Neunzigerjahren waren die Flächen mit rund 90 Hektaren sehr konstant und gingen dann ab 2001 stetig zurück.

 

Boskoop war über Jahre trotz Alternanz ein sicherer Wert mit konstanten Flächen. Heute gehört Boskoop auch zu den rückläufigen Sorten. Maigold: Die Flächen haben während den letzten 30 Jahren bis 2004 stetig zugenommen. Während den letzten vier Jahren war die Fläche stark rückläufig.

 

Elstar: Die Flächen nahmen in den Achtzigerjahren rasch und stark zu. Von 1992 bis 2000 waren die Flächen im Thurgau mit rund 90 Hektaren sehr konstant. Der Flächenrückgang begann ab 2001. Heute ist diese Sorte mit 43 Hektaren nicht mehr von grosser Bedeutung.

 

Idared, bis 1998 war der Anbau über mehr als 20 Jahre mit einer Fläche von 150 bis 180 Hektaren sehr konstant. Der Rückgang war bis 2005 sehr gross und hat sich in den letzten Jahren etwas verlangsamt. Die heutigen Flächen von 43 Hektaren haben ebenfalls keine grosse Bedeutung mehr.

 

Topaz: die Flächen haben Ende der Neunzigerjahre stark zugenommen. Während den letzten Jahren blieben die Flächen mit rund 35 Hektaren sehr konstant.

 

Clubsorten

Kiku wurde als erste Clubsorte im Jahre 2003 in unserer Flächenstatistik erfasst. Die Flächen bei Kiku haben in der Folge stark zugenommen. Noch etwas rasanter ging es bei Diwa, die 2005 erstmals erfasst wurde und heute die bedeutendste Clubsorte ist. Kanzi, Rubens und Greenstar sind von den Flächen her gesehen gleichbedeutend. Geringer ist der Anbau von Cameo, Mairac und Evelina.

 

Birnen

 

Kaiser Alexander: die Anbaufläche wuchs von 1995 bis 2010 von 22 auf 110 Hektaren. Sie ist heute die wichtigste Tafelbirnensorte. Der Flächenanteil am Birnensortiment beträgt 54 Prozent.

 

Conférence war ursprünglich die wichtigste Birnensorte, wurde aber bereits im Jahr 2000 von Kaiser Alexander überholt.

 

BBZ Arenenberg, Obst- und Rebbau, Bruno Hugentobler



Sortenspiegel Apfelkulturen 2010 mit Veränderung gegenüber Vorjahr (Grafik: BBZ Arenenberg)
Sortenspiegel Apfelkulturen 2010 mit Veränderung gegenüber Vorjahr (Grafik: BBZ Arenenberg)

Sortenspiegel Birnenkulturen 2010 mit Veränderung zum Vorjahr (Grafik: BBZ Arenenberg)
Sortenspiegel Birnenkulturen 2010 mit Veränderung zum Vorjahr (Grafik: BBZ Arenenberg)