Ausgabe Nummer 24 (2007)
Flächendeckende Hagelabwehr
Neunjähriger Versuch erfolgreich abgeschlossen
Der Hagelabwehrverband Thurgau will die Finanzierung für die kommenden vier Jahre sicherstellen und elf weitere Gemeinden dazu gewinnen, um Sicherheitslöcher zu eliminieren.1998 stand der 1952 gegründete Hagelabwehrverband Thurgau vor dem Aus, da die Hagelabwehr ohne Absprache unter den Beteiligten keine nennenswerten Erfolge erzielen konnte, erklärte Präsident Arthur Angehrn, Lömmenschwil SG, an der Pressekonferenz vom letzten Dienstag in Hohentannen. Mit Hilfe der Gemeinde Egnach konnten einige Raketenschützen die Auflösung des Verbands verhindern.
Moderne Hilfsmittel werden genutzt
Unter Federführung von Projektleiter Emil Müller, Steinebrunn, organisierte sich der Hagelabwehrverband Thurgau völlig neu und baute eine neue Organisation auf, welche in Zusammenarbeit mit Skyguide Schweiz ein Abwehrgebiet festlegte. Eine wissenschaftlich betreute Hagelabwehr, die während 20 Jahren im süddeutschen Raum stattfand, lieferte die Grundlagen, stellte Müller fest. Während der neunjährigen Versuchsphase in den Kantonen Thurgau und St. Gallen konnte viel Wissen über Alarmierung und Gewittereinschätzung angeeignet werden. Zudem würden bestehende Hilfsmittel wie Vorwarnsysteme und Radar genutzt. Heute werde der Verband von 27 Thurgauer und elf St. Galler Gemeinden sowie einigen Sponsoren (Thurgauer Gebäudeversicherung, Obstverbände Thurgau und St. Gallen und andere mehr) finanziert. Die Kosten der Thurgauer Hagelabwehr belaufen sich auf insgesamt rund 150 000 Franken pro Jahr. Demgegenüber stünden gemäss Hagelversicherung Thurgau für den Thurgau jährliche Schäden von rund 1,9 Millionen Franken.
SMS-Befehl für Raketenschützen
200 Raketenschützen stehen bei einem starken Gewitter im Verbandsgebiet bereit, um auf SMS-Befehl aus der Alarmzentrale Abwehrraketen in den Aufwind des nahenden Gewitters zu schiessen. Ein Pulver, das die Raketen ausstreuen, soll nach Müllers Angaben die Entstehung von Hagelkörnern in der Wolke unterbinden. Um die Einsätze zu koordinieren, werde das Wetter permanent über Internet beobachtet. Im Unterschied zu anderen Abwehrgebieten in der Schweiz, die weniger logistischen Aufwand betreiben, können die Thurgauer gute Erfolge ausweisen.
Löcher im Abwehrgebiet schliessen
«Aus diesem Grund soll nun der Versuch abgeschlossen und die Zusammenarbeit mit den 38 Gemeinden, die den Versuch finanziell ermöglicht haben, für weitere vier Jahre fortgesetzt werden», so Angehrn. Zudem wolle der Verband die Löcher in seinem Abwehrgebiet schliessen und die restlichen elf Gemeinden von einer Beteiligung an der Hagelabwehr überzeugen, um ein flächendeckendes Netz von Schützen zu gewährleisten. Mit seiner Internetseite (www.hagelabwehr-ostschweiz.ch) wolle der Verband die Öffentlichkeit und die Behörden über seine Aktivitäten informieren.
Mario Tosato

Arthur Angehrn (links) und Emil Müller informieren über die Hagelabwehr in den Kantonen Thurgau und St. Gallen. (tos)
