Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Fleissige Kinder forsten den Thurgauer Wald auf

Ausgabe Nummer 41 (2018)

Bei einem Aktionstag im Forstrevier Neunforn- Uesslingen drückten über 200 Kinder 10 000 Eicheln in den Boden.

Rund 230 Kindergartenkinder und Schüler aus Neunforn, Uesslingen-Buch und Warth-Weiningen nahmen am «Zukunftstag für den geschädigten Wald», den der Revierförster Paul Koch ins Leben gerufen hatte, teil. Die Kinder wurden an sechs verschiedene Standorte von zehn Forstleuten eingewiesen. Paul Koch war selbst im Waldgebiet Büel in Oberneunforn. Nachdem jedes Kind 50 Eicheln gesammelt hatte, schlug der Förster für jedes Kind eine mit dem Namen beschriftete Latte in die Erde. Im Umkreis von einem Meter drückten die Kinder die Eicheln etwa drei Zentimeter in den Boden. «Ich finde es «uh lässig», wenn wir hier etwas nachhaltiges beitragen können», bemerkte die Lehrerin Regula Knoblauch. Der Förster erklärte, dass etwa drei Viertel der Eicheln ausschlagen und allerhöchstens aus der Hälfte einmal Bäume werden, da Eicheln und junge Triebe begehrte Nahrungen für Rehe, Wildschweine, Eichhörnchen und Eichelhäher sind.

Sämlinge bilden Grundgerüst
Paul Koch brachte eine Kiste mit Traubeneichen- Setzlingen. Die Forstarbeiter haben dafür im eigenen Revier Eicheln gesucht und an die Forstbaumschule Kressibucher in Berg geliefert, wo die Pflanzen aufgezogen wurden. «Die Herkunft der Sämlinge ist ein wichtiges Kriterium für die Jungbäume, damit es passt», betonte Koch. Jedes Kind durfte einen Setzling pflanzen, der zusammen mit weiteren Lindenund Wildkirschenbäumen das Grundgerüst für einen neuen Wald bilden wird. «Jetzt werde ich mal meinem Opa zeigen, wo ich meine Bäume stehen habe», sagte der kleine Levi Schwarzer aus Ürschhausen. Wenn die beiden 500 Quadratmeter grossen Flächen im Büel vom Forst fertig angesetzt sind, werden sie eingezäunt. «Wir verwenden dafür Lattenzäune, die wir aus dem eigenen Holz herstellen», betonte der Förster. Im Holzzaun bleiben die Rehe nicht hängen und er kann liegen gelassen werden, wenn er zerfällt. An den anderen Standorten wurde den Kindern gezeigt, wie man mit einem Drahtkorb die jungen Pflanzen vor dem Wildverbiss schützt.

Eiche löst die Fichte ab
Im Forstrevier Neunforn-Uesslingen fielen rund 9000 Kubikmeter Holz dem Unwetter am 2. August 2017 und dem Sturmtief Burglind am 3. Januar diesen Jahres zum Opfer. Durch den heissen Sommer wurden zudem 3000 Kubikmeter Fichten vom Borkenkäfer so stark geschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Zahlreiche Bäume sind bereits so geschwächt, dass sie den nächsten Sommer nicht überstehen werden. Früher wurde überwiegend die schnell wachsende und pflegeleichte Fichte gepflanzt, weil der Baum vom Christbaum über Bohnenstecken bis hin zum Stammholz genutzt werden konnte. Bedingt durch den Klimawandel wird die Fichte jedoch von der Eiche abgelöst, die auf der Höhenlage von 500 Metern optimale Verhältnisse vorfindet. Der Pfahlwurzler kommt mit der Trockenheit besser klar und ist ökologisch wie auch ökonomisch wertvoller. Rund 500 Lebewesen leben auf oder von der Eiche, das Holz ist in der Verarbeitung kostbarer und hat einen höheren Brennwert. Die Fichte hat allenfalls im Voralpenraum und im Hinterthurgau noch eine Zukunft, wo sie optimale Böden und ein passendes Klima vorfindet.


Thomas Güntert










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