Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Flurabend Gemüsebau mit praxisnahen Informationen

Ausgabe Nummer 22 (2016)

Am Flurabend Gemüsebau wurden verschiedene Feldversuche gezeigt. Der Impulsvortrag des Bio-Gemüsebauers Johannes Storch richtete den Fokus auf den Anbau mit dem Mulchsystem; damit möchte sich das BBZ Arenenberg künftig noch umfassender beschäftigen.

Die Fachstelle Gemüse- und Beerenbau des BBZ Arenenberg und die Gemüseproduzentenvereinigung TG/SH führten am Mittwoch, 25. Mai, einen gemeinsam organisierten Flurabend auf dem gastgebenden Gutsbetrieb Brunnegg des Betriebsleiterehepaars Marcel und Rebecca Gerber durch. Margareta Scheidiger, Beraterin für den Gemüsebau, BBZ Arenenberg, begrüsste eine äusserst grosse Teilnehmerzahl von Gemüseproduzenten. Seit kurzem hat das BBZ Arenenberg die Möglichkeit, am Gutsbetrieb Brunnegg Feldversuche durchzuführen, dies in Zusammenarbeit mit Agroscope. Eingangs informierte Matthias Lutz, Phytopathologe Agroscope, über den Feldversuch zur Wirkung von Antagonisten im Eisbergsalat. Er schilderte, dass unter ungünstigen Bedingungen Salate von Salatfäulen, wie zum Beispiel dem Pilz Rhizoctonia, befallen werden können. Als alternative Bekämpfungsmethoden können nützliche Mikroorganismen wie zum Beispiel Trichoderma dienen. Diese Pilze sollen den Krankheitsbefall reduzieren und das Wachstum der Pflanzen fördern. Aus diesem Grund führt die Extension Gemüsebau von Agroscope einen Feldversuch zu diesem Thema durch, welcher an der Veranstaltung vorgestellt wurde. In diesem Versuch wurden verschiedene einzelne Stämme von Trichoderma und Kombinationen derselben getestet. Auf dem Versuchsfeld sind die Versuchspflanzen auch in der Kontrollvariante zurzeit gesund. Der Grund dafür ist, dass sich die bodenbürtigen Krankheitskeime bei den zurzeit tiefen Bodentemperaturen nicht entwickeln konnten. Sobald die Temperatur steigt, erhofft sich Matthias Lutz, den Effekt der natürlichen Gegenspieler zeigen zu können.

Wegfall weiterer Wirkstoffe bei Herbiziden
Jürgen Krauss, Leiter des Versuchsbetriebs Gemüsebau Agroscope, zeigte den Versuch bei der Nüsslisalat- Direktsaat. In Zukunft muss man damit rechnen, dass immer weniger Bodenherbizide eingesetzt werden können. Somit muss nach Alternativen gesucht werden. Für die Kultur Karotten konnten alternative Strategien erarbeitet werden; diese stehen den Anbauern bereits zur Verfügung. Für Fenchel und Petersilie liegen bereits Lösungsansätze vor. Weitere Abklärungen laufen im Rahmen des Lückenindikationsprojekts, wie auf der Versuchsfläche in Brunnegg mit Nüsslisalat. In gewissen Kulturen müsse vermutlich eine zeitlang das Unkraut zusätzlich mechanisch bekämpft werden. Mit dem zu befürchtenden Wegfall weiterer Wirkstoffe werde es grundsätzlich schwieriger, Herbizidstrategien zu erarbeiten. Rainer Schächtle, Gemüsebauer aus Tägerwilen, stellte seine Schwamm-Sämaschine vor. Deren Herzstück ist ein Dosieraggregat, welches mit Hilfe eines runden, sich drehenden Schwamms das Saatgut aus einem Vorratsbehälter auf die einzelnen Säröhren verteilt. Die Schwammtechnik kann für kleinere oder weniger spezialisierte Betriebe eine Alternative zu teuren Spezialsämaschinen bieten. Rainer Schächtle sagte, diese Sämaschine sei für ihn ideal, sie sei kostengünstig und vor allem könne er das Saatgut schnell und einfach wechseln – und dies sogar auf dem Feld.

Bodenfruchtbarkeit erhöhen – betriebseigene Nährstoffquellen nutzen
Nach der Besichtigung der Feldversuche versammelten sich die Teilnehmer in der sehr geräumigen, einladend dekorierten Scheune des Gastgeberpaares. Während des Eintrittsvortrages von Daniel Staubli, Leiter der Gruppe Obst, Gemüse und Beeren am BBZ Arenenberg, zum Salatmarkt, wurden alle Teilnehmer mit Wurst, Brot, Salat und Dessert aus der Festwirtschaft verköstigt.
Danach stellte Johannes Storch vom Bio-Gemüsehof Dickendorf (D) das Verfahren der Mulchpflanzung im Gemüsebau vor. Auf dem Bio-Gemüsehof Dickendorf werden seit 2011 Mulchsysteme getestet. Herausforderungen und Erfolge haben das System reifen lassen, sodass der Betrieb heute praxistaugliche Verfahren vorstellen kann, sagte der deutsche Gastreferent. Mulch ist fester Bestandteil der Arbeitsweise des Bio-Gemüsehofs. Zu den Beobachtungen und Ergebnissen des Teams gehören die Feststellungen der starken Vermehrung des Bodenlebens (zum Beispiel Regenwürmer), dass die Feinwurzeln Nährstoffe aus dem Mulch aufnehmen und die Böden einen guten Schutz gegen Verdunstung und Erosion aufweisen. Johannes Storch schilderte die Verfahren von Transfermulch und Insitu-Mulch. Unter Transfermulch ist der Transport von Mulchmaterial von einer Geber- auf eine Nehmerfläche zu verstehen. Aus der Nehmerfläche wird der Boden wie üblich bearbeitet und der Mulch als Unkrautunterdrückung, Düngung und zum Bodenaufbau ausgebracht.

Einsparung von Arbeitsgängen möglich
Als Mulchmaterial kann frisches oder konserviertes Pflanzenmaterial verwendet werden. Der Einsatz empfehle sich insbesondere bei starkzehrenden Kulturen wie z. B. Kohl, Kartoffeln und Lauch. Nach dem Ausstreuen wird direkt in die Mulchdecke gepflanzt. Unter Insitu-Mulch versteht man Pflanzenmaterial, das an Ort und Stelle wächst und verwendet wird. Zur Pflanzung wird der Boden nicht mehr bearbeitet. Nach dem Walzen erfolgt die Pflanzung in die abgetötete Zwischenfrucht, gegebenenfalls mit Unterfussdüngung. Bei der Arbeit mit Mulch ist die geeignete Pflanztechnik über den Erfolg des Systems entscheidend. Diese Herausforderung hat das Team des Bio- Gemüsehofs zu umfangreichen Experimenten im Bereich Landtechnik ermutigt, welche dazu führten, den «MuroCut» als vorgeschaltetes Gerät zur Pflanzmaschine zu entwickeln. Dieses wurde von der Firma «Baertschi Perma-Agrartecnic» in Hüswil gebaut. Mit der «MuroCut» Pflanzmaschine kann die Mulchdecke mit dem angetriebenen, schnelllaufenden Messer sauber aufgeschnitten und für den Pflanzvorgang gespreizt werden, danach wird sie wieder um den Setzling geschlossen. Der nächste Arbeitsvorgang ist bereits das Ernten. Somit sei kaum Planung notwendig im sonst schon arbeitsintensiven Sommer.


Isabelle Schwander






















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