Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Flurabend mit Impulsen für Produzenten von Fenchel und Sellerie

Ausgabe Nummer 38 (2015)

Eines der zentralen Themen am Flurabend zu Fenchel und Sellerie waren die starken Stressbedingungen für die Kulturen während eines Sommers mit längerer Trockenperiode.

Jimmy Mariéthoz, Gruppenleiter Obst, Gemüse, Beeren Thurgau/Schaffhausen; Margareta Scheidiger, Beraterin Gemüsebau, BBZ Arenenberg, und die Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau/Schaffhausen luden Anfang September zum «Flurabend für Fenchel und Sellerie».
Stefan Grob von Grob Gemüsebau in Schlattingen ermöglichte zum Auftakt die Kulturbesichtigung auf einer Parzelle mit Knollenfenchel.
Holger Pohl von Bejo Samen Deutschland begleitete die Sortensichtung im Feld. Er informierte, dass in diesem Jahr die braunen Ränder beim Fenchel für viele Produzenten ein Problem darstellen. Für diese Ränder besteht ein erhöhtes Risiko durch Trockenstress, Ernteverzögerung oder Thripsbefall, wobei dieses Risiko auch sortenabhängig ist. Bei Hitze empfehle es sich, früh zu ernten und den sehr hohen Wasserbedarf nicht zu unterschätzen, so Holger Pohl. Bezüglich der Sorten zeigte er auf, dass Solaris F1 für den Frühjahrs- und Herbstanbau geeignet ist, weil er unter anderem die am Markt beliebten runden bis bauchigen Knollen produziert. Diese Sorte sei durch den schmalen Bodenbereich der Knollen gut zu ernten, sie gilt als unempfindlich gegen Platzen und braune Ränder. Auch die Sorte Rondo F1, mit Anbauperiode im Frühjahr und Herbst, produziert eine breitrunde Knolle mit hohem Klasse-1-Anteil. Die Sorte Orion F1 ist geeignet für den Ganzjahresanbau und gilt als unempfindlich gegen Platzen, braune Ränder und Schossen. Das Schossverhalten beim Knollenfenchel ist abhängig von der Sorte, der Witterung und dem Kulturtermin.

Trockenstress vermeiden
Besonders schossempfindlich reagieren Sorten im Langtag (>14 Stunden) und bei Tagesmaximaltemperaturen >30 Grad Celsius von Juli bis August. Stressbedingungen in der Jugendphase begünstigen das Schossen zusätzlich. Es gelte, jeglichen Trockenstress zu vermeiden und gut wasserhaltende Böden im Hochsommer zu bevorzugen.
Stefan Grob thematisierte die schwierigen klimatischen Bedingungen in diesem Sommer und sagte, dass er jeweils vor der Grundfrage stand, wie tief gesetzt werden soll. Er habe einige Verluste beim Knollenfenchel, da viele Pflanzen der starken Hitze nicht standhielten.
Die zweite Station dieses Flurabends führte zu Martin Ott aus Schlattingen, der unter anderem Knollensellerie produziert und dieses Jahr, speziell für den Flurabend, das Bejo-Stangensellerie-Sortiment anpflanzte. Er berichtete, dass er beim Knollensellerie gelbliche Ränder feststellte, bei denen die Vermutung naheliegt, dass es sich um Spinnmilbenbefall handeln könnte. In der Diskussion im Feld zogen die Teilnehmer das Fazit, dass es nicht immer einfach ist, eine Schadensursache auf Anhieb klar auszumachen. Im anschliessenden Fachvortrag von Holger Pohl zu Züchtung, Kulturführung und Sortenwahl bei Fenchel und Sellerie, der in den Werkstatträumen von Stefan Grob stattfand, erhielten die Teilnehmer Impulse für ihren Betrieb. Der Referent stellte eingangs die international tätige Bejo Samen GmbH vor.

Standortgerechte Sorten sind gefragt
Die Bejo GmbH stelle einen Trend fest, wonach man zunehmend Gemüse dort produziert, wo es auch gegessen wird. Der Hauptgrund für das gestiegene Interesse für die Regionalität sei die Tatsache, dass der Endverbraucher noch mehr Sicherheit bei den Nahrungsmitteln verlangt. Holger Pohl informierte über die Zuchtziele beim Fenchel: Gefragt sind standortgerechte Sorten (Klima und Region), Unempfindlichkeit gegen Randen, gute Farbe, Schalenund Packqualität und eine bauchige Form. Bei Trockenheit und fehlenden Niederschlägen, wie in diesem Sommer, ist die Zusatzberegnung notwendig. Beim Knollensellerie lauten die Zuchtziele: Septoriaresistenz, guter Ertrag, Schossfestigkeit. Ein grosses Problem liege darin, dass es hier eine geringe Auswahl an Genetik gebe. Der Referent stellte fest, dass es bezüglich dem Konsum von Fenchel und Sellerie grosse kulturelle Unterschiede bei den Ernährungsgewohnheiten gibt. So zählt zum Beispiel bei den Briten der Stangensellerie zu einer der grossen kulinarischen Vorlieben. Auch in der französischen Schweiz ist er verbreitet, während er bei uns nur geringe Bedeutung hat. Beim Stangensellerie empfahl Holger Pohl die Sorte Conga mit ansprechend grünem Blattwerk. Das Zuchtziel bei dieser Kultur sind aufrechte Stengel, Septoriaresistenz, eine ansehnliche Stangenlänge und Schossfestigkeit. Auch beim Stangensellerie sei der Wasserbedarf nicht zu unterschätzen. In der Diskussion mit den Teilnehmern zog Jimmy Mariéthoz das Fazit, dass die von Monat zu Monat ändernden Vorschriften bezüglich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln eine ständige Herausforderung für die Produzenten von Sellerie und Fenchel darstellen.


Isabelle Schwander













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