Ausgabe Nummer 34 (2006)
Forschung und Praxis in Güttingen
Güttingertagung im Zeichen verstärkter Zusammenarbeit
Seit dem 1. Januar 2006 hat der Kanton Thurgau, vertreten durch das LBBZ Arenenberg, den Versuchsbetrieb Güttingen vom Bund gepachtet. Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und das LBBZ Arenenberg arbeiten als Partner noch enger zusammen als bisher. Auf dem Betriebsrundgang konnten die 250 Gäste an vier Info-Posten zu aktuellen Forschungsthemen neuste Erkenntnisse erwerben.
Strategien bei der Chemischen Fruchtausdünnung
Zur Qualitätsproduktion ist die chemische Fruchtausdünnung eine der wichtigsten Massnahmen. Mit den bisher zugelassenen Wirkstoffen Naphtylacetamid und Naphtylessigsäure kann eine gute Wirkung erzielt werden, der Einsatz ist zeitlich aber begrenzt und bei reichtragenden Sorten ist der Ausdünneffekt oft ungenügend. ACW führt im Rahmen einer europäischen Arbeitsgruppe seit 10 Jahren Versuche mit Ethephon durch. Mit 0,3?0,5 l/ha kann Ethephon zu drei Zeitpunkten eingesetzt werden: Ballonstadium, abgehende Blüte und bei Fruchtdurchmesser von 8-12 mm. Ethephon bewirkt aber nicht nur eine Fruchtausdünnung, auch die Blütenknospenbildung für das Folgejahr wird gefördert. Der Einsatz hat aber auch Tücken, so ist die Wirkung stark von der Temperatur abhängig, optimal sind 18 ? 22 Grad Celcius. Das Einsatzband liegt zwischen 15 und 25 Grad, wobei bei hohen Temperaturen die Einsatzmenge eher reduziert wird. Der Einsatz wir vor allem bei Sorten empfohlen, welche zu Alternanz neigen. Ethephon kann Berostungen verursachen und wird deshalb bei der Sorte Golden nicht empfohlen. Ein zu später Einsatz von Ethephon kann zudem die Fruchtfleischfestigkeit reduzieren.
Europäische Steinobst-Vergilbungskrankheit (ESFY)
Mit der Liberalisierung des Importes von Steinobstbäumen besteht die Gefahr der Einschleppung von Krankheitserregern. So konnte in Güttingen das gefährliche Sharkavirus an Aprikosenbäumen bestaunt werden. Diese Krankheit gehört zu den Quarantäneorganismen und muss zwingend getilgt werden. Mit der Europäischen Steinobst ? Vergilbungstkrankheit ist im Anbau von Aprikosen ein neues Problem aufgetaucht. Aprikosenbäume sterben oft innerhalb kurzer Zeit ab, ohne das besondere Anzeichen einer Schwächung vorliegen. Ursache können Infektionen durch eine Bakterie (Pseudomonas Syringae), meist im Zusammenhang mit Holzftosteinwirkung oder EFSY sein. Diese Phytoplasmose (zellwandlose Bakterien) kann an Aprikosen, Mirabellen, Pflaumen sowie bei Pfirsich und Nektarine wirtschaftliche Schäden verursachen. Bei Zwetschgen ist noch nicht klar, wie sich die Krankheit auswirkt. Je nach Obstart, Unterlage und Sorte entstehen unterschiedliche Symptome. Bei Aprikosen ist das Zusammenrollen der Blätter, verbunden mit einer Vergilbung am häufigsten. Auch im Sortenversuch in Güttingen wurden kranke Bäume festgestellt. In verschiedenen Anbaugebieten, so auch im Wallis, ist der Baumbestand verseucht. Dadurch besteht auch bei Baumkäufen ohne Pflanzenschutzzertifikat die Gefahr der Verschleppung. Nachdem an verschiedenen Steinobstbäumen ausserhalb der Aprikosenanlagen das EFSY nachgewiesen werden konnte, stellte sich die Frage nach der Verbreitung der Krankheit in der Deutschschweiz. An 20 Standorten wurde durch die ACW Klopfproben durchgeführt. Diese wurden auf den Blattsauger Cacopsylla pruni untersucht, welcher als Überträger der Krankheit gilt. In allen Proben wurde dieses Insekt gefunden, jedoch nur an einem Standort war auch ESFY nachweisbar. Untersuchungen in den Schweizer Baumschulen sind bisher erfreulich verlaufen, die endgültigen Resultate liegen aber erst im Oktober vor. Aufgrund dieser Situation muss in der Deutschweiz nur vereinzelt mit kranken Bäumen gerechnet werden. Den Produzenten wird geraten, zertifiziertes Pflanzmaterial zu kaufen, ein Pflanzenpass genügt nicht.
Welche Sorten anbauen ?
Die Remontierung der Obstanlagen mit den richtigen Sorten wird für die Obstbauern immer schwieriger. Einerseits richtet sich der Markt ganz nach den Absatzmöglichkeiten, andererseits werden billige Sortenlinien für Prix Garantie gewünscht. Sortenneuheiten kommen oft als Clubsorte auf den Markt und können nicht frei angebaut werden. Das Früchtezentrum SG / TG in dem der Obsthandel und die Produktion vertreten sind, hat eine Anbauempfehlung mit den Marktchancen der Sorten erarbeitet. Auf der Homepage des LBBZ Arenenberg werden demnächst Grafiken zur Sortenentwicklung aufgeschaltet.
SOA ? ein Projekt zur Rentabilität des Obstbaues
Support Obst-Arbo ist eine gemeinsame Initiative der landw. Beratungszentralen, der Forschungsanstalt ACW und des Schweizerischen Obstverbandes. In einem Betriebsnetz von Obstbaubetrieben werden Betriebsdaten auf Vollkostenbasis erfasst. Damit sind wichtige Hinweise für die Produktionskostenberechnungen, Preisverhandlungen etc. errechenbar. Die teilnehmenden Betriebe erhalten Informationen über die Optimierungsmöglichkeiten und Stärken ihres Betriebes.
Urs Müller, LBBZ Arenenberg

