Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Forschung zum Nutzen aller

Ausgabe Nummer 42 (2015)

Am Samstag, 3. Oktober 2015, lud die BDP Thurgau zur Besichtigung des Emissionsversuchsstalls der Forschungsanstalt Agroscope in Tänikon ein. Dabei erfuhr die Besuchergruppe von den beiden Forschern Matthias Schick und Beat Steiner Genaueres über die Versuchsanordnung und die zu klärenden Fragen.

Der Stall wurde nach den neuesten Erkenntnissen der Tierhaltung und Bautechnik erstellt. Es handelt sich um einen Boxenlaufstall mit eingestreuten Liegeflächen und grosszügigen Laufflächen, wie er heute empfohlen wird. Er ist so ausgerichtet, dass die Windrichtungen optimal für die Durchlüftung der beiden Versuchsbereiche des Stalls nutzbar sind. Zusammen mit den grossflächigen, flexibel einstellbaren Fassadenöffnungen ist keine zusätzliche Lüftungsunterstützung nötig. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Tierhaltung ist die Beschaffenheit der Böden. Die Bodenflächen sollen möglichst trocken und sauber sein. Dies wird mittels Gefälle, Harnsammelrinne, planbefestigten Oberflächen und Entmistungsschieber erreicht. Nichts schadet der Klauengesundheit mehr als Feuchtigkeit und Schmutz. Kühe mit kranken Klauen bewegen sich nicht gern. Der Gang zum Futter, zur Liegebox und zum Melkstand wird erschwert – die Leistung beeinträchtigt. Neben Arbeitseffizienz muss beim Bau eines Stalls das Tierwohl oberstes Ziel sein. Gesunde Kühe, die sich auch wohl fühlen, tragen zum reibungslosen Ablauf bei und geben viel Milch, und das lange und gern.
Die beiden Wissenschaftler wiesen auf die besonderen Herausforderungen eines solchen Versuchsstalls und den Standort Thurgau hin. So müssten die Interessen der Wissenschaft mit der Praxis verbunden werden, wofür gerade der Thurgau gute Voraussetzungen biete, da man hier auf eine breite, langjährige Erfahrung der praxisnahen Forschung zurückgreifen könne. Im Fall des Versuchsstalls bestand eine Herausforderung darin, diesen so zu konzipieren, dass unter Praxisbedingungen Messungen durchgeführt werden können, mit denen Emissionen zuverlässig quantifizierbar sind. Gleiche Bedingungen beim Melken und Füttern der beiden Tiergruppen sind hier beispielsweise besonders wichtig. Zudem müssen die Exkremente separat gesammelt und gelagert werden, um vergleichende Messungen zur Zusammensetzung und den Emissionen aus Harn und Kot sowie Rückschlüsse über Auswirkungen der Gase auf die Umwelt zu ermöglichen. Aus den Ergebnissen und Beobachtungen lassen sich Schlüsse zu Stallabmessungen, Entmistung, Bodenbeschaffenheit und Management ziehen. Die so gewonnenen Erkenntnisse dienen auch dazu, einen praxisnahen Versuch zum Einfluss der Zufütterung von Leinsamen durchzuführen, um die Methanemissionen zu senken.
Ein weiteres Thema an diesem Vormittag waren die Frauen in der Landwirtschaft. In Tänikon werden Erhebungen über den Beitrag der Bäuerinnen in landwirtschaftlichen Familienbetrieben durchgeführt. Die beiden Forscher wiesen auf die unerlässliche Rolle der Frauen und deren häufige Mehrfachbelastung durch Mitarbeit auf dem Familienbetrieb, Kindererziehung und oftmals einer auswärtigen Berufstätigkeit hin. Ebenso betonten sie, dass man in Tänikon ein offenes Ohr für Ideen, Anregungen und Anliegen aus der Praxis habe.
Anschliessend wurden beim Apéro verschiedene politische Aspekte mit den anwesenden Nationalratskandierenden Karin Peter Kis, Andreas Guhl, Martin Huber, Kolumban Helfenberger und Lukas Löhle diskutiert.


Karin Peter Kis










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