Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
31. Juli 2020


Forstrevier Wellenberg - Fortuso informierte zur Bauholznutzung

Ausgabe Nummer 30 (2020)

Swissness könnte für Vermarktung förderlich sein

Ein zentrales Thema bei einer der Sommermedienfahrten des Kantons mit dem Besuch des Forstreviers Wellenberg war die Fichte, die wirtschaftlich bedeutendste Baumart der Schweiz: In diesem Revier hat sie einen Anteil von 33 % aller Baumarten.

Fichtenholz wird zu Konstruktionszwecken sowie für Decken, Wände und Möbel eingesetzt. «Aus dem sehr gesuchten Fichtenklangholz werden Musikinstrumente gefertigt», sagte Max Brenner, Revierförster, bei der Besichtigung eines Waldstücks des Forstreviers Fortuso, nahe Thundorf. Die Globalisierung hat längst auch die Holzbranche erfasst. So wird Fichtenholz in ganz Europa herumtransportiert. Max Brenner, der seit rund 20 Jahren als Revierförster tätig ist, erinnert sich, wie als Folge des Sturms Lothar die Nachfrage nach Fichtenholz im Folgejahr anstieg: «Die Holzmaterialflüsse haben sich stark verändert. Auch wir müssen alles im europäischen Kontext betrachten; alles hat immer auch Auswirkungen auf unseren Holzmarkt und unsere Arbeit in der Forstwirtschaft. In der Verarbeitung besteht schon lange die Tendenz zu Stangenware, also zu verleimten Brettern und Bohlen.» In Italien beispielsweise sind die Märkte gesättigt: Hier ist man weiterhin mit den Spätfolgen des Sturms Vaia und den Holzerarbeiten beschäftigt. «Europaweit ist der Bedarf an Holz im Moment abgedeckt.» Bezüglich der Bauholznutzung meinte Max Brenner: «In Zukunft wäre es von grosser Wichtigkeit, möglichst viel einheimisches Holz zu verbauen (CO2-Einlagerung). Um anfallendes Holz noch besser zu vermarkten, könnte hierfür das Label ‹Schweizer Holz› in Betracht gezogen werden.»

Eigenschaften des Fichtenholzes
Das Stehvermögen von Fichtenholz ist in der Regel gut. Wenn die eingeschnittenen Fichtenhölzer aber Drehwuchs aufweisen, verziehen sich die Bretter und Bohlen. Im Übrigen lässt sich Fichtenholz leicht bearbeiten. Bei der Furnierherstellung lässt es sich im Allgemeinen gut messern und schälen, vorausgesetzt, dass Anzahl und Grösse der Äste gering ist. Fichtenholz findet vielzählige Einsatzmöglichkeiten und ist der wichtigste Rohstoff in der Papier- und Zellstoffindustrie. Im Allgemeinen wird das Holz der Fichte wegen der relativ guten Festigkeitseigenschaften auf solchen Verwendungsgebieten eingesetzt, wo es nicht zu aussergewöhnlichen Belastungen oder stärkeren Abnutzungseffekten an den Oberflächen kommt. Gemeint ist hierbei hauptsächlich der Einsatz als Bau- und Konstruktionsholz im Hochbau und dann im Innenausbau. Sofern das Holz der Witterung oder der Feuchtigkeit ausgesetzt wird, ist eine Imprägnierung unerlässlich. Die Fichte ist die wirtschaftlich bedeutendste Baumart der Schweiz. Es handelt sich um eine wertvolle forstliche Ressource, die aber wegen der zum Teil wirtschaftlich und zum Teil topografisch schwierigen Verhältnisse nur beschränkt verfügbar ist. «Die hohe Massen- und Wertleistung, der hohe Nutzholzanteil, die geringen Standortansprüche, die einfache waldbauliche Behandlung, die Eignung für Aufforstungen und die geringe Wildverbissbelastung machen die Fichte zu einer herausragenden Baumart», erklärte Max Brenner.

«Totgesagte leben länger»
Die Fichte wächst überwiegend in gleichförmigen Beständen, und zwar überdurchschnittlich häufig in mittleren Baumhölzern, die wohl zu einem erheblichen Teil auf die ausgedehnten Aufforstungen um die 1920-er-Jahre zurückzuführen sind. Als wichtige Aufgabe der Revierförster bei der Waldbewirtschaftung bezeichnete es Max Brenner beim Rundgang, aktiv Laubholz einzubringen und für einen ausgeglichenen Bestand zu sorgen. Im letzten Jahrhundert herrschten andere klimatische Bedingungen: Viele Nadelholzbäume im Forstrevier Wellenberg sind durchschnittlich 100-jährig, sie profitierten in ihren «Jugendjahren» von idealen Bedingungen und entwickelten einen starken Wuchs. Die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre zeigten sich beispielsweise bei der Weisstanne sehr deutlich, die Bäume trocknen von der Krone her aus. Max Brenner richtete an einer Waldlichtung das Augenmerk auf Schäden durch Pilzbefall (Hallimasch), der sich zum ähnlich starken Problem wie der Käferbefall entwickelt. Ein vom Pilz befallener Baum wird zerstört, letztlich bleibt nur ein Stumpf. Die «Gewinner» unter anderem sind Ameisen und andere Pilze, die darin ideale Bedingungen vorfinden. Max Brenner sagte, der Spruch «Totgesagte leben länger» treffe auf die Fichte gut zu: «Eine Fichte kann jahrelang in schlechtem Zustand sein, absterbend wirken und sehr alt werden. Ob es die Fichte in 100 Jahren noch gibt? Ich bin zuversichtlich, dass sie uns lange erhalten bleibt.»


Text und Bild:
Isabelle Schwander




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