Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Freihandel EU - USA mit grossen Fragezeichen

Ausgabe Nummer 23 (2014)

Vierländertreffen am Arenenberg

Eine Delegation des Schweizer Bauernverbands traf sich am 21./22. Mai auf dem Arenenberg mit den Verbandsspitzen der landwirtschaftlichen Dachorganisationen aus Deutschland, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein.

Nebst Erfahrungsaustausch und Diskussionen standen die Besichtigung der Mosterei Möhl AG sowie der Besuch des landwirtschaftlichen Familienbetriebes von Willi und Annemarie Vogt in Güttingen auf dem Programm. Markus Ritter schilderte, dass es für den SBV am Vierländertreffen besonders wichtig war, die neuen Verantwortungsträger persönlich kennen zu lernen und ihre Ziele sowie deren Beurteilung der aktuellen Geschäfte zu erfahren. Danach befragt, welche Gemeinsamkeiten er bezüglich Ansichten und Arbeitszielen mit den ausländischen Kollegen feststellte meinte er: «Die Bedeutung der Lebensmittelproduktion wird in den angrenzenden Ländern ebenfalls als hoch eingestuft. Die weltweite Entwicklung mit den steigenden Preisen unterstreicht diese Einschätzung. Die Sorge um den Erhalt des Kulturlandes ist grenzübergreifend vorhanden und die Notwendigkeit der Verbesserung der Position der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette allen Ländern ein Anliegen.» Die Spitze des Schweizer Bauernverbandes nutzte das Vierländertreffen auch dazu, um die aktuelle Einschätzung zum Verhandlungsstand und zur Akzeptanz eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und USA zu erfahren. «Hier zeigt sich eine grosse Zurückhaltung bei der Bevölkerung und der Politik in der EU. Die Bedenken gegenüber der USA richten sich vor allem gegen den Einsatz von Gentechnik, Hormonen und der Chlorbehandlung von Fleisch – um nur einige Beispiele zu nennen», so Ritter.

Möglichkeiten zu Vergleichen
Im vergangenen Wahlkampf um die Sitze im EUParlament war dieses Abkommen ein grosses Thema: «Immer breitere Kreise, bis weit hinein ins bürgerliche Lager, melden massive Vorbehalte an, sodass die politische Eisdecke für ein solches Freihandelsabkommens in der EU dünn geworden zu sein scheint», meinte Ritter. Bei Vergleichen mit den ausländischen Kollegen sei deutlich geworden, dass es einer der Vorzüge ist, dass die Schweiz ihre Agrarpolitik selbst gestalten kann «In der EU wird die gesamte Agrarpolitik in Brüssel gemacht. Dies ist für eine so unterschiedlich strukturierte Landwirtschaft wie in der EU aber kaum mehr sinnvoll möglich.» Die Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO) im Fürstentum Liechtenstein, mit Marcus Vogt als Präsident und Klaus Büchel als Geschäftsführer, nahm erstmals an einem solchen Treffen teil. Nach den Eindrücken zum Treffen befragt erklärte Klaus Büchel: «Die gegenseitigen Länderpräsentationen zeigten, wo die jeweiligen agrarpolitischen Schwerpunkte liegen. Dies hilft uns bei der Einordnung unserer Entwicklungsvorstellungen. In verschiedenen Punkten bestehen unterschiedliche Regelungsniveaus zwischen den EU-Ländern einerseits und der Schweiz und Liechtenstein andererseits. Hierzu möchte ich die Ökovorrangsflächen erwähnen, für welche die Vorschriften im EU-Raum einfacher zu erfüllen sind.» Zwischen der Schweiz und Liechtenstein gebe es zahlreiche Gemeinsamkeiten.

Entwicklung im gesamten ländlichen Raum
«Besondere Berührungspunkte sehe ich in der Sicherstellung vergleichbarer Produktions- und Marktbedingungen, damit es keine Benachteiligung für einen der beiden Partner gibt. Mit der AP 2014 bis 2017 haben sich einige wichtige Punkte verändert, welche unsere Regelungen indirekt beeinflussen, zum Beispiel gegenseitige Bestossung der Alpen», meinte Büchel. Aus den Präsentationen sei deutlich geworden, dass alle mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen: «Der wichtigste Punkt ist meiner Ansicht nach das Erzielen eines angemessenen Produktpreises und Abbau des Bürokratie-, beziehungsweise Verwaltungsaufwandes für die Landwirte. Die Familienbetriebe sind bei uns sehr wichtig. Wir setzen in diesem Jahr eine Aktion zu deren Unterstützung um.»
Franz Reisecker, Vizepräsident Landwirtschaftskammer Österreich, stellte fest, dass Handelsabkommen mit verschiedenen Ländern weitgehende Übereinstimmung finden: «Bilaterale Abkommen sind notwendig, aber soziale Standards und Produktionsbedingungen müssen berücksichtigt werden.» Die Kleinstrukturiertheit der bäuerlichen Betriebe stand in den Diskussionen im Vordergrund sowie die Raumordnung und Entwicklungsmöglichkeiten im gesamten ländlichen Raum. «Das Vierländertreffen war sehr gut organisiert, und der Thurgau beeindruckte mich. Vor allem auch die Landschaft in ihrer Vielfalt und die Exkursionsbetriebe waren beeindruckend. Die Schweizer Landwirtschaft kann sich sehr gut positionieren», meinte Reisecker anerkennend.


Isabelle Schwander







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