Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Freundschaft und Austausch über die Landesgrenzen

Ausgabe Nummer 16 (2018)

12. Rhein-Bodensee-Bäuerinnen- und Bauerntag 2018

Rund 250 Bäuerinnen und Bauern aus vier Nationen – Österreich, Liechtenstein, der Schweiz und Süddeutschland – begrüsste Landfrauen- Präsidentin Juliane Vees am 12. April in Eglofs zum 12. Rhein-Bodensee-Bäuerinnen- und Bauerntag, der dieses Jahr von den Landfrauen Württemberg-Hohenzollern ausgerichtet wurde.

Landwirtschaftliche Familien im Spannungsfeld zwischen Lebensqualität und unternehmerischem Erfolg war das Thema des Hauptreferats. «Wir reden unheimlich viel. Wir gehen auf zehn Seminare zum gleichen Thema. Aber die Zukunft gehört denen, die bereit sind in der Gegenwart zu handeln», mit diesen Worten startete Dipl.-Ing. agr. Rolf Brauch von der Evangelischen Landeskirche Baden seinen Vortrag zur Lage der bäuerlichen Familien in unsicheren Zeiten.
Brauch, der auf 30 Jahre Beratung und Seelsorge für landwirtschaftliche Familien zurückblickt, appellierte an die Landwirtinnen und Landwirte sich selber Gedanken darüber zu machen, was sie wollen und nicht auf Einflüsterungen von Aussen zu hören: «Tue, was dir wichtig erscheint, folge deinen Stärken, nutze deine Ressourcen und komme ins Handeln.» Doch auch in persönlicher Hinsicht forderte er auf, aktiv zu handeln und nicht zu verdrängen. «Der Humus des Lebens sind gelungene familiäre Beziehungen », stellte Brauch fest. Doch nur allzu oft delegiere der Mann die wichtigsten Lebensaufgaben, wie Beziehungsarbeit und Erziehungsarbeit, an die Frau. Und launisch fügte er an: «Männer brauchen grosse Traktoren oft nur, um bei Familienkonflikten möglichst schnell, sicher und bequem vom Hof zu kommen. » Dabei könne er nur raten, rechtzeitig über Konflikte zu sprechen, bevor es zu spät ist und Beziehungen scheitern.
Besonders prägend für bäuerliche Familien seien die Themen Generationenkonflikte und Hofübergabe. Dazu gehöre Respekt, denn «Kränkung macht krank!», so Brauch. Und man müsse die Söhne und Töchter ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, auch jenseits des Hofes: «Jede Generation geht ihren eigenen Weg durchs Leben und darf auch ungehorsam sein.»
Ebenso forderte Brauch auf, Stammtischparolen wie «Wachse oder weiche» hinter sich zu lassen. Stattdessen sollen sich Einzelbetriebe mit folgenden Optionen auseinandersetzen:
– Sei nicht zu gross, denn zu grose Betriebe scheitern oft an der
   Effizienz.
– Sei alleine gross, doch müsse man überlegen, ob es einem das
   wert sei.
– Sei gemeinsam gross, denn die Familie sei nicht nur zum Arbeiten
   da, sondern das, was Halt gibt.
– Sei klein und besonders oder
– Sei gemeinsam klein und besonders.
– Ziehe dich geordnet zurück, wenn es für den Betrieb keine
   Perspektive gibt.

Zum Abschluss des Nachmittags übergab LandFrauen- Präsidentin Juliane Vees den Stab an die Organisatoren des nächsten Rhein-Bodensee-Bäuerinnenund Bauerntags. Er wird in zwei Jahren in Vorarlberg stattfinden.


Carolin Steppat, Bildungsmarketing
www.landfrauenverband-wh.de




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