Ausgabe Nummer 48 (2009)

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Friedlicher Besuch bei Roland Werner

Gegen 250 Bäuerinnen und Bauern besuchten am vergangenen Samstag – uneingeladen – den Hof von Roland Werner, um zu erfahren, wie er kostengünstig Milch produziert. Die Polizei markierte Präsenz.

 

Rund 250 Bäuerinnen und Bauern aus der ganzen Schweiz folgten dem Aufruf der BIG-M (Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf), den Betrieb von Roland Werner, Präsident Thur Milch Ring AG und Mitglied der Branchenorganisation Milch (BOM), in Wäldi, zu besichtigen um zu erfahren weshalb er so günstig produ-zieren kann. BIG-M wollte auch Transparenz zu den Themen Milchpreis und der erwünschten Solidarität unter den Milchproduzenten. Am Freitag erhielten fünf BIG-M Vorstandsmitglieder, unter ihnen Simon Schild, Ottoberg, per eingeschriebenem Brief Bescheid, dass ihnen unter Androhung polizeilicher Massnahmen verboten sei das Betriebsareal von Roland Werner zu betreten.

Starke Polizeipräsenz
Die Thurgauer Kantonspolizei markierte denn auch mit Polizisten in Uniform und ziviler Kleidung Präsenz. Sogar Polizeikommandant Hans Baltensberger war anwesend. Die fünf Vorstandsmitglieder hielten sich an das Hausverbot. Sie machten sich auf Stühlen, die sie auf Gemeindegebiet aufstellten, gemütlich. Baltensberger sprach BIG-M-Co-Präsident Martin Haab Komplimente über den friedlichen und disziplinierten Verlauf der Kundgebung aus.

Thur Milch Ring steht zur Mehrmengenproduktion
Werner war begleitet von Milchlieferanten der Thur Milch Ring. Gottfried Siegfried, Präsident der PMO Züger-Biedermann, verteidigte als Biobauer die Mehrmengenproduktion. Anwesend war auch Peter Strähl, Mitglied der Geschäftsleitung der Strähl Käse AG, Siegershausen. Werner duldete keine Protest-Transparente auf seinem Hof. Ebenso gewährte er keinen Einblick in den Stall. Auch über seine Produktionskosten wollte er keine Antwort geben. Er stellte aber fest, dass er enttäuscht sei, dass man den Besuch nicht mit ihm vorher absprach, denn Freiheit sei in unserem Land ein hohes Recht. Der Präsident der Thur Milch Ring betonte, dass seine Organisation zur Mehrmengenproduktion stehe und bereits grosse Projekte verwirklichen konnte. Die beiden BIG-M-Vorstandsmitglieder Hansjürg Leisebach und Toni Peterhans, die auf den Hof zugelassen wurden, vertraten die Meinung von BIG-M.

Mengenregulierung weiter vorantreiben
Die beiden stellten fest, dass sich Werner als Mitglied der BOM jeglicher Art von Angebotsregulierung widersetze. «Jeder soll für sich schauen ob er es schafft.» Für die Entsorgung der Milchüberschüsse befürworte er die Allgemeinverbindlichkeit. Diese Haltung sei unsolidarisch. Martin Haab, sprach im Anschluss an die Veranstaltung von einer friedlichen Kundgebung der Milchproduzenten. Es seien zwar verschiedene Ideologien aufeinander geprallt, doch dürfe BIG-M behaupten, dass sie die Meinung von 80 bis 90 Prozent der Milchbauern vertrete. Laut Haab will BIG-M die Strategie einer geordneten Milchmengenregulierung weiter vorantreiben.

Mario Tosato



Walter Blickenstorfer, Martin Haab, Karl Häcki, Werner Locher und Simon Schild (v. l. n. r.) wurden von Roland Werner mit einem Hausverbot belegt. (tos)
Walter Blickenstorfer, Martin Haab, Karl Häcki, Werner Locher und Simon Schild (v. l. n. r.) wurden von Roland Werner mit einem Hausverbot belegt. (tos)

Rund 250 Milchbäuerinnen und -bauern besuchten den Hof von Roland Werner. (tos)
Rund 250 Milchbäuerinnen und -bauern besuchten den Hof von Roland Werner. (tos)