Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Frostreserven an Reben als Notnagel

Ausgabe Nummer 19 (2017)

Im Rebbau besteht die Möglichkeit, beim Rebschnitt sogenannte Frostruten als Reserveschosse stehen zu lassen. Diese Methode scheint sich in diesem Frostjahr bezahlt zu machen. Somit ist die Frostrute auch eine Art Versicherung, die fast nichts kostet.

Nach den letzten Frostnächten ist im Weinbau vermehrt die Rede von Frostreserven. Hinter diesem Begriff steht eine natürliche Versicherung, welche im Bedarfsfall – wie jetzt – genutzt werden kann, aber natürlich auch zu Mehraufwand im Weinbau führt. Diese Methode, sich gegen Frühlingsfrost etwas abzusichern ist nicht neu, bekam aber ihre Bedeutung erst mit dem Aufkommen des Drahtbaus, da man vorgängig verstärkt auf den Frostschutz mit Frostschirmen setzte. Grundsätzlich werden heute beim Rebschnitt für einen durchschnittlichen Ertrag pro m2 6 bis 8 Augen angeschnitten, was bei einem Standraum von 2 m2 12 bis 16 Augen entspricht. Fehlt somit ein Auge später als traubentragender Trieb, entspricht dies einem Verlust von 6 bis 8 %. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen weiss man aber, dass sich beim entsprechenden Anschnitt 1 bis 2 Augen pro Rebe durch die übrigen kompensieren lassen. Sind es mehr, verzeichnet man erste Schäden. Es ist aber auch zu beachten, dass sich hohe Frostschäden ebenfalls auf die Frostruten auswirken und die Kompensation dadurch geringer ausfällt.
In Frostgebieten kann pro Rebe ein zusätzlicher Streckbogen als Frostreserve belassen werden; er wird entfernt, sofern kein Schaden eintritt, so die Fachschulliteratur aus dem Jahr 1979. In den letzten Jahren hatte diese Methode als möglicher Schutz bei Frühlingsfrösten, nicht zuletzt auch aus Gründen des damit verbundenen Mehraufwandes, an Bedeutung verloren. Doch nach dem Frühlingsfrost 2016 erkannte man, dass mit einer Frostrute bezüglich Ertrag durchaus noch etwas bewegt, respektive ausgeglichen werden kann. Im diesjährigen Anschnitt wurde wieder entsprechend mehr auf die Versicherung mit der Frostrute gesetzt. Grundsätzlich kennt man dabei zwei Formen beim Anschnitt. Die einen setzen dabei wie beim Anschnitt des Streckers und Rundbogens auf eine gleichlange Einkürzung des Schosses. Andere belassen die Frostrute in voller Länge wie sie gewachsen ist. Vorteilhaft ist es, die Frostruten lang mit höherer Augenzahl und die Geiztriebe zu belassen, damit die Hauptaugen im Austrieb zunächst gehemmt werden, empfiehlt die deutsche Fachliteratur. Diese im unteren Teil der Frostrute wenig oder nicht ausgetriebenen Hauptaugen sind dann besser gegen Frost geschützt und können nach dem Frost unbeschädigt austreiben.

Kompensation ermöglichen
Werden die Frostruten nicht benötigt, müssen sie in einem zusätzlichen Arbeitsschritt wieder entfernt werden. Doch trifft Frost wie in diesem Jahr ein, können sie einiges kompensieren (siehe Bild). Bei Augenausfällen können sie zum Ausgleich verwendet und angebunden werden, heisst es in der Fachliteratur. Jetzt werden wieder vermehrt, etwa in typischen Frostlagen, Frostruten belassen und angebunden. Da es vielfach aber nicht möglich ist, an jeder Rebe eine oder gar zwei solche zu belassen, ist ein flächendeckender Ausgleich nicht möglich. Erfahrungen aus 2016 zeigten, dass sich Schäden von bis zu 20 % kompensieren liessen. Es fiel aber beim Erlesen, Heften und in der Reifephase beim Auslauben sowie auch bei der Ernte mehr Arbeiten an.
Frostruten haben aber auch noch andere Vorteile und Nutzungszwecke. So können sie als Reserveschoss bei Rutenbruch vom Anbinden, oder bei durch Schädlinge wie Rhombenspanner oder Eulenraupen verursachte Austriebsschäden als Ersatz dienen.

Versicherung?
Grundsätzlich stellt sich immer wieder die Frage, ob sich solche Schäden versichern lassen. Frostschäden können einzig bei der Schweizerischen Hagel-Versicherungs- Gesellschaft als Zusatz zur üblichen Hagelversicherung im Weinbau versichert werden, wobei die Nachfrage nach dieser Versicherungsleistung eher als gering eingestuft werden kann. Der Abschluss einer solchen Versicherung hat aber bereits frühzeitig und mindestens 14 Tage vor dem Frostereignis zu erfolgen. Das allgemeine Versichern der Kulturen gegen Hagelschäden bei der Schweizerischen Hagel-Versicherungs-Gesellschaft ist freiwillig und viele Bauern verzichten auf den als Grundlage notwendigen Abschluss einer entsprechenden Hagelversicherung. Wer sich für eine Hagelversicherung entschieden hat, wird mit einer Zusatzversicherung für die in der Police festgehaltenen Kulturen für gewisse Elementarereignisse (Überschwemmung, Abschwemmung, Übersarung, Erdrutsch oder teilweise Sturm) entschädigt.
In der letzten Woche sind erneut bis ins Flachland teilweise beachtliche Schneemengen gefallen und haben zu weiteren Schneedruckschäden geführt. Auch hier kann die Hagelversicherung bei gewissen Kulturen helfen. Die aktuell verzeichneten Schneedruckschäden, welche insbesondere bei Raps oder Getreide zu massiven Ertragseinbussen führen können, sind versichert, wenn die entsprechenden Leistungen bezüglich Kultur und Anbauform klar definiert sind.


Roland Müller




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