Ausgabe Nummer 51 (2009)
Fruchtbarkeits- und Klauenprobleme sind bekannt
Fruchtbarkeits- und Klauenprobleme sind allen Milchviehhaltern bekannt. Die Referate zu diesen Themen anlässlich der Milchwirtschaftstagung in Märwil vermochten viele Teilnehmer zu mobilisieren.
Zahlreiche Mitglieder von verschiedenen Agro-Beratungsvereinen besuchten die regionale Milchwirtschaftstagung in Märwil. Vor allem die Themen «Fruchtbarkeitsprobleme beim Rindvieh» und «gesunde Klauen durch optimale Fütterung» schienen die Teilnehmer zu interessieren. «Bei Umfragen werden Fruchtbarkeitsstörungen immer bei den drei meistgenannten Problemen aufgeführt», sagte Michael Hässig, Leiter Bestandesmedizin am Tierspital Zürich. Fruchtbarkeitsstörungen seien ein komplexes Thema mit verschiedensten Ursachen. Ein betriebliches Problem bestehe bei einer Zwischenkalbezeit von mehr als 385 Tagen, einer Serviceperiode von über 100 Tagen, einer jährlichen Ausmerzrate auf Grund von Fruchtbarkeitsstörungen von über 20 Prozent und ein durchschnittliches Erstkalbealter von drei Jahren und älter. Frühe Trächtigkeitsuntersuchungen nach 21 Tagen lehnt Hässig aus Kostengründen eher ab, da ein Nachuntersuch nach acht Wochen nötig werde, um ein sicheres Ergebnis zu haben. Fruchtbarkeitsstörung auszuschliessen, bedinge eine ausgewogene Fütterung. Das heisse, dass eine Kuh mindestens acht Stunden fressen müsse, um das Futter genügend zu verdauen. Speichel sei das beste Puffersystem im Pansen und habe einen kostengünstigen und hervorragenden Nutzen für eine optimale Verdauung. Das werde mit genügend rohfaserreichem Futter erreicht. Ein sicherer Wert dazu sei die Beobachtung der Kotkontinenz. Im Weiteren sei es wichtig, dass die Kühe nach dem Abkalben gut beobachtet werden, am zehnten Tag nach der Geburt müsse die Gebärmutter sauber sein. Laut Abgangsmeldungen bei der Tierverkehrsdatenbank werden, so Koni Höhener vom Landwirtschaftlichen Zentrum Rheinhof Salez, mit 15 bis 20 Prozent Klauen und Gliedmassen als Ursache des Abgangs angegeben. Mit einer ausgewogenen, gut strukturierten Fütterung könne diesem Problem entgegen gewirkt werden. Deshalb sei auch ein zeitgerechter Grasschnitt für die Heugewinnung zu beachten. Junges Heu gebe wohl viel Milch, aber der Gesundheit der Tiere bekomme etwas älteres Heu besser. Für gesunde Klauen gelte das Gleiche, wie sein Vorredner bereits für eine gute Fruchtbarkeit erklärt habe. Energiemangel und Eiweissüberschuss können Klauenprobleme verursachen. Deshalb sei eine der Milchleistung angepasste Fütterung und eine regelmässige Klauenpfl ege wichtig. Jürg Fatzer vom Thurgauer Milchproduzentenverband informierte im Weiteren über Wissenswertes zu den Milchverträgen und den Tätigkeiten der Branchenorganisation Milch.
Hanni Schild

Von links: Jürg Fatzer TMP; Michael Hässig, Leiter Bestandesmedizin Tierspital Zürich; Konrad Höhener, Landwirtschaftliches Zentrum SG, Rheinhof Salez. (hs)
