Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Frühling im Obstgarten

Ausgabe Nummer 18 (2015)

Zum Jubiläumsjahr lud Fructus zusammen mit dem Verein Obstsortensammlung zu einem Tag der offenen Tür in Hofen Roggwil ein. Viele anschauliche Informationen rund um den Ökoraum Hochstammbäume wurden direkt unter blühenden Bäumen auf unterhaltsame Art weitergegeben.

Nach einem für die Natur goldrichtigen Regen in der Nacht strahlte am Sonntag die Sonne wieder über den blühenden Obstbäumen in der Obstsortensammlung in Roggwil. Thomas Alder, Präsident des Vereins Obstsortensammlung, und Kaspar Hunziker, Präsident von Fructus, konnten einige Hundert Gäste begrüssen. Diese verteilten sich bald auf dem rund vier Hektaren grossen Gelände. Beim Schlendern unter den blühenden Bäumen traf man überall auf Attraktionen, alle Sinne waren gefordert. Es galt, bei einem Wettbewerb Vögel, welche im Obstgarten hausen, herauszufinden. Kinder bastelten zusammen mit den Eltern am «grössten Hotel von Roggwil », einem Hotel für Wildbienen mit unzähligen Röhrenzimmern aus Holunder- und Bambuszweigen. Fachleute gaben zusätzlich zu den Infotafeln überall Auskunft. Wer hat gewusst, dass in der Schweiz etwa 600 Arten von Wildbienen leben, von denen die Hälfte als vom Aussterben gefährdet gelten?

Schlemmereien, die nie verleiden
Der Imkerverein Egnach war vor Ort mit Schaubienenkasten und Honigproben, die je nachdem, welche Blüten auf der Menükarte der Bienen war, nach Wald, Linde oder Blüten schmeckten. Die Besucher spürten auch den Blütendüften nach.
Elisabeth Stäheli von der Mostgalerie hatte sich hinter die Geschichte des Einmachens gemacht und präsentierte an ihrem Stand allerlei Köstlichkeiten. Ein Gericht mit süss sauren Früchten habe sie gar in einem alten Gotthelf-Kochbuch entdeckt.

Eine neue Apfelsorte wird gezüchtet
Markus Kellerhals von der Forschungsanstalt Agroscope demonstrierte, wie eine neue Apfelsorte gezüchtet wird. Man wolle eine möglichst gute Qualität, viel Farbe, nicht zu kleine und nicht zu grosse Früchte, die möglichst resistent sind gegen Feuerbrand, Mehltau, Schorf und andere Krankheiten. Der Ertrag und auch die Saftqualität sollten gut sein. Gute Krankheitsresistenzen haben Wildäpfel, die aber zu klein sind, dennoch wird oft mit ihnen eingekreuzt. In der Natur besorgen Bienen und andere Insekten die Befruchtung der Blüten. Dabei bleibt die Herkunft des väterlichen Erbgutes geheim, denn man weiss nicht, von welchem Baum die Pollen stammen, welche das Insekt auf Nektarsuche nebenbei in die nächste Blüte überträgt. Bei der Sortenzüchtung geschieht die Auswahl bewusst.

Bienchen spielen
Kellerhals löste sorgfältig die Staubbeutel mit Pollen von der Vaterpflanze ab und übertrug sie mit einem Pinsel auf eine Apfelblüte in einem mit für Insekten dichten Gewebe eingepackten Blütenast. Der Blütenast wird eingebunden, bis sich die Frucht ansetzt. Die Kerne des heranwachsenden Apfels tragen dann wohl Erbgut des gleichen bekannten Vaters und der Mutter in sich. Die daraus nach der Aussaat im Januar, Februar heranwachsenden Bäumchen sind so verschieden wie fünf Kinder eines Elternpaares, von denen jedes genetisch einmalig ist. Die Jungpflanzen müssen allerlei Tests über sich ergehen lassen, sie werden mit Schorf infiziert und auf Mehltaubefall geprüft. Nur robuste Pflanzen, welche Abwehrstoffe entwickeln, werden im Mai ins Freie gesetzt, wo sie im ersten Jahr bis 1,8 Meter hoch werden. Es wird aber nur die oberste Spitze weggeschnitten und auf eine Unterlage gepfropft. Es dauert zwei bis drei weitere Jahre, bis die ersten Früchte reifen. Die jungen Bäumchen werden dann aber nur noch vegetativ vermehrt, also durch Aufpfropfen von Edelreisern auf eine Unterlage. Die interessantesten Äpfel werden den Konsumenten zum Testen angeboten und Lagerversuche gemacht. Es dauert etwa 20 Jahre, bis eine neue Apfelsorte herausgegeben wird.

Zweien, eine alte Vermehrungsart
Hansjakob Zwingli, ein Experte für Apfelsorten, zweite Reiser von selten gewordenen Sorten auf junge Bäumchen. Das Zweien sei eine alte Technik zum Erhalt und zur Vermehrung bestehender Sorten, gefordert sind viel Geschick und Fachwissen. Dazu müssen die Reiser von den Bäumen mit der gewünschten Sorte im Januar, Februar, noch vor dem Austrieb, geschnitten und kühl gehalten werden, sie müssen noch in der Winterruhe sein. Mit gekonntem Schnitt präparierte Zwingli die Reiser und pflanzte sie auf die Unterlage. Wichtig sei, die Reiser gut zu beschriften. Die Sortenbestimmung sei ein schwieriges Gebiet, seit letztem Jahr sei es möglich, die Sorte gentechnisch bestimmen zu lassen, das vereinfache die Bestimmung.


Trudi Krieg,
Salmsach













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