Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Futterknappheit - grosse Bedeutung von Zwischenfutter

Ausgabe Nummer 35 (2018)

Im laufenden Jahr ist auf den Wiesen mit Ertragseinbussen von 30 % zu rechnen. Deshalb fehlen über die ganze Winterfütterungsperiode bis zu 60 % Futter. Mit Zwischenfutter kann ein Beitrag zur Deckung dieses Defizits geleistet werden. In Anbetracht der frühen Maisernte kann Zwischenfutter im grösseren Ausmass als in anderen Jahren angesät werden. Die Bedingungen für eine Ansaat sind unterdessen wesentlich besser als noch vor einigen Wochen.

Wie schon im Artikel «Futterknappheit – Futterbau und Futterkauf» im Thurgauer Bauer vom 17. August ausgeführt, werden Thurgauer Betriebe – je nach Verlauf des Herbstes – mit einer Ertragseinbusse von 30 % auf ihren Wiesen rechnen müssen. Wird die Einbusse auf die fünf bis sechs Wintermonate verteilt, fehlen bei Winterbeginn auf den Betrieben 60 % der Wintervorräte. Nebst der Sicherung von zusätzlichen Futterreserven (Futterkauf, Ganzpflanzensilierung von Körnermais usw.) spielt der Anbau von Zwischenkulturen eine wichtige Rolle. Von einer einschneidenden Reduktion des Viehbestandes wird unbedingt abgeraten: Die Priorität sollte weiterhin bei der «Organisation» von zusätzlichem Futter liegen!

Wegen früher Maisernte vermehrter Zwischenfutteranbau möglich
Viele Maisfelder wurden unterdessen schon geerntet und auch die noch stehenden Felder dürften wohl bald geräumt werden. Dies bedeutet, dass die Anlage einer Zwischenkultur nach Mais in deutlich grösserem Umfang als in anderen Jahren gemacht werden kann. Immerhin ist mit Zwischenfutter ein zusätzlicher Herbstertrag von durchschnittlich 20 dt TS pro ha möglich. Dies soll ausnahmsweise auch dort geprüft werden, wo als Folgekultur Weizen gesät wird. Eine Ansaat von Zwischenfutter macht im laufenden Jahr auch für viehlose Betriebe Sinn. Damit können auch diese Betriebe zur Deckung der grossräumig fehlenden Raufuttervorräte beitragen. Bezüglich Entschädigung können als ganz grobe Ansätze die Preise auf der Homepage des Schweizerischen Bauernverbands eingesehen werden (Preise ➝ Pflanzenbau ➝ Futtermittel ➝ stehendes Gras). Auf Feldern, wo die Folgekultur nach Mais zeitig im kommenden Frühling angesät wird (zum Beispiel Zuckerrüben), kann nicht-überwinterndes Zwischenfutter (= Herbst-Zwischenfutter) ausgewählt werden. Soll im Frühling noch ein Schnitt erfolgen, muss überwinterndes Zwischenfutter gesät werden. Gemäss dem AGFF-Merkblatt 9 können Anfang September nur noch Futterraps, Sommerrübsen und Chinakohlrübsen, und ab 5. September nur noch Grünschnittroggen und Italienisch Raigras / Westerwoldisch Raigras gesät werden. In milden Lagen – zu denen ja grosse Gebiete des Kantons Thurgau gehören – können diese letzten empfohlenen Saattermine sicher um eine Woche hinausgezögert werden. Das heisst, dass zusätzlich zu den oben genannten Ansaaten auch die Saat von Klee-Gras-Mischungen (zum Beispiel Italienisch-Raigras-Klee-Mischungen) oder anderen Leguminosen-Gras-Mischungen (zum Beispiel Wick-Hafer-Gemenge) durchaus noch in Frage kommt. Für detaillierte Auskunft zur Eignung der verschiedenen Zwischenkulturen je nach Fruchtfolge gibt das AGFF-Merkblatt 9 einige Informationen. Aber auch bei den Saatgut-Anbietern können Angaben zur Eignung und zusätzlich auch die genauen Preise nachgefragt werden.

Zeitpunkt für eine Ansaat ist jetzt günstig, aber unbedingt drillen!
Auch nach anderen Kulturen als Mais soll Zwischenfutter dieses Jahr speziell ins Auge gefasst werden! So ist anzunehmen, dass auch andere noch stehende Kulturen früher räumen werden (zum Beispiel Sonnenblumen). Zudem wurde die Ansaat nach Getreide/Raps vielerorts trockenheitsbedingt noch nicht gemacht oder ist nicht gelungen. Je nach Fruchtfolge kann die Ansaat von Zwischenfutter noch Sinn machen. Mit den kühleren Temperaturen und den schon erfolgten, respektive in der nächsten Zeit zu erwarteten Niederschlägen, sollte eine Ansaat nun mit grosser Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein. Wichtig ist im laufenden Spätsommer/Herbst sicher, dass die Saat gedrillt und nicht breit gesät wird. Die Düngung kann zurückhaltend erfolgen, da die Nährstoffvorräte im Boden wegen dem fehlenden Wachstum in den vergangenen Monaten in diesem Jahr wohl noch beträchtlich sind und bei einsetzenden grösseren Niederschlägen ein starke Mobilisierung zu erwarten ist!

Daniel Nyfeler
BBZ Arenenberg




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