Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Futterknappheit - welches Futter rechnet sich?

Ausgabe Nummer 34 (2015)

Die Sommertrockenheit hat in allen Lagen im Thurgau den Raufuttererträgen zugesetzt. Sofern nicht ein ausserordentlich guter Herbst einen Teil des Ertragseinbruches kompensiert, werden wohl auf den meisten Betrieben 15 bis 20 Prozent an Futtervorräten für die Winterfütterung fehlen.

Besonders gravierend dürfte sich auswirken, dass die drei wichtigsten Hauptfuttermittel Gras, Mais und Zuckerrübenschnitzel betroffen sind und die Situation auch im nahen Ausland prekär ist. Gemäss Aussagen von Handelsteilnehmern ist zum Beispiel französische Luzerne bereits ausverkauft, die Italiener halten in Erwartung höherer Preise im Moment eher zurück. So ist der Luzernepreis von 32 Franken im Juni bereits auf Fr. 36 bis 38 Franken im August je dt angestiegen. Bei Schweizer Dürrfutter hat man schon Preise gegen 40 Franken je dt gehört. Deutsches Bodenheu ist noch für 32 Franken je dt erhältlich.
Die Zuckerfabriken wollen diejenigen mit den frühbestellten Mengen sicher bedienen. Alle Bestellungen, welche jetzt noch eintreffen, landen auf einer Warteliste. Die Preise werden aber nicht erhöht. Offenes Potenzial für Futterreserven liegt sicher in der Ganzpflanzenverwertung von Maisfeldern, welche für die Kolbenschrot- oder die Körnermaisernte eingeplant waren.

Preis pro MJ NEL vergleichen
Die Landwirte sind gut beraten, sich bereits jetzt um die Wintervorräte zu kümmern. In der nachfolgenden Tabelle sind aktuelle Marktpreise von verfügbaren Futtermitteln aufgeführt. Nebst der Verfügbarkeit der Futtermittel spielt die Einteilung nach GMF Programm sowie der Preis eine Rolle.
Der Preis eines Futtermittels kann einfach nach Rp. pro MJ NEL zu verglichen werden. Die Unterschiede im Rohproteingehalt beeinflussen die Preiswürdigkeit von Raufuttermitteln und Energieträgern unwesentlich, da Rohprotein sehr günstig über Rapsschrot oder Futterharnstoff ergänzt werden kann. Als Referenz wird der Preis einer unmineralisierten Getreidemischung beigezogen. Diese ist bei einem grösseren Bezug von über 5 Tonnen für Preise um 44 Franken pro Dezitonne pelletiert erhältlich.

Karotten und Kartoffeln sehr günstig
Preislich besonders interessant sind im Moment Kartoffeln und Karotten. Gemäss Aussagen von Abpackbetrieben sind deren Preise im Moment eher unter Druck. Teilweise mussten Karotten im August sogar über Biogasanlagen verwertet werden. Betriebe, welche für die Verfütterung dieser Futtermittel eingerichtet sind, können so ihr Futterdefizit günstig kompensieren. Allerdings dürften diese Futtermittel während der Silomaisernte nicht mehr so einfach verfügbar sein, weil sie von vielen Betrieben mitsiliert werden.
Die nebenstehenden Preise der Futtermittel können natürlich variieren. Rechnen Sie die Preiswürdigkeit gemäss Offerte nach. Futterzukäufe über dem Preis einer Getreidemischung machen nur Sinn, wenn zwingend Strukturfutter benötigt wird oder die GMFBilanz den Spielraum einschränkt.


BBZ Arenenberg
Milchproduktion
Christof Baumgartner




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