Ausgabe Nummer 24 (2006)

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Futtermittelfabrikanten sprechen von Reizklima

Schweizer Futtermittelfabrikanten tagten im Thurgau



An der Generalversammlung der Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten kreuzten Ständerat Philipp Stähelin und Direktor Manfred Bötsch, Bundesamt für Landwirtschaft, der in Salmsach aufgewachsen ist, zur einheimischen Futtermittelproduktion und zur Agrarpolitik 2011 verbal die «Klingen».

«Bei den Schweizer Futtermittelfabrikanten ist die Stimmung heute gereizt. Es macht keinen Sinn, das Reizklima das zurzeit herrscht, schön zu reden», stellte Ständerat Philipp Stähelin, Präsident Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten (VSF), an der Generalversammlung in Horn vor rund hundert Mitgliedern und Gästen fest. Nach seiner Meinung müssen alle Mitbeteiligten der Futtermittelbranche, Lieferanten, Abnehmer, die ganze Nahrungsmittelbranche und die sich mit der staatlichen Regulierung befassenden Personen wieder versuchen, den richtigen Ton zu finden, damit wieder Lösungen getroffen werden können. So müsse auch der Preisüberwacher mit vorhandenen Zahlen operieren, satt von «Heimatschutz» für die Futtermittelbranche zu sprechen.

Stähelin fordert gleich lange Spiesse
Stähelin kritisierte auch die Aussage des obersten Coop-Chefs, wonach die Schweizer Futtermittelproduktion nichts bringe, da Futtermittel aus dem Ausland billiger importiert werden können. Gleichzeitig werde aber in der Werbung auf die Nachhaltigkeit der Schweizer Sojaproduktion hingewiesen. Auch die Vorstellung von Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), sei nicht konsequent, wenn er behaupte, für die Schweiz genügen zwei Futtermittelhersteller und dabei gleichzeitig den Wettbewerb propagiere. Wenig erbauend sei auch die Forderung der Suisseporcs, die billigere Mischfutterpreise verlange. Vehement forderte Stähelin gleich lange Spiesse für alle. Diese Forderung habe auch Gültigkeit bei einem allfälligen Freihandelsabkommen mit der EU. Direktor Rudolf Marti (VSF) informierte über einen Brief der Coop Schweiz, der am Morgen der GV eintraf und versöhnliche Töne anschlage.

Bötsch verteidigt AP 2011
Zu Beginn seines Referates distanzierte sich Bötsch von der Pressemeldung, er habe sich für nur zwei Futtermittelfabrikanten ausgesprochen. Er verteidigte die Agrarpolitik (AP) 2011, die eine multifunktionelle und nachhaltige Landwirtschaft sichere. Bötsch vertritt die Meinung, dass der Prozess zwar unbequem sei und deshalb sozial verträglich gestaltet werden müsse. Zudem müssen die ökologischen Leistungen konsolidiert werden. Er betonte, dass der Ackerbau und die Tierproduktion im gleichen Boot sitzen. Zum einen übernehme der Ackerbau den Hofdünger und zum anderen verwerte die Tierhaltung das Getreide und die in der Nahrungsmittelindustrie anfallenden Futtermittel. Peter Hofer, Suisseporcs-Präsident, forderte die Verantwortlichen der VSF auf, die Leistungen und Bedürfnisse der Produktion zu hinterfragen, Preis-Splitsysteme einzuführen, Beratung nach Aufwand zu verrechnen und immer mehr auch Nettoangebote zu machen. Seinen Rücktritt aus dem Vorstand erklärte Diego Della Cà, Weinfelden. Der Vorstand mit Ständerat Stähelin und Thomas Klopfenstein, Mitglied des Vorstandsausschusses, Müllheim-Wigoltingen, wurde für eine Amtszeit von zwei Jahren bestätigt.

Mario Tosato


Trotz unterschiedlichen Meinungen glauben Manfred Bötsch, Philipp Stähelin 
und Rudolf Marti (von links) an die Zukunft der Futtermittelbranche. (tos)
Trotz unterschiedlichen Meinungen glauben Manfred Bötsch, Philipp Stähelin und Rudolf Marti (von links) an die Zukunft der Futtermittelbranche. (tos)