Ausgabe Nummer 38 (2003)

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Für gesunde, regionale Ernährung

Grenzüberschreitende Podiumsdiskussion zum Thema Gentechnik
 

Für gesunde, regionale Ernährung

 
Politikerinnen und Bauern und Bäuerinnen verschiedener Couleur haben sich am Sonntag in Kreuzlingen zu einer grenzüberschreitenden Podiumsdiskussion getroffen. Die einen lehnen Gentechnologie als Option klar ab, die anderen wollen mit einem Moratorium mehr Bedenkzeit erhalten. Vereint wollen sie sich jedoch für eine gesunde Ernährung aus der Region stark machen.
 

Für lokale Produkte setzten sich ein (von links nach rechts): Rosmarie Blaser, Altnau, Joachim Bärthele, Reichenau, Franz Käppeler, Stochach, Gesprächsleiter Andreas Binswanger, Tägerwilen, Liselotte Peter, Kefikon, und Silvia Schwyter, Sommeri.

 
Noch ist die Liste der Fragen über Gentechnologie und ihre Anwendung in der Landwirtschaft länger als die Liste der Antworten. Dies zeigte die Podiumsdiskussion im Bärenzentrum am letzten Sonntag deutlich. Unter der Leitung von Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes, legten auf dem Podium zwei Landwirte aus dem nahen Baden-Württemberg, zwei Bäuerinnen aus dem Thurgau und eine Grüne Frau Gemeindeammann aus dem Thurgau ihre Sicht der Dinge dar. Franz Käppeler aus Stockach, designierter Präsident des Badischen Bauernverbandes, machte auf die weltweite Verflechtung des landwirtschaftlichen Rohstoffhandels aufmerksam. Da es unter dem Druck der WTO-Liberalisierung nicht mehr möglich sein werde, genetisch veränderte Nutzpflanzen rundweg zu verbieten, sprach Käppeler sich für vertraglich geregelte gentechnikfreie Anbauzonen aus. Solche gibt es bereits entlang des Oberrheins im Elsass und Baden. Dort wird Mais für die Stärkeproduktion angebaut, die Landwirte lösen für den gentechnikfreien Mais rund zwei Euro mehr pro Dezitonne.

«Verzichten statt riskieren»
Entschieden gegen die Gentechnologie sprach sich Silvia Schwyter, Grüne Kantonsrätin und Gemeindeammann aus Sommeri aus. «Wir wissen noch viel zu wenig über die Gentechnologie. Langzeitstudien fehlen», erklärte sie. Schwyter findet es unverantwortlich, überhaupt Risiken in Kauf zu nehmen, welche der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) nach heutigem Wissensstand haben könnte.
Nichts von Gentechnologie wissen wollten auch die Vertreter des Biologischen Landbaus auf dem Podium: Bäuerin Rosmarie Blaser aus Altnau und Gemüsegärtner Joachim Bärthele von der Insel Reichenau. «Die Gentechnologie spielt mit dem Feuer», argumentierte Rosmarie Blaser. Stattdessen solle man besser den Absatz von gesunden, lokalen Produkten fördern, denn dies sei eher eine Antworte auf den Konkurrenzdruck von aussen als die Gentechnik, zeigten sich beide überzeugt.

Weiterforschen und dann entscheiden
Liselotte Peter, Grossrätin und Bäuerin aus Kefikon, verspricht sich dagegen viel von einem Gentechnik-Moratorium, über das in der Schweiz abgestimmt werden wird. Sollte die in kürze eingereichte Volksinitiative angenommen werden, so wäre es während fünf Jahren untersagt, gentechnisch veränderte Nutzpflanzen oder Tiere in der Praxis einzusetzen. Forschung dagegen wäre möglich. «Gentechnik ist nun einmal in der Welt. Wir müssen uns damit befassen. Eine bewusste Auseinandersetzung und eine starke Kontrolle sind notwendig», sagte Peter. Erst dann, so Peter, sei ein Entscheid über einen Einsatz von Gentechnologie in der Landwirtschaft für sie möglich. Ganz verbauen wolle sie sich die Option jedoch nicht. Ähnliches vertrat auch der Stockacher Franz Käppeler. Er sprach sich für eine unabhängige, staatliche Gentechnikforschung aus. «Wir dürfen dies nicht Staaten wie der USA oder Argentinien überlassen, wo die Forschung stark von den Chemimultis kontrolliert ist», entgegnete er einem Votanten aus dem Publikum, der meinte, die Forschung in Europa brauche nicht die gleichen Fehler zu machen, wie sie bereits in Übersee gemacht wurden.

Regionale Produkte stärken
Während man sich bezüglich eines möglichens Einsatzes von Gentechnik in der Landwirtschaft nicht einig war, sprachen sich dagegen alle Podiumsteilnehmer für eine starke Position regionaler Produkte aus. Mehrfach wurde an die Konsumenten (oder eben Verbraucher) appelliert, sich am Regal für regionale Produkte zu entscheiden. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution forderten Podiumsteilnehmer und Publikum «gesunde, regionale und (wenigstens so lange wie möglich) gentechnikfreie Ernährung für die ganze Bodenseeregion.» Alle Gemeinden der Bodenseeregion sollen gemäss Resolution «Bauernmärkte für lokale, gesunde Lebensmittel fördern und dadurch zu einem ökologischen und ökonomischen Vorbild werden.» (hil)
 
 
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