Ausgabe Nummer 19 (2007)
Garten der Bäuerin: Nimms wies chunnt – und wa chunnt
«Wenns Neujahr im Sommer ist» ? Fast so wie wenn der Sommer im April ist! Was hat
wohl dieser Jahreslauf noch für Überraschungen bereit, und wie sollen wir uns damit zurechtfinden?
Frühling im Januar Nach einem milden Winter ist zwar der Zuckerhutsalat auf den Gartenbeeten nicht erfroren, doch ist es mir wieder einmal passiert, dass der Nüsslisalat in die Höhe geschossen und somit auf dem Kompost statt in der Salatschüssel gelandet ist. Auch jedes kleinste unerwünschte Kräutlein hat sich über den Winter gut entwickeln können, sodass sich der Gemüsegarten im Frühling in allen Grünschattierungen präsentierte. Während dem Jäten in der bereits trocken und hart gewordenen Erde entschied ich, den Winterlauch möglichst schnell zu verwerten. Beim Rüsten ergab sich: höchste Zeit, die Blütenanlage war schon kräftig am Wachsen.
Sommer im April Und was setzen oder säen, wenn die Sonne täglich heisser scheint? Knoblauch und Zwiebeln wachsen auch in wärmeren Ländern; somit darf man annehmen, dass auch unsere handelsüblichen Sorten die Frühlingshitze ertragen. Radiesli und Karotten habe ich ausgesät in der Hoffnung, dass sie dann keimen, wenn sie genug Feuchtigkeit gefunden haben, um weiterzuwachsen. Die Setzlinge von Salat und Kohlrabi, die mit einem Erdballen ausgerüstet sind, haben heuer eindeutig Startvorteil; grosszügiges Angiessen für eine gute Verbindung mit der Gartenerde ist trotzdem lebenswichtig. Die ersten Tage bedecke ich meine «Frischlinge» immer mit einem Vlies, einerseits, um während der An- wachsphase Schutz vor zu viel Sonnenlicht zu geben, und andrerseits, weil sonst die lieben Spatzen so richtig im Jungsalat herumhacken. Den Spinat (eher heikel) habe ich durch Schnittmangold (robuster) ersetzt und erhoffe dadurch einige grüne Ernten. Erbsen mussten bislang mal nicht mit Staunässe kämpfen!
Nachtfrost im Mai?
Bald stellt sich die Frage, was die Eisheiligen (12. bis 15. Mai) in diesem Jahr noch bringen könnten. Balkonblumen, die auf dem Fenstersims platziert werden, sind durch ihren Standort etwas vor Kälte geschützt. Durch die grosse Wärme sind die überwinterten Pflanzen schon weit entwickelt – daher schadet es den frischen Trieben vielleicht weniger, wenn sie bald ihr Sommerplätzchen erhalten. Mit den Sommerblumen für aufs Beet bin ich persönlich eher zurückhaltend. Weil zuerst die Zwiebelgewächse dort blühen, dauert es seine Zeit, bis die Pflanzen sich zurückgebildet haben. Um einer Schneckeninvasion vorzubeugen (und auch, weils einfacher ist), schneide ich dann die gelb gewordenen oberirdischen Teile weg, die Zwiebeln bleiben im Boden. Darum etwas vorsichtig um diese Stellen hacken, dann erfreuen sie im nächsten Jahr wieder mit neuer Blütenpracht. Für den Sommerflor nun etwas Kompost oder organischen Volldünger einarbeiten, allerdings wäre dafür zwischenzeitlich ein Regen schon ein Segen! Im Gemüsegarten schliesslich sind es die wärmebedürftigen Arten wie Bohnen, Tomaten, Gurkengewächse, Sellerie und Peperoni, die empfindlich auf frostige Nächte reagieren. Aber doch lieber die voll entwickelten und ans Sonnenlicht gewöhnten Jungpflanzen aussetzen, als sie wegen des alten Sprichwortes vom Abwarten der kalten Sophie vergeilen zu lassen.
Vom Giessen
Ohne Wasser kein Leben, ja, aber täglich den Garten giessen? Dazu habe ich mir folgende Faustregeln zurechtgezimmert: Was ausserhalb von Mutter Erde gedeihen soll, muss regelmässig gegossen werden. Damit meine ich Balkonkistchen, Kübelpflanzen und Pikiertes in Töpfen oder Ähnlichem. Auch Neusaaten und frisch Versetztes erhalten Starthilfe durch Giessen. Später sollen sich die Pflanzen selber ihr Wasser suchen; dafür haben wir den Boden schonend vorbereitet und bearbeitet. Bei extremen Bedingungen muss ich dann doch etwa zweimal wöchentlich nachhelfen, schliesslich handelt es sich um (standortfremde) Kulturpflanzen, und wir wollen ja etwas von ihnen. Dabei beachten, dass entweder morgens früh oder abends gegossen wird, jedenfalls nicht bei strahlendem Sonnenschein. Was am Morgen an Wasser ausgebracht wird, ist bis am Abend versickert und verdunstet und von den Pflanzen aufgenommen (je etwa ein Drittel der Giessmenge). Auf diese Weise kommen Schnecken weniger in Versuchung, nachts in unsern Beeten zu weiden. Und zum Schluss verrate ich Ihnen noch meine drei Aufsteller, die mich auch durch widrige Bedingungen begleiten: 1. Solche Durststrecken bedeuten eine natürliche Selektion, denn nur die Widerstandsfähigen überleben. 2. Ich zähle darauf, dass in jedem Keimling eine ungeheure Lebenskraft steckt, die manchmal fast zum Steinerweichen ist. 3. Wetter wird gemacht, und ich vertraue darauf, dass es schon gut kommt, Jammern nützt sowieso nichts.
Ruth Merk
Frühling im Januar Nach einem milden Winter ist zwar der Zuckerhutsalat auf den Gartenbeeten nicht erfroren, doch ist es mir wieder einmal passiert, dass der Nüsslisalat in die Höhe geschossen und somit auf dem Kompost statt in der Salatschüssel gelandet ist. Auch jedes kleinste unerwünschte Kräutlein hat sich über den Winter gut entwickeln können, sodass sich der Gemüsegarten im Frühling in allen Grünschattierungen präsentierte. Während dem Jäten in der bereits trocken und hart gewordenen Erde entschied ich, den Winterlauch möglichst schnell zu verwerten. Beim Rüsten ergab sich: höchste Zeit, die Blütenanlage war schon kräftig am Wachsen.
Sommer im April Und was setzen oder säen, wenn die Sonne täglich heisser scheint? Knoblauch und Zwiebeln wachsen auch in wärmeren Ländern; somit darf man annehmen, dass auch unsere handelsüblichen Sorten die Frühlingshitze ertragen. Radiesli und Karotten habe ich ausgesät in der Hoffnung, dass sie dann keimen, wenn sie genug Feuchtigkeit gefunden haben, um weiterzuwachsen. Die Setzlinge von Salat und Kohlrabi, die mit einem Erdballen ausgerüstet sind, haben heuer eindeutig Startvorteil; grosszügiges Angiessen für eine gute Verbindung mit der Gartenerde ist trotzdem lebenswichtig. Die ersten Tage bedecke ich meine «Frischlinge» immer mit einem Vlies, einerseits, um während der An- wachsphase Schutz vor zu viel Sonnenlicht zu geben, und andrerseits, weil sonst die lieben Spatzen so richtig im Jungsalat herumhacken. Den Spinat (eher heikel) habe ich durch Schnittmangold (robuster) ersetzt und erhoffe dadurch einige grüne Ernten. Erbsen mussten bislang mal nicht mit Staunässe kämpfen!
Nachtfrost im Mai?
Bald stellt sich die Frage, was die Eisheiligen (12. bis 15. Mai) in diesem Jahr noch bringen könnten. Balkonblumen, die auf dem Fenstersims platziert werden, sind durch ihren Standort etwas vor Kälte geschützt. Durch die grosse Wärme sind die überwinterten Pflanzen schon weit entwickelt – daher schadet es den frischen Trieben vielleicht weniger, wenn sie bald ihr Sommerplätzchen erhalten. Mit den Sommerblumen für aufs Beet bin ich persönlich eher zurückhaltend. Weil zuerst die Zwiebelgewächse dort blühen, dauert es seine Zeit, bis die Pflanzen sich zurückgebildet haben. Um einer Schneckeninvasion vorzubeugen (und auch, weils einfacher ist), schneide ich dann die gelb gewordenen oberirdischen Teile weg, die Zwiebeln bleiben im Boden. Darum etwas vorsichtig um diese Stellen hacken, dann erfreuen sie im nächsten Jahr wieder mit neuer Blütenpracht. Für den Sommerflor nun etwas Kompost oder organischen Volldünger einarbeiten, allerdings wäre dafür zwischenzeitlich ein Regen schon ein Segen! Im Gemüsegarten schliesslich sind es die wärmebedürftigen Arten wie Bohnen, Tomaten, Gurkengewächse, Sellerie und Peperoni, die empfindlich auf frostige Nächte reagieren. Aber doch lieber die voll entwickelten und ans Sonnenlicht gewöhnten Jungpflanzen aussetzen, als sie wegen des alten Sprichwortes vom Abwarten der kalten Sophie vergeilen zu lassen.
Vom Giessen
Ohne Wasser kein Leben, ja, aber täglich den Garten giessen? Dazu habe ich mir folgende Faustregeln zurechtgezimmert: Was ausserhalb von Mutter Erde gedeihen soll, muss regelmässig gegossen werden. Damit meine ich Balkonkistchen, Kübelpflanzen und Pikiertes in Töpfen oder Ähnlichem. Auch Neusaaten und frisch Versetztes erhalten Starthilfe durch Giessen. Später sollen sich die Pflanzen selber ihr Wasser suchen; dafür haben wir den Boden schonend vorbereitet und bearbeitet. Bei extremen Bedingungen muss ich dann doch etwa zweimal wöchentlich nachhelfen, schliesslich handelt es sich um (standortfremde) Kulturpflanzen, und wir wollen ja etwas von ihnen. Dabei beachten, dass entweder morgens früh oder abends gegossen wird, jedenfalls nicht bei strahlendem Sonnenschein. Was am Morgen an Wasser ausgebracht wird, ist bis am Abend versickert und verdunstet und von den Pflanzen aufgenommen (je etwa ein Drittel der Giessmenge). Auf diese Weise kommen Schnecken weniger in Versuchung, nachts in unsern Beeten zu weiden. Und zum Schluss verrate ich Ihnen noch meine drei Aufsteller, die mich auch durch widrige Bedingungen begleiten: 1. Solche Durststrecken bedeuten eine natürliche Selektion, denn nur die Widerstandsfähigen überleben. 2. Ich zähle darauf, dass in jedem Keimling eine ungeheure Lebenskraft steckt, die manchmal fast zum Steinerweichen ist. 3. Wetter wird gemacht, und ich vertraue darauf, dass es schon gut kommt, Jammern nützt sowieso nichts.
Ruth Merk

